Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite l i HeAerreichische Wochenschrift Nr. 1 des Familienlebens schilderte. Die Segensgesänge führte Cantor S u s ch n y aus, begleitet vom vollständigen Chor und der mächtigen Orgel. Auf den Vorsteherplätzen waren viele Notabilitäten zu sehen, darunter der Präsident der Pester isr. Religionsgemeinde, Reichsrathsabgeordneter Moriz Wahrmann, der Präsident der isr Landeskanzlei Martin Schweiger, die Reichsrathsabgeordneten Dr. Arthur Jellinek, Dr. Ambros Nemenyi und Dr. Armin Neumann, Baron Sigmund Schosberger de Tornya, der Generaldirector der Straßenbahn-Gesellschaft Heinrich v. Jellinek, die angesehensten Mitglieder der Pester isr. Religionsgemeinde und der Beamtenkörper derselben, mit dem Secretär Dr. G o l d z i h e r an der Spitze, außerdem aber, wie erwähnt, ein massenhaftes Publicum, für welches das weite Gotteshaus sich diesmal fast zu eng erwies. TreucseuWaