Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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Nt. 1. Hesterreichifche Wochenschrift Sene 13 selbe dem Museum zum Geschenk. Die Sammlung hat dem verstorbenen M Strauß, einem bekannten Pariser Kapellmeister, 30.000 Francs gekostet. Aaris. In der am 6. December abgehaltenen öffentlichen Jahressitzung der Akademie der Wissenschaften wurde einer der sechs Preise dem Herrn Adolf Hatzfeld, Mitarbeiter des verstorbenen Arsene Darme steter, bei dessen Werk „Listoire litteraire du XVI. siede“, für das große in Publication begriffene Wörterbuch zuerkannt. Waris. Laut Verfügung des Unterrichtsministers wurde Dr. E. Wertheimer, bisher agrege der medicinischen Facultät, zum ordentlichen Professor der Physiologie an der medicinisch-pharmaceutischen Facultät zu Lille ernannt. — M. Wahl, Unteringenieur bei der Marine, wurde zum Professor der Maschinenlehre an der höheren Werkmeisterschule ernannt. — Das „Journal officiel" berichtet die Ernennung des Advocaten M. Levy zum supplirenden Richter in Chakaudun. — Zwei bevorstehende Vermählungen wurden angezeigt; jene des bekannten Gelehrten M. Theodor R e i n a ch mit Mlle. Fanny Kann, Cousine seiner ersten Frau und Nichte der Ephrussi — ferner des Deputirten Camille D reyfuß mit Mme. Bernheim. Sophia. Die Bewohner von Jamboli (Ost-Rumelien) haben ihre tolerante Gesinnung gegen ihre jüdischen Mitbürger bestätigt, indem sie den Rabbiner der jüdischen Gemeinde züm Mitgliede des Stadtrathes erwählten. Ilew-Vork. Cardinal G i b b o n s, Erzbischof von Baltimore, gab in einem Schreiben seinem Bedauern über die Verfolgung der Juden in Rußland Ausdruck; er bemerkte, er könne nicht begreifen, wie Christen gegen Juden Gefühle der Lieblosigkeit hegen können, wenn man sich erinnert, daß die Juden der Welt das offenbarte Buch des alten Testamentes vermittelten, welches in gleicher Weise Christen und Juden Trost spendete. Seine Eminenz schließt mit den Worten: Die Thatsache, daß Christus und seine h. Mutter der Abstammung nach Juden waren, fesselt mich mächtig an diese Race." Farnilienblatt Wochen- Jänner 1691 Tewes 5651 Kalender Freitag 2 22 Samstag 3 23 rmt; Sonntag 4 24 Montag 5 25 Dienstag 6 26 Mittwoch 7 27 Donnerstag 8 28 Freitag 9 29 Wie ich sie Haffe . . . .! , Bon Paula F. . I. „Wie ich sie Haffe, diese Juden, diese elende, verfluchte Rasse!" stieß siebebend zwischen den Lippen hervor. „Wie glühend ich sie hasse!" Dabei sprühten ihre schönen Augen wahre Zornesblitze und ihre kleine Hand ballte sich drohend, als ob sie mit ihr diesen ganzen verachteten Stamm der Juden mit einem Schlage zermalmen könnte. Und war ihr Zornesausbruch etwa nicht gerechtfertigt, nach der Demüthigung, die sie, die schöne, bewunderte Esther soeben erlitten? Mußte sie es nicht aus dem Munde des jungen Grafen, der sie mit seinen Huldigungen förmlich verfolgte, selbst hören, daß eine Verbindung mit ihr, der Jüdin, ein Ding der Unmöglichkeit für ihn sei? Wohl chatte er ihr dies erst gestanden, als sie energisch auf einer bestimmten Erklärung beharrte. Sie wolle nicht länger seine Aufmerksamkeiten dulden, vie ihr von allen Seiten mir Spott und Hohn eintrugen, wenn der Graf nicht endlich Ernst mache und sie heirate. Wie erschrocken er sie anblickte und wie er seine Verwirrung bei dieser ihrer bündigen Aufforderung zu bemeistern suchte! „Heiraten! Aber Esther, schöne Esther, wo denken Sie hin? Ja, wie verfallen Sie nur darauf?" kam es stoßweise aus seinem Munde, während er verlegen seinen Schnurrbart zwirbelte. „Ganz einfach, Herr Graf," erwiderte sie lakonisch, weil ich mich viel zu gut zu einem Spiel dünke." „Wahrhaftig — in der That — wie sonderbar Sie sprechen," rief der Graf aus, der offenbar nicht wußte, was er sagen sollte. — „Man plaudert, nian amüsirt sich —" „Nun eben, ich habe es satt — das Amüsiren — es geht auf Kosten meines Rufes. Ich heiße ja so schon „Königin Esther." „Ha, ha" lachte er „nicht übel, „Königin Esther! Meiner Treu! ich wette, Sie hätten durch Ihre blendende Schönheit selbst Königin Esther verdunkelt. Wie schade" fügte er bedauernd hinzu, „daß ich nicht ein König bin und die Macht besitze. Sie als schönste Königin heimzu - führen und Ihnen einen Thron anzubieten." „Wir schweifen