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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-09 · 2 (9.1.1891) · p. Seite 31

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
2 (9.1.1891)
Date
1891-01-09
Page
Seite 31 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 2 Gesterreichifche Wochenschrift Sette 31 zur Erlangung der den gesetzlich recipirten Consessionen gebührenden Rechte gesichert werden könnte. Ebenso aufrichtig und ganz entschieden erklären wir aber, daß, indem wir diese unsere achtungsvolle Einladung an Euer Hochwürden richten, uns kein anderes Interesse vorschwebt, als den sichereren Schutz des jüdischen Eherechts mit vereinten Kräften zu ermöglichen. Wir denken nicht an geheime Berathungen, geheime Zwecke oder die Inanspruchnahme des Verdienstes in dieser Angelegenheit für uns- Legen wir über Alles der Oefseutlichkeit Rechenschaft ab und wenn es uns gelingt — woran nicht zu zweifeln — ein Resultat zu erzielen, so statte die Confessivu den Tribut des Dankes Jenen ab, die auf unfern bescheidenen Aufruf sich der Angelegenheit angenommen. Behufs Besprechung der nothwendigen Agenden sind wir b e r e i t, w o i m m e r u n d w a it n i m m e r z u c r schei n e n, weshalb wir der ehebaldigen freundlichen Einladung Euer Hochwürden entgegensetzen." Wudapest. (Die Oberin der Englischen Fräulein — von jüdischer Abkunft.) Ueber die Familienverhältnisse der dieser Tage verstorbenen, allgemein verehrten Oberin des Budapester Klosters und der Englischen Fräulein, Johanna S r e i b e r, wird aus Szegedin geschrieben: „Der Vater der nunmehr Verstorbenen war der Sohn des im Beginne der dreißiger Jahre zu Lomnitz in Mähren verstorbenen Oberrabiners Josef Schreiber. Heinrich — so hieß der Vater der Oberin — studirte an der Wiener Universität Medici», und zwar mit so gutem Erfolge, daß der Leibarzt des Kaisers Franz, der berühmte Professor Whatmann, ihn bei vielen Anlässen als seinen genialsten Schüler pries. Als Doctor der Mediciu verehelichte er sich, prakticirte dann in Mak<> und Bistritz und concnrrirte später auf die Stelle eines Comitatsarztes in Sillein, welche er jedoch nach den damaligen Gesetzen erst nach seinem Uebertritte zur katholischen Kirche erlangen konnte. Er erhielt in der Taufe den Namen Stefan. Er war einer der profundesten und scharfsinnigsten Gelehrten; insbesondere in hebraicis, im Talmud und dessen Commentaren suchte er seines Gleichen. Doch verfügte er auch über eine für jene Zeit ungewöhnliche moderne Bildung. Im Jahre 1839 redigirte er in Preßburg eine Zeitschrift, die den Titel: „Unterhaltungen für die elegante Welt" führte, welche poetische und prosaische Arbeiten von ihm brachte, die sich durch geistvollen Inhalt und musterhafte Form anszeichneten. Die verewigte Erzherzogin Sophie war seine Gönnerin und unterstützte ihn in großherziger Weise. Im Jahre 1810 tauchte zum Erstaunen des civilisirten Europa das Märchen vom Blutgebrauche auf. Stefan Heinrich Schreiber schrieb gegen dasselbe eine Broschüre unter dem Titel: „Mißtöne aus Damascus", welche in Pest erschien und wegen ihres glänzenden Styls und der gründlichen Widerlegung, die sie enthielt, großes Aufsehen machte. Die Wirkung dieser Broschüre war eine umso größere, als es ein Convertit war, welcher gegen diese absurde Beschuldigung zu Felde zog. Der damalige Pester Oberrabiner Löw Schwab sprach Schreiber damals seinen wärmsten Dank aus. Sein tiefes exegetisches Wissen documentirte Schreiber auch durch einen Commentar zum Propheten Jesaias, für welches Werk er jedoch keinen Verleger fand. Durch eine scharfe Kritik des bekannten Humoristen M. G. Saphir gerieth Schreiber mit diesem Wiener Groß-Mogul des Witzes in eine literarische Fehde, aus welcher Schreiber jedoch als Sieger hervorging und sich durch ein damals vielgelesenes Pamphlet an seinem Gegner rächte. Nach der großen Ueberschwemmung im Jahre 1838 erschien in dem damals in Pest herausgegebeneu Tagblatte „Der Spiegel" eine Ode an den Erzherzog Stefan, der bei jener Katastrophe seinen ritterlichen Muth documentirte und vielen Menschen das Leben rettete. Der edle Prinz wurde