Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 2 (9.1.1891)
- Date
- 1891-01-09
- Page
- Seite 35 (sequence 17)
- Language
- German
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dtr. 2. HesterreLchisthe Wochenschrift Sette 38 die seitens der genannten Kaufleute eingereichte Klage wurde Kratz zu einer Geldstrafe verurtheilt, wogegen derselbe Berufung eingelegt hatte. Nunmehr ist die Sache in der Berufsinstanz hier zur Verhandlung gekommen. Die Strafkammer schloß sich den Ausführungen des schöffengerichtlichen Urtheiles in jeder Beziehung an und verwarf die Berufung des Angeklagten unter Verurtheilung desselben in sämmtliche Kosten. Königsmark, 4. Jänner. Für heute war hier eine große antisemitische Versammlung angekündigt, welche die Organisation der antisemitischen Partei in Böhmen bezwecken sollte. Wie aus den Placaten ersichtlich war, hatten zu dieser Versammlung Schönerer, Abg. Türk und der Schriftleiter der „Unv. D. W.", J r o, ihr Erscheinen zugesagt. Aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung wurde jedoch von der Bezirkshauptmannschaft die Abhaltung dieser Versammlung untersagt. Ireiburg i. W., im December. Der Redacteur des in Totnau erscheinenden antisemitischen Blättchens hat dieser Tage einen fühlbaren Denkzettel erhalten. Ein hiesiger Rechtsanwalt, der der israelitischen Gemeinde angehört, hatte einen Bürgermeister vertheidigt, der seinem Pfarrer während der Predigt Ruhe geboten und die Kirche in Aufsehen erregender Weise verlassen hatte. Der Angeklagte, der in dieser Predigt gröblichst angegriffen worden war, ist, nachdem zuerst eine milde Verurtheilung erfolgt war, von der Strafkammer Waldkirch (und zuletzt auch vom Reichsgericht) freigesprochen worden. Während die Sache beim Reichsgericht schwebte, wurde in badischen Blättern eine sehr heftige Polemik darüber geführt. Das antisemitische Blättchen ergriff freudig die Gelegenheit, dem „jüdischen Rechtsanwälte" vorzuwerfen, daß der Jude nicht allein an der sittlichen Verwilderung seine Freude habe, sondern daß er aus der Verrottung der öffentlichen Zustände seine Nahrung ziehe. Darauf von dem Rechtsanwälte, dem sich alle Berufsgenossen am Orte freiwillig zur Verfügung gestellt hatten, verklagt, ist der Redacteur von dem Schöffengericht Schönau zu 8 Tagen Gefängniß, 50 M. Geldstrafe, in die Kosten und Veröffentlichung des Urtheils in seinem Blatte verurtheilt worden. Nach antisemitischer Gepflogenbeit hat der Angeklagte vor dem Termin geäußert, wenn er verurtheilt werde, trinke er eine Flasche Champagner. Ein hiesiges ultramontanes Blatt bemerkt hierzu: Trinken könne er sie nun; es sei aber fraglich, ob sie ihm schmecken werde. Wreskau, 28. December. Nach 28jähriger Thütigkeit ist Dr. Moriz Elsner aus der Redaction der freisinnigen „Breslauer Morgenzeitung" ausgetreten. Der 82jährige, noch wunderbar rüstige Greis war eine Zierde des Journalistenstandes. Als langjähriger Landtagsabgeordneter für den Hirschberger Kreis ist er auch in der Oeffentlichkeit vielfach hervorgetreten. Der hiesigen Stadtverordneten- Versammlung gehört Dr. Elsner, der sich wegen der Lauterkeit seines Charakters auch bei den Gegnern der höchsten Achtung erfreut, noch heute an. Htom, 26. December. Herr David Cavaliere S e g r e, Gesandter bei der Republik Peru, ist zum Gesandten bei der mexikanischen Republik ernannt worden. Herr Segr 6 ist ein Sohn des Präses der jüdischen Gemeinde in Saluzzo (Oberitalien). San Irancisco. Die vornehmsten Juden von San Francisco haben beschlossen, ein Capital von 50.000 Pf. St. aufzubringen, um damit die verfolgten russischen Juden zu unterstützen Dem Programm zufolge wird der Ankauf von einer Million Morgen Land in Mexico beabsichtigt, welches zum Preise von einem Dollar pro Morgen zu haben ist. Die Ländereien sollen in kleine Farmen getheilt und an jüdische Exilirte überlassen werden, deren Beförderung nach