Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 2 (9.1.1891)
- Date
- 1891-01-09
- Page
- Seite 37 (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 2 Hesterretchische Mochmschrift Sette 37 philosophische Vorlesungen bei Ar n o l d, R e i n h a r d, L o s s i u s, Gotthard, S i e g l i n g, Hamilton u. A.; er war ein biederer und burschikoser Charakter und führte maucherlei Freunde bei den Seinigen ein, deren Namen zum Theil noch heute nicht vergessen sind. Unter diesen befand sich Philipp Montag, welcher die Freiheitskriege mitmachte und 1825 als Rathsmann in Sömmerda gestorben ist, ferner der Dr. jur. Karl Gottfried W ü r s ch m i d t, der später die Jurisprudenz aufgab und nach einer bemerkenswerthen Laufbahn, welche ihm freilich durch seinen Pathen, den Mainzer Kurfürsten, schon in der Wiege gewährleistet worden war, hier in Erfurt als Dompropst und päpstlicher Kammerherr starb. Sodann nenne ich einen gewissen Staudinger und den witzigen Dichter Dr. Schier, von welchem Beyer *) in seiner „Neuen Chronik von Erfurt" erzählt, daß er ein genialischer Mensch gewesen sei, und daß er ein Begrüßungs-Gedich verfaßt habe, welches im Jänner 1814 dem an der Spitze der preußischen Truppen einrückenden General von Kleist durch junge Mädchen überreicht worden ist. Nach U n g e r's Angabe ist dieser Erfurter Poet bald danach bei den freiwilligen Jägern eingetreten. Im Jahre 1808, der Zeit des großen Fürstentages in Erfurt, als 4 Könige und 34 Fürsten aus Deutschland sich hier einfanden, um dem gewaltigen Franzosenkaiser ihre Huldigung darzubringen, waren die Bewohner Erfurts naturgemäß in hoher Aufregung. Jeder aber suchte des Anblicks der Personen theilhaftig zu werden, welche ihm sehenswerth erschienen. Unser Erfurter Kind nun und seine Gespielen hatten wenig Theilnahme für alle die großen Herrschaften, ja kaum einige Neugier für Napoleon selbst, der, mit seinem dreieckigen Hutgeschmückt, auf einem braunen Pferde sitzend an dem Knaben vorüber guloppirte. Desto mehr Bewunderung aber erregte bei ihnen der französische General-Tambour, der, in Gold strotzend, mit vieler Zierlichkeit und mit nachlässigem Anstande den Truppen voranschritt und mit seinem prächtigen Stock allerlei Künste ausführte. — Auch jenes Schauspiel prägte sich dem Knaben tief ein, welches die Böttcherinnung vor den Häusern der Potentaten mit weißen Reifen aufführte — alle in Schuhen und Strümpfen, in kurzen, scharlachrothen Hosen und weißen Hemden mit weiten Aermeln. Jeder hatte einen offenen, großen Reifen bis auf den, welcher die Rede hielt. Dieser hatte einen kleineren geschlossenen, mit welchem er seine Künste auf der Kuppel zeigte, die die anderen mit ihren Reifen gebildet hatten. - Diesen Aufzug sah U n g e r vor dem Hause, in welchem der König von Württemberg wohnte, also wohl vor dem Hause der Frau Kammerrath Reinhard auf dem Anger Nr. 1364**).Den erwähnten hohen Herrn aber wünschte er so gern selbst zu sehen, da er von dessen starker Corpulenz gehört hatte, und ebenso von einem legendenhaften' unterhalb der Weste desselben angebrachten goldenen Knopfe, auf welchem sich die Worte befunden haben sollen: „Ich kann mein Reich nicht übersehen." Trotz solcher ergötzlichen Scenen, welche die Anwesenheit der Franzosen mit sich brachte, waren letztere unserem Erfurter Knaben unheimliche Gäste, die er immer mit einer gewissen Scheu betrachtete. Er erlebte mehrere Auftritte, in denen unsere Landsleute von den Fremden auf eine schreckliche Art mißhandelt wurden, und das Schlimmste war dabei, daß die Armen selten ihr