Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 2 (9.1.1891)
- Date
- 1891-01-09
- Page
- Seite 34 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34. Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 2. Drag, 5. Jänner. Hier coursirt das Gerücht, welches allgemeine Beunruhigung bei den jüdischen Gemeindemitgliedern Hervorrust, daß im Schoße der Commission, welche die Cultusgemeinde-Repräsentanz mit dem Entwurf eines neuen Gemeindestatutes betraut hat, Velleitäten vorhanden sind, für einen der hierortigen Rabbiner Vorrechte zu vindiciren, entgegen dem ß 17 des Gesetzes betreffend die Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaft, welche für alle gesetzmäßig angestellten Rabbiner, welcher Richtung sie angehören mögen, gleiche Rechte festsetzt. Es steht zu erwarten, daß die Beunruhigung der Gemüther bei den nächsten Repräsentantenwahlen der Cultusgemeinde sich manifestiren wird. ^»otleschau, Jänner. (Bermählung.) Vor Kurzem hat der hiesige Arzt Herr Med. Dr. Sigmund Knopf in Wien seine Vermählung mit Fräulein Juditha Müller, Tochter des Confectionäres David Müller, gefeiert. Herr Dr. Knopf, ein junger ebenso strebsamer als tüchtiger Arzt, hat hier schon einige schöne Erfolge erzielt und sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit die Sympathien der Bevölkerung erworben. Gßropi» (Mähten). Am letzten Sonntag des vergangenen Jahres wurde die Leiche des Herrn Salomon Schönbeck, der hier als einziger Jude 57 Jahre lebte, von hier nach Kojetein überführt und dort zu Grabe gebracht. Der Verblichene war ein bedeutender Talmud gelehrter und ein Menschenfreund im schönsten Sinne des Wortes, so daß er sich allgemeiner Beliebtheit erstellte. Vor dem Trauerhause erschien die ganze Bauernschaft des Ortes und , hörte andächtig und tiefergriffen die Leichenrede an, die der Rabbiner von Proßnitz hielt, und begleitete dann bei einer Kälte von 18 Grad Reaumur zu Fuß den Leichenwagen nach Kojetein, woselbst die ganze Bevölkerung dem Todten die letzte Ehre erwies. Der Verstorbene war eine Zierde der Kojeteiner Gemeinde und hat trotz seiner 85 Jahre noch am letzten Jom-Kippur mit solch' heiligem Eifer g e d u ch e n t, daß kein Auge in dem Gotteshause trocken blieb. Der Sohn des Verblichenen wandelt ganz in den Fußstapfen seines Vaters, ist, ebenso wie dieser war, ein Wohlthäter der Armen und geachtet in allen Kreisen der Bevölkerung. Die Schönbecks sind verschwägert mit den Brüdern Ritter von G u t m a n n und dem Glasfabrikanten Salomon Reich, welch' letzterer bei dem Leichenbegängnisse zugegen und Zeuge der Ehren war, die dem frommen Juden von Nichtjuden zutheil wurden, in einer Stadt, wo noch vor Kurzem Judenkrawalle stattfanden. Ein Reflex der Ehren des Verblichenen fällt auf uns alle und er möge dafür im Grabe gedankt sein. Budapest. (Israelitische Stipendien.) Seitens des ungarischen israelitischen Landesstipendienvereines wird der Concurs auf folgende Stipendien ausgeschrieben : 1. Auf das Baron Josef E ö t v ö s - Stipendium mit 200 fl.; 2. auf das Baron Popper de Podhrägy- Süpendium mit 100 fl.; 3. auf das Dr. Eduard Oesterreicher- Stipendium mit IM fl.; 4. auf das M. L. Fochs- Stipendium mit 160 fl.; 5. auf das Johanna Fochs- Stipendium mit 100 fl.; 6 auf das Moriz und Ernestine Schreiber - Süpendium mit 100 fl.; 7. auf das Athur S t e rn t h a l - Stipendium mit 100 fl.; 8. auf das Max und Julie N e u m a n n - Süpendium mit 100 fl.; 9. auf das Lorenz S v ä b - Stipendium mit 100 fl.; 10. auf das Abraham S ch w a r c z und Frau-Stipendium mit 100 fl.; 11. auf das Salamon und Josepha K o h n - Stipendium mit 100 fl.; 12. auf das Dr. Joseph von Rüzsay- Stipendium mit IM fl.; 14. auf das Dr. Jacob B ö h m- Stipendium mit IM fl.; 14. auf das Wilhelm Singer- Stipendium mit 100 fl.; 15. auf das Gerson und Julie Spitzer- Stipendium mit