Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 2 (9.1.1891)
- Date
- 1891-01-09
- Page
- Seite 32 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 Hesterreichifche WochmschM Nr. 2 ist, was zu sein er jetzt öffentlich eingesteht, ein grauser Feind und Verfolger der Juden, der während der letzten 13 Jahre schon allen Gefühlen seines Judenhasses, den er jetzt öffentlich zeigt, Ausdruck gegeben hat. In einer Publication, welche ich augenblicklich unter Händen habe, werde ich von der unbarmherzigen Berfolgungssucht, der raffinirten Grausamkeit und der barbarischen Behandlung, welcher die Juden in Rumänien während seiner zwölfjährigen Regierung zum Opfer fielen, Mittheilung machen und Thatsachen erzählen, daß jedem, der sie hört, die Ohren gellen werden. Die Mittheilung wird eine Reihe positiver Facta enthalten, welche officiellen Acten und rumänischen Zeitungen entnommen sind. Alles, was über Rußland erzählt wird, wird möglicherweise noch übertroffen werden von den „Berichten über die Leiden der Juden in Rumänien", denn alle Gesetze und Verfügungen, womit man heute in Rußland droht, sind ihrem ganzen Inhalte nach und im wahrsten Sinne des Wortes in Rumänien schon praktisch zur Ausführung gekommen. Man wird erfahren, wie trotz des Berliner Vertrages und Europa zum Hohne die Lage der Juden noch trauriger geworden ist, als sie vor 1877 war. Sic stehen heute außerhalb des Gesetzes. In ihren Gefängnißmauern werden sie jeden Tag mehr eingeschränkt; Mehr als früher werden sie von den Unterrichtsanstalten ausgeschloffen, zu deren Unterhaltung auch die Juden beitragen. Sie wurden gezwungen, ohne irgend welche Aussicht auf Avancement im Heere zu dienen; alle Aemter wurden ihnen verschloffen sowohl im Unterrichtsals im Justizfach. Sie wurden aus den Dörfern in die überfüllten kleinen Städte getrieben u. s. w. Die Analogie mit der Lage ihrer unglücklichen Brüder in Rußland geht aber noch weiter. Wir haben auch das durch ein Brandmal entstellte Angesicht eines unschuldigen Judenknaben zu verzeichnen und — last not laust — wie die Regierung Bratiano s die grausame Aera der Judenaustreibung inaugurirt und die Juden, die in Rumänien geboren und erzogen wurden, als Vagabunden behandelt hat. Durch Gesetze und geheime Decrete, welche er an lie Präfecten schickte und wovon er bis heute niemals öffentlich gesprochen hat, hat er die Juden intensiv verfolgt. Vattimore. Cardinal Gibbon hat sich gelegentlich eines Interview dem Proteste des Cardinal Manning gegen die Verfolgung der Juden in Rußland angeschlossen und hiebei Folgendes bemerkt: „Ich bin gesonnen über diese Angelegenheit sehr ernstlich zu sprechen, so wie ich es im Herzen fühle. Als allgemeine Regel hat die Erfahrung alter Zeiten gelehrt, daß keine Race und kein Volk durch Verfolgung ausgerottet werden kann und daß das systematische Quälen, welches von mehreren Nationen prakticirt wird, sehr oft einen Rückschlag ausgeübt und gegen diese Nationen selbst reagirt hat. Im Gegensätze zu dieser unbilligen Behandlung bitten die Vereinigten Staaten der Welt das schönste Beispiel religiöser Toleranz, indem sie Allen, ohne Unterschied des Glaubens große Freiheiten gewähren; sie beschützen die Religionen in gleicher Weise, ohne das Gewissen der Individuen zu beeinträchtigen, und es wäre innigst zu wünschen, daß andere Nationen, insbesondere Rußland, diesem glänzenden Beispiele folgen möchten. Das Christenthum ist der jüdischen Race tief verpflichtet für die höchsten Segnungen, deren sich das christliche Volk erfreut, für die geoffenbarten Blätter der heiligen Schrift des alten Testamentes, welche ein Trost für alle Nationen waren, indem sie die höchsten übernatürlichen Weisheiten auswiesen. Der Stifter unserer heiligen Religion war ein Jude seiner Abstammung nach und so war es auch seine Mutter und die Aposteln. Deshalb sollten