Amerika durch Vermittlung einer englischen Gesellschaft von Glaubensgenossen erfolgen soll. An der Spitze des Comitös steht ein vornehmer Banquier von San Francisco, Mr. Daniel Myer. Marocco. Die Delegirten der Juden von Mogador, welche jüngst nach Marocco kamen, um dem Sultan eine Petition wegen Errichtung neuer Bauten zu überreichen, haben eine Audienz erwirkt, in welcher dieselben vom Sultan huldvollst empfangen wurden und ihnen bedeutet wurde, daß ein Beamter nach Mogador kommen werde, um einen für Neubauten passenden Platz auszuwählen. Es heißt, daß die neuen Häuser auf Staatskosten erbaut werden sollen, und daß die Miethe auf Basis von 6 Procent für ein Jahr werde berechnet werden. Der Sultan hat bereits sein Versprechen eingelöst und einen Architekten* nach Mogador geschickt, welcher die nöthigen Pläne vorbereitet. Tondo«. Es ist nunmehr entschieden, daß die Deputation, welche in Gemäßheit des in Guildhall gefaßten Beschlusses, dem Zar eine Bittschrift hätte unterbreiten sollen, die Reise nach Petersburg nicht antteten wird. Wie wir hören, wurden von höherer Seite sehr ernstliche Vorstellungen gegen die Ausführung dieses Planes gemacht und den maßgebenden Persönlichkeiten bedeutet, daß die Depntaüon nicht blos nicht werde empfangen werden, sondern, deren Absendung allein einen ungünsttgen Eindruck Hervorrufen würde, daß es demnach im Interesse der verfolgten Juden Rußlands vorzuziehen sei, die Bittschrift des Lordmayors in weniger förmlicher Weise in die Hästde des Kaisers gelangen zu lassen Die Deputatton, welche bekanntlich aus dem Earl of M e a t h und Sir Albert R o l l i t hätte bestehen sollen und welcher sich auch die Comtesse of M e a t h hatte anschließen wollen, hat sich demnach über ernstliches Zureden seitens des Lordmayors und des russisch-jüdischen Comitts entschlossen, die Reise auszugeben. Wie wir hören, ist die Bittschrift bereits in St. Petersburg angelangt. Sobald dieselbe in die Hände des Zaren gelangt sein wird, wird der Wortlaut derselben veröffentlicht werden. Washington. Dr. Cyrus Adler von der John Hopkins-Universität wurde jüngst zum Commissionsmirgliede der Weltausstellung, welche in Chicago im Jahre 1892 stattfinden soll, ernannt und mit der Aufgabe betraut, den Orient zu bereisen, um eine möglichst vollständige Bertretting von Bildern und Darstellungen aus dem Leben der alten Völker, sowie Reliquien und Denkmäler früherer Civillsationsepochen zu sichern. Der junge Gelehrte ist ein aufstrebendes Talent und hat seitens der John Hopkins-! Universität, an welcher er Professor ist, vielfache Aneiferung j erfahren. Zudem ist derselbe Custvs der bedeutenden : Abtheilung für Orientalia au dem Nattonalmuseum zu Washington, in welcher Stellung ihm Gelegenheit geboten . wurde zu selbstständigen Nachforschungen auf dem Gebiete der Assyriologie, wodurch derselbe mit Gelehrten der ganzen Welt in Berührung kam. Abgesehen davon ist Dr. Adle r,; welcher kaum 30 Jahre alt ist, für seine Glaubensgenossen : in Amerika in eifrigster Weise thätig, und zwar als Miti glied des Baltimore-Comitts der Baron Hirsch- Stiftung, als Mitglied des Executivcomit6s der jüdischen Publications- \ gesellschaft von Amerika und als Gründer des Localcomitts der Alliance israelite. Amsterdam Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die junge Königin von Holland dem Beispiele ihres Vaters in Bezug auf Uebung interconfessioneller Wohlthätigkeit folgen werde. Der alljährlich von dem verstorbenen König dem Waisenfonds jüdischer Diamantschleifer in Amsterdam bewilligte Betrag wurde von der Königin Wilhelmine in gleicher Höhe snbscribirt. In verschiedenen Provinzen Hollands gibt es einen höheren Sanitätsrath, welcher mit der Beaufsichtigung der öffentlichen Hygiene bettaut ist. Mehrere offene Stellen wurden in demselben jüngst besetzt. Unter den mit königlichem Decrete für diese Posten Berufenen befinden sich