IM fl.; 16. auf das Julius W o l f n e r - Süpendium mit 100 fl.; 17. auf das Moriz W a h r m a n n - Stipendium mit 100 fl.; 18. bis 32. auf fünfzehn B e r e i n s st i p e n d i e n zu je 100 fl., von welch' letzterem eventuell fünf in Stipendien zu je 50 fl. zur Vertheilnng gelangen werden. Concurriren können mittellose ungarische Studirende israelitischer Confession, die an einer höheren Lehranstalt Ungarns sich durch Fleiß und gute Sitten auszeichnen. Als solche höheren Lehranstalten gellen : die U n i v e r s i t ä t, das Polytechnikum und die Landesrabbinerschule. Rigorosanten können ebenfalls concurriren. Die Bewerber werden angewiesen, ihren Gesuchen Geburtsscheine und authentische Atteste über ihre Mittellosigkeit sowohl, als auch über den Fortgang ihrer Studien im letztvergangenen und laufenden Schuljahre beizufiigen. Ferner haben die Bewerber ihre Gesuche eigenbündig zu schreiben und in denselben zu erwähnen, ob sie bereits prämiirt wurden oder derzeit im Genüsse eines Stipendiums sind. Die solchermaßen ausgestatteten Gesuche sind bis 31. Januar l. I. an den Vereinssecretär Herrn Dr. Joseph S i m o n (Budapest, V., Badgasse 10) Portostei einzusenden. Budapest (Ein Abgeordneter als Dokumentenfalscher) Beim Stuhlweißenburger Gerichtshöfe wurde, wie uns aus Budapest telegraphirt wird, der antisemitische Abgeordnete Gerson H e n d e y wegen Documentenfälschung unter Anklage gestellt. Derselbe wird nun vom Abgeordnetenhause ausgeliefert werden. Saaz Tiefe Trauer erfüllt die israelitische Cultusgemeinde Der gelehrte und allgemein geachtete Rabbiner Dr. Baerwald ist am 3. Jänner 1891, im 38. Lebensjahre, nach zehnjähriger, segensreicher Amtswirksamkeit einem tückischen Leiden erlegen. Der Heimgegangene war ein Mann von großen Geistesgaben und hohen Tugenden, gelehrt und pflichteifrig, und wußte sich das Vertrauen und die Liebe seiner Gemeinde in hohem Maße zu erwerben. Er war der Schwiegersohn des seligen Direktors Lazarus vom Rabbiner-Seminar in Breslau und an seiner Bahre trauert eine junge Witwe mit den verwaisten Kindern, aber auch die gesammte Gemeinde, welche ihm treu anhing. Aokay, 15. December. Die Stadtrepräsentanz hat in ihrer gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, als Zeichen des Dankes für die hochherzige Spende des Herrn Baron Moritz von Hirsch eine der Hauptstraßen „Baron Hirsch- Straße" zu nennen. Bukarest, den 4. Jänner 1891. Das Gesuch des Bucarester Unioersitätsprofessors S e i n e m a n n um Neutralisation wurde in der gestrigen Sitzung der Kammer mit 52 gegen 2Stimmen zurückgewiesen. Professor Seinemann ist einer der ersten Capacitäten auf dem Gebiete der rumänischen Sprachforschung und der Einzige, der fähig gefunden wurde, die Lehrkanzel für rumänische Philologie an der Universität erfolgreich zu bekleiden. Auch die Lehrkanzel für Mathematik hat ein Jude, Professor David E m a n u e l inne. Berlin, 26. December. Herrn Commercienrath L. M. Goldberger ist das Offici erkreuz des Ordens der italienischen Krone verliehen worden. Berlin. Der Landgerichtsrath Herr Albert Mosse ist zum Oberlandesgerichtsrath in Königsberg ernannt worden. — Der Kaufmann Herr Hugo L i s s a u e r, Inhaber der bekannten Seidenfirma H. L i s s a u e r in Berlin, ist zum Königlichen Commerzienrath ernannt worden. Marburg, 18. December. Der Privatdocent Dr. Benno Klein ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät hiesiger Universität ernannt worden. Zlarrnstadl, 26. December. Ein gewisser Karl Kratz in Wettsaasen hatte nach einer an die Kaufleute Wallach in Alsfeld geleisteten Zahlung an denselben eine Postkarte folgenden Inhalts geschrieben: Anbei schicke ich Ihnen den Betrag mit Mark 221.53 und will Gott danken, daß es das Letzte ist, welches Sie von mir erhalten und wünsche Ihnen hiermit eine glückliche Reise nach Jerusalem. Auf