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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-09 · 2 (9.1.1891) · p. Seite 33

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
2 (9.1.1891)
Date
1891-01-09
Page
Seite 33 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2 Hesterreichifche Wochmfchrift Seite 33 Herr Emil Frankel besprach S u l z e r s Eigenschaften als treuer Sohn seiner Eltern, deren Lebensabend er mit kindlicher Dankbarkeit und Verehrung verschönte; als Bruder seiner einzigen Schwester Henriette, mit der er in innigster Liebe harmonirte und als sie fünf Monate vor ihm starb, da ward sein einziger Wunsch, mit ihr bald vereint zu werden, so schnell erfüllt! Als Bruder seines einzigen Bruders Jacob, des Gelehrten und Philologen, der zurückgezogen nur seinen Studien lebte! Der Redner zeichnete nun in herrlichen Farben, wie der junge Hohenemser Cantor Salomon S u l z e r die schöne Patriziertochter Fanny H i r s ch f e l d aus Hohenems liebte, nach Wien als Obercantor berufen, ehelichte, und die heitere glückliche Ehe ihn in seiner künstlerischen Thätigkeit günstig beeinflußte. Als ihm aber seine geliebte Fanny entrissen wurde, da lebte er nur mehr für seine Thätigkeit und für seine zahlreichen Kinder, die er mit innigster Liebe umgab die aber auch ihrem zärtlich geliebten Vater mit vollster Dankbarkeit, Liebe und Anhänglichkeit zur Seite standen. Eine große Anzahl herrlichster Kränze wurde ans das Grab niedergelegt. Wien, 31. December. (Dr. Lueger als Krampus.) Wir erhalten folgende Zuschrift: „Die Schulmeister irgendwo au der Leitha haben einen Verein, der in seine Statuten auch die Veranstaltung wissenschaftlicher Vorträge ausgenommen hat. In der Jänner-Versammlung des Vereins sollte nitn ein Vortrag gehalten werden und der Ausschuß wendete sich diesbezüglich an den hiesigen Zahnarzt Dr. K. Dieser, der das Koch'sche Heilverfahren in Berlin selbst vor Kurzem kennen gelernt hatte, erklärte bereitwillig, über die Koch'sche Entdeckung, die auch für die Schulhygiene ein mittelbares Interesse hat, sprechen zu wollen. Nun wandte sich der Vereinsausschuß an den hiesigen Seminardirector Dr. L. mit der Bitte, ihm den Seminarfestsaal zur Abhaltung der Versammlung zu überlassen, was schon des Oefteren geschehen war. Aber in dem zwischen dem Saalverwalter und dem Vereinsvorstande sich entspinnenden Dialoge verweigerte Jener nicht nur den Saal, sondern überhaupt jedes Local — mit der Begründung, er könne einem Juden (Zahnarzt Dr. K. ist ein Jude) den Saal nicht überlassen, denn was würde der Dr. Lueger im Landtage dazu sagen! Daraufhin Verabschiedung des Vereinsvorstandes und Entfall des Vortrages. Gibt es eine bessere Beleuchtung unserer Zustände?" („Deutsche Ztg.") Wien, 3. Jänner. In einer der letzten Nummern des „Deutschen Volksblattes" denuncirt Ehren-Vergani die „Kühnheit" eines Juden aus Tetschen a. d. E., welcher österreichischen und ungarischen Weinhändlern „Weinfälschungsmittel". wie Weincouleur, Glycerin zur Klärung rc., anbietet. Wie wir mit voller Bestimmtheit versichern können, besteht in genannter Stadt nur eine einzige Fabrik, die sich mit der Erzeugung der erwähnten — übrigens ganz legitimen Artikel — befaßt und die betreffende Firma „Kurzhals" ist keine jüdische, sondern eine echt arische und wie wir auch gerne — der Wahrheit die Ehre gebend — hinzufügen, streng solide. Es wird uns aber auch weiter versichert, daß die Firma-Inhaber echt in der Wolle gefärbte Antisemiten sind und fordern hiemit den polnischen Sohn Teuts auf, auch seinerseits der Wahrheit die Ehre zu geben und seine Denunciation betreffend den zu Weinfälschungen verleitenden Juden dahin zu berichtigen, daß jenes Delicts ein genuiner Antisemit anzuklagen sei. Wien. Herr Eugen Singer. Beamter des Wiener Bankvereins, Sohn des Herrn Obercantor Singer, wurde laut kaiserlichen Verordnungsblattes zum k. k. Lieutenant der Reserve im Infanterie-Regiment Großherzog Sachsen-Weimar-Eisenach ernannt. Wien. (Personalnachrichten.) Fräulein Ella Heit, Tochter des Fabrikanten Herrn S. Heit, hat sich mit Herrn Moritz Schwarzmann, Sohn des Großindustriellen David Schwarz mann