von unserm Thema ab," fiel sie ihm kühl in die Rede „Bitte, keine Ausflüchte. Diese zweck- und aussichtslosen Zusammenkünfte müffen ein Ende nehmen. Ich wünsche reinen Wein eingeschenkt. Ist absolut keine Hoff-ung vorhanden, jemals ihre Gattin zu werden, so — ich bin keine Freundin von Illusionen — scheiden wir!" Der Graf, durchaus nicht ü son aise bei dieser Auseinandersetzung, fühlte, daß es mit Ausreden und Hintanhalten nicht länger gehe. Er bedeutete ihr, welche Kluft, welcher Standesunterschied zwischen ihnen obwalte, das Haupthinderniß einer Ehe sei jedoch die Religion. „Und wenn ich überträte, Herr Graf?" Wie er sich wand und krümmte, um schließlich dahin zu gelangen, daß selbst, wenn sie das Opfer eines Glaubenswechsels brächte, eine getaufte Jüdin doch nimmer würdig sei, als Zweig dem makel- und fleckenlosen Stammbaum der edlen Grafen von C. aufgepfropft zu werden. Es ist wahr, der Graf befleißigte sich der größten Schonung bei dieser peinlichen Scene und dennoch, der Hieb traf. Esther war sehr blaß geworden. „Es genügt, Herr Graf," war die tonlose Antwort. „Leben Sie wohl!" Und wankenden Schrittes eilte sie von dannen. Er rief ihr nach: „Esther! Esther!" Sie wandte sich nicht um. „Wie ich sie Haffe!" wiederholte sie in wilder Leidenschaftlichkeit „und ich werde mich rächen!" Seltsamerweise kehrte sich ihr Haß nicht gegen den Grafen, der sie verschmähte, sondern in falscher Auffassung gegen ihr eigenes Volk, gegen iyre eigenen Glaubensgenossen. Ihnen lud sie die Schuld auf für die ihr widerfahrene Schmach. Esther Pollak war die älteste Tochter des Cantors in einer kleinen Gemeinde unweit der schlesisch-galizischen Grenze und zeichnete sich durch auffallende Schönheit aus. Eine schlanke, biegsame Gestalt mit prachtvollen, tiefdunklen Augen und einer reichen Fülle blauschwarzer Haare, erregte sie allenthalben ungebeuchelte Bewunderung. Esther ward sich bewußt, schön zu sein, schöner als alle Mädchen in der ganzen Stadt, und war stolz darauf, denn ihre Schönheit verhalf ihr zu viel Ehren. Bei Bazars und Wohlthätigkeitsfesten, die von den Honoratioren des Städtchens arrangirt wurden, nahm man keinen Anstand Esther zur Mitwirkung einzuladen. Bei lebenden Bildern war sie immer die Hauptperson und der Glanzpunkt der Aufführung. Mit einem Worte, ihre Schönheit öffnete ihr alle Pforten, die ihr, der Jüdin, sonst verschlossen geblieben wären. So geschah es, daß als Graf Wladimir aus der Garnison in sein väterliches Schloß einzog, er, von dem bildschönen Mädchen ebenfalls bezaubert, sich an ihren Triumphwagen spannte. Was Wunder, wenn es ihr gar nicht so außerordentlich Wen, dereinst Frau Gräfin zu werden? Es gibt ja Beispiele genug und wahrlich. Esthers schöne Stirne verdiente es, mit einer Grafenkrone geschmückt zu werden. Mochten auch ihre Freundinnen zweifelnd den Kopf schütteln und sie vor allzu großer Vertrauensseligkeit warnen: „Esther, er nimmt Dich nicht, ttotz der vielen Blumen, die er Dir schickt," was focht es sie an? Es war ja nur Neid. „O wir werden sehen!" sagte sie dann mit strahlender Miene, während ihr Auge siegesbewußt aufleuchtete. Dabei sog sie den süßen Duft der Rosen aus dem gräflichen Garten ein. Und nun diese Niederlage! So hatten diese Unglücksraben doch Recht behalten! Finstere Gedanken durchschwirrten ihr Hirn. Hinaus wollte sie, hinaus aus dieser dumpfen, peinlichen Atmosphäre! — Da klopfte s, und ein Diener des Grafen ttat ein mit einem riesigen Bouquet. Sie hatte sich gleich Anfangs Geschenke jeder Art auf's Entschiedenste verbeten. Der Graf wagte es nicht, sich gegen Esthers in ihrer scharfen, ursprünglichen Weise geäußerten Willen auszulehnen, war aber dafür desto verschwenderischer mit Blumen. — Beim Anblick dieses täglichen Blumengrußes blieb sie starr. Als ob nichts vorgefallen wäre! Jede Faser vibrirte in ihr. In heller Wuth enttiß sie dem Diener den kunstvoll gebundenen Strauß, schleuderte ihn auf den Boden und zertrat ihn Doch nicht genug an dem, sie ergriff das zertrümmerte Bouquet und warf es zum Fenster hinaus in die brausende Fluth des vorüberfließenden Baches, der gerade jetzt durch Gebirgswäffer hoch angeschwollen war. — Der Lakai stand verdutzt da. Sie wies ihm stumm mit einer hoheitsvollen Geberde die Thüre.