Recht fanden. Manche der Keinen Geschichten, welche uns Unger aus dem bunten Treiben jener Jahre aufbewahrt hat, tragen ein anekdotenhaftes Gepräge. So erzählt er uns von einem Jugendfreunde seines Vaters, der alle Jahre an einem bestimmten Tagseinen Bekannten ein Fest gab und selbst dabei in grauen Sträflingskleidern' erschien, zur Erinnerung daran, daß er an diesem Tage einst in Paris zur Revoluttonszeit zum Tode verurtheilt und nur durch Vermittelung der Fischweiber von der Guillotine gerettet worden war. Auch von einem seiner Lehrer spricht der Selbstbiograph, einem alten Manne, der sich im Besitze einer ansehnlichen Sammlung von Stöcken befand und der der spartanischen Erziehungsmethode hold gewesen, der sich aber zugleich nicht wenig darauf zu Gute that, daß der Feldmarschall Gneisenau „unter seiner schweren Hand hervorgegangen war". Später ist Unger vermuthlich Schüler des Weingärtner'schen *) Constantin Beyer, Neue Chronik von Erfurt, Erfurt o. I. S. 563. **) Vgl. C. Beyer, Neue Chronik von Erfurt S. 424. Institutes gewesen; wenigstens erzählt er, daß er eine höhere Schule besucht, an der sein Bruder den mathemattschen Unterricht vorgetragen hätte; und diese Angabe paßt auf Weingärtner's Lehranstalt. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. Uv, 1, 2, 42, Jahrgang 1890 der „Oesterreichischen Wochenschrift" werden von der Administration des Blattes zu kaufen gesucht. K. Riesenfeld. Oberlehrer, Ungavisch-Urod Es wurde abgelchnt. Moritz Krrda, Krün«. Besten Dank. Josef Kellner, Gfsegg Sie müssen in Preßburg anfragen. „Isr&elita", Marschau Wir senden Ihnen das Blatt. Bernhard Fetzt er, Gärfrrudorf Allerdings mutz auch dieser Religionslehrer sich naturalisiren lassen. Wir sind gerne bereit ihm dazu behilflich zu sein. Mar Meißbern, Ktauislau Für uns ungeeignet. Coneurs. An der Ueutraische» israelitischen Kultusgeruriude ist die mit 800 bis 1000 Gulden Jahresgehalt, freier Wohnung und Nebenemolumenten dotirte Gantorftelle zu besetzen. Auf diesen Posten können nur musikalisch gebildete zur Leitung des Chors befähigte Cantoren, die im Besitze einer schönen klangvollen Stimme find, concurriren. (Das Chorpersonal wird separat honorirt). Zum Probevortrage werden nur die hierzu Berufenen zugelaffen und Reisespesen nur dem Acceptirten ersetzt. Mit Zeugnissen über Befähigung, bisheriges Wirken, Alter. Familienstand, religiös-sittlichen Lebenswandel ausgestattete Offerte sind bis 15. Februar 1891 an den gefertigten Gemeindepräses einzusenden. Neutra, 1. Jänner 1891. Dr Heinrich Deretzlrnqi Gemeindepräses. ♦ Ein Winterrock fl. 16, ein Lodenrock (warm gefuttert) fl. 7, ein Knabenanzug fl. 6, ein Stadtpelz fl. 60 bei Jacob Rothberger, k. u. k. Hoflieferant, Wien, I., Stefansplatz Ur. ft. Täglich bis 12 Uhr Nachts geöffnet und elektrisch beleuchtet. Telephon Nr. 978. Ich beehre mich hiemit der?. 7). Damenwelt die ergebenste Anzeige zu machen, dich in meiner von der k. k. Statthalterei concessionirten Urioat-Kehraustatt f«r SchnMzeichne» »ud Klrtdrrmachru nach neuester englischer SchuMmethode unterrichtet wird, und nach sechsmonatlicher Lehrzeit Zeugnisse zur sofortigen Erlangung eines Arbeitsbuches ertheilt werden. Für Kleidermacherinnen, welche die neueste englische Schnittmethode erlernen wollen, habe ich einen Separatcurs errichtet, in welchem diese in dem kurzen Zeiträume von acht Tagen diese prattische Schnittmethode sich aneignen können. Schülerinnen aus der Provinz erhalten gegen mäßiges Honorar streng religiöse Verpflegung. 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