verlobt. — Fräulein Helene B o n d i, Tochter des Herrn Markus B o n d i in Wien, hat sich mit Herrn M. S. Hausdorff in Rotterdam verlobt. — Fräulein Erna Ratz, Tochter des Herrn N. Ratz, hat sich mit Herrn Wilhelm L ö w e n st e i n aus Papa verlobt. Wien. (Schönerer evvtrn Vergani.) In dem Briefkasten der letzten Nummer der „Unverfälschten deutschen Worte" wird mitgetheilt, Vergani habe von Schönerer wegen dessen Angriffe in dem citirten Blatte Genugthuung verlangt, Schönerer habe aber „selbstverständlich" jede Satisfaction verweigert. Wien Bei der jüngst stattgehabten Kunst- und Industrie-Ausstellung in Wien wurde Frau Therese Töchten- Eiwanowitz mit Medaille und Ehrendiplom ausgezeichnet. Wien. (Badearzt D r. L n c c aJ Kürzlich ist hier der Senior der Marienbader Badeärzte, Herr Dr. S. L u c c a, im Alter von 88 Jahren gestorben, Dr. L u c c a, ein vielbekannter Arzt, welcher auch zuerst auf die eisenhaltigen Quellen Marienbads aufmerksam machte, sollte heuer sein fünfzigjähriges Jubiläum als Badearzt dieses be^ rühmten Curortes feiern. Künfhans. Die israelitische Eultusgemeinde im Bezirke Sechshaus, trifft Vorbereitungen, um anläßlich des bevorstehenden siebzigsten Geburtstages ihres würdigen Seelsorgers, des allverehrten Herrn Dr. Adolf S ch m i e d l demselben den Zoll innigster Verehrung durch eine Reihe in Aussicht genommener festlicher Kundgebungen abzustatten. Seitens der genannten Gemeinde, deren Seelsorger, Lehrer und Führer der Genannte bereits durch 20 Jahre gewesen, betrachtet man die für den 27. d. M. bevorstehende Feier nicht nur als ein Freudenfest im engeren Kreise der Familie des Jubilars, sondern man ist im Hinblick aus die zahlreichen Verdienste, die er sich während seiner langen Amtsihätigkeit in guten und schweren Zeiten erworben hat, geneigt, dieses Fest als eine Feier der Gemeinde zu betrachten. Seine trefflichen, von wahrem Gotteshauche durchdrungenen Kanzelreden, in welchen er mit jugendlicher Begeisterung die Herzen seiner Zuhörer zu rühren verstand, haben weithin den Samen tiefreligiösen Sinnes und innerster Herzensfrömmigkeit gepflanzt. Aber nicht nur durch die fromme That und das lebendige Wort hat der allverehrte Jubilar seiner hohen priesterlichen Aufgabe genügt, auch durch die Schrift ist er hinausgetreten in's öffentliche Leben, seine Sansinim werden wegen ihres gediegenen auf Geist und Gemüth wirkenden Inhaltes in der jüdischen Familie als Erbaungsbuch gelesen. In seinen „Studien" werden philosophische Themata in leicht fließender, auch dem Laien verständlicher Sprache meisterhaft behandelt; seine Schrift „Der Kampf um das Recht" hat die Würdigung und Anerkennung namhafter Juristen gefunden und seine„RandbemerkungenzumTalinu d" zeugen von gründlichem Wissen und von tiefer Kenntniß des Talmud. Mit vollster Befriedigung und dem Gefühle freudigen Stolzes möge daher Herr Dr. S ch m i e d l an seinem 70. Jubeltage im Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und regen Strebens auf seine ehrenvolle Thätigkeit zurückblicken und in der dankbaren Verehrung seiner Gemeinde und der Anerkennung seiner Mitbürger den ihm gebührenden Lohn finden. B, Prag, 4. Jänner. Herr Regierungsrath Prof. Dr. Kämpf, der durch die Uebersetzung und Erläuterung des Hohenliedes ein ausgezeichnetes exegetisches Werk geliefert hat, arbeitet seit einigen Jahren au einer Uebersetzung und wissenschaftlichen Erklärung der Psalmen. Die Arbeit ist nahezu vollendet und dürfte bald erscheinen. Bei der hervorragenden Gelehrsamkeit des Prof. Kämpf als Sprachforscher und Bibelerklärer wird sein neues Werk ohne Zweifel neue Bahnen in der Erklärung der Psalmen eröffnen, man darf daher mit Spannung dem Erscheinen, seiner Erläuterung und Uebersetzung der Psalmen entgegensetzen. Sein Werk über das Hohelied hat in gelehrten Fachkreisen eine überaus günstige Aufnahme gefunden, es ist bereits in vierter Auflage erschienen. Im Afike Jehuda-Verein wird nächsten Samstag Herr Dr. Nathan Grün einen Vortrag über „Jüdische Literatur und jüdisches Leben am Ende des voriger: und am Anfang des gegenwärtigen Jahr Hunderts" Hallen.

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