alle Christen gegen die Juden freundlich gestimmt sein. Wenn irgend welche Individuen jüdischer Race sich eines Angriffes gegen Gesellschaft oder Moral in Rußland schuldig machen, so sollten sie in Gemäßheit der Gesetze des Landes behandelt werden, und das Gesetzbuch aller civilistrten Staaten sollte hinreichen, u.u ihre Völker vor so drastischen Mitteln, wie es der Ausrottungsproceß ist, zu bewahren. Die Juden haben allgemein den Ruf erworben, daß sie gute Ehegatten und hingebungsvolle Väter sind und ehrlich ihren häuslichen Pflichten Nachkommen; so können denn die Beschuldigungen in Bezug auf ihre Moraliät schwerlich wahr sein. Wenn ihnen aber Anderes in die Schuhe geschoben werden sollte, so kann man leicht Mittel gegen alle behaupteten Vergehen anwenden, ohne daß man zu den äußersten Maßregeln greifen müßte, ohne ihnen das Leben unausstehlich zu machen und das ganze Volk um seine Existenz zu bringen. Im strengen Gegensätze zu diesem Vorgehen, dessen man jetzt Rußland beschuldigt, steht ein Vorfall im Leben des Papstes Gregor, welcher der Große genannt wird und im 6. Jahrhunderte lebte. Es wird von ihm berichtet, daß ein reicher Jude, ein leitendes Mitglied seiner Gemeinde und die Hauptstütze seiner Glaubensgenossen, zum Christenthume übertrat und im Uebermaße seines Eifers, nachdem er zum neuen Glauben übergetreten war, von der Synagoge Besitz nahm, dieselbe den Juden versperrte und zu einer Kirche umzuwandeln beschloß. Als die gekränkten Juden sich hierüber bei dem Papste beschwerten, ordnete er die Rückgabe ihrer Andachtsstätte an die frühere Gemeinde an und sorgte dafür, daß sie bei der Ausübung des Gottesdienstes fürderhin nicht mehr belästigt wurden. Ich gebe dem innigen Wunsche Ausdruck, daß alle Nationen, angeleitet von ihren Regierungen, in Religionsangelegenheiten mehr und mehr tolerant werden mögen, wie wir es bereits in diesem Lande sind; daß sie die vereinigten Staaten, wo alle Menschen, wie sie gleich sind gegenüber Gott, auch gleich sind gegenüber dem Gesetze, als ihren Leitstern betrachten mögen; sie müssen sich daran erinnern, daß die Menschen nicht durch Zwang bekehrt werden, sondern durch einen Appell an ihre Ueberzeugung." Diese Ausführungen des Cardinal Gibbon sind umso bemerkenswerther, als derselbe dem Jesuitenorden angehört und mit Rücksicht auf die gegenwärtige Strömung allgemein als berufenster Nachfolger des Papstes auf dem Stuhle Petri bezeichnet wird. Vermischtes. Wie«, 3. Jänner. (Ehrung.) Der israelitische Frauen- Wohlthätigkeitsverein für Wieden und Margarethen sandte an Herrn Dr. Bloch nachstehende Zuschrift: Sr. Hochwohlgeboren Herrn Dr. Bloch, Reichsrathtsab geordneter! Als warmer Vertreter unserer confessionellen Interessen, hat sich Euer Hochwohlgeboren den Dank und die Verehrung aller Glaubensgenossen gesichert. Die hinterlistige und heimtückische Art. in welcher die Feinde des Juden'hums gegen Sie ankämpfen und ihr Haß ist für Sie eine Auszeichnung. Wenn sich nun die Unterfertigte erlaubt, Euer Hochwohlgeboren um die Ehre zu ersuchen, gestatten zu wollen, unserem Vereine als Ehrenmitglied eingereiht zu werden, so ist dies nur der Ausdruck besonderer Werthschätzung, und würde uns zum größten Stolze gereichen. Euer Hochwohlgeboren ganz ergebenste Erwine Koretz, Schriftführerin, V. Obere Amtshausgasse 40. f tie». Am 6. d. M. fand die Jahrzeit für den verewigten Oberrofessor Solomon Sulz er statt. Um 11 Uhr Bormittags fanden sich die Mitglieder der Sulzer'schen Familie am Ehrengrabe des Familienoberhauptes am Centralfriedhofe gegenüber der Ceremonienhalle (das Grab führt Nr. 1) ein. Der Neffe des unvergeßlichen Meisters, Herr Cantor und Religionslehrer Emil F r ä n k e l, sprach mit tiefempfundener Rührung die hebräischen Gebete und hielt auch eine Ansprache, worin er Salomon S u l z e r als Familienmitglied schilderte.