durch den kühnen Schwung, den patriotischen Herzschlag und die Gluth der Empfindung der Dichtung so bewegt, daß er dem Verfasser ein fürstliches Geschenk machte. Doch trotz alldem kämpfte der treffliche Mann mit mißlichen Verhältnissen, von welchen er erst 1848 zu B. Komlos durch den Tod erlöst wurde. Ein Sohn desselben, Bruder der verstorbenen Oberin Johanna, war Primatial- Secretär zu Gran und wurde im Jahre 1854 vom Cardinal S c i t v v s k y bei Gelegenheit seines Aufenthaltes in Rom Sr. Heiligkeit dem Papste Pins IX. als der begabteste Kleriker der ganzen Diöcese vorgestellt. Ladislaus — so hieß der Treffliche — erlag im Jahre 1860 einem unheilbaren Brustleiden. Ifraukfurt, 3. Jänner. Der antisemitische Abgeordnete Lieber man n von S o n n en b e r g auf seinem antisemitischen Bauernfang im katholischen Münsterlande hat sich f ü r die Aufhebung des Jesuitengesetzes ausgesprochen und dabei geäußert, die Erhaltung der Reste des Cultnrkampfes komme nur den — Juden zu Gute. Jetzt verkündet der Böckel'sche „Reichsherold" , die a n t i se m it i s ch e Gruppe des Reichstags habe beschlossen, g e g e u die Aufhebung des Jesnitengesetzes zu stimmen, weil der Jesuitenorden keine Einrichtung der katholischen Kirche sei, weil er einen internationalen Charakter habe — hat den die katholische Kirche nicht auch? — und weil die Zulassung der Jesuiten einen neuen Culturkampf entfachen würde, dessen Früchte nur den — Inden zu Theil werden würden. Nach Herrn Liebermann profitiren die Juden also, wenn die Jesuiten draußen bleiben, nach B ö ck e l und Genossen, wenn sie wieder hereinkommen, eine nette Confusion in der liebenswürdigen Gesellschaft dieser „nationalen" Apostel, die folgerichtig jetzt einander der Bundesgenossenschaft mit den Juden beschuldigen müssen. Moskau, 25. December. Endlich beginnen unsere antisemitischen Agitatoren einzusehen, welches Unheil und Elend sie durch ihr Hetzen gegen die Juden auf ihre eigenen Landsleute, auf die waschechte russische Bevölkerung, heraufbeschworen haben. ..Kiewlanin" und „Nowoje Wremja". die beiden Chorführer der wüstesten Judenhetze, haben kürzlich einen Brief ans Riesin abgedruckt, in welchem die Auswanderung der Juden nach Amerika als ein Unglück für Rußland bezeichnet wird. Unter anderem heißt es in demselben: „In verschiedenen Städten des Reiches stehen viele früher von Juden bewohnte Häuser leer und sie sind nun ihren christlichen Besitzern zur Last und Plage. Der Handel ruht, die Industrie stockt, da die jüdischen Kaufleute fehlen, welche Handel und Industrie beleben könnten. Die bemittelten jüdischen Kausleute sind, aus ihren Wohnsitzen verdrängt, gezwungen worden nach Amerika auszuwandern und anstatt ihrer begegnen wir auf Schritt und Tritt armen Hausirern, die mit einem Capital von zwei bis drei Rubeln ihr Geschäft betreiben und bei zehn Kopeken täglichen Berdieustes sich glücklich schätzen . . . Man hat den Juden auf den Dörfern und in vielen Städten, die nachträglich in Dörfer umgewandelt wurden, den Ausschank von Branntwein verboten. Nun haben sich Czechen dieses Geschäftes bemächtigt, aber zum Verderb für unsere Bauern und Arbeiter. Beim Juden konnten sie ihr mitgebrachtes frugales Mahl, wenn sie sich einen Schnaps für zwei Kopeken geben ließen, ungehindert verzehren, während der Czeche sie zwingt, auch ihre Eßwaare bei ihm zu kaufen und so noch mehr Geld in der Kneipe zu lasten. Außerdem haben die czechischen Gastwirthe in ihren Localen besondere Zimmer zum Kartenspielen und . . . eingerichtet, veranstalten an den Tagen, an welchem die Arbeiter ihren Lohn ausgezahlt bekommen, Concert und Tanzmusik und locken somit diesen armen Teufeln die letzte Kopeke aus der Tasche." Diese Auslassungen sprechen für sich selbst, aber daß mau denselben auch in erzanlisemitischen Blättern begegnet, ist sicherlich bemerkenswerth. „Jüd. Presse." London. Herr Rabbiner Dr. Ga st er richtete folgendes Schreiben an die Redaction der „Times": „Als Opfer der liberalen Staatsverwaltung Bratiano s kann ich jetzt wiederholt bezeugen, daß derselbe immer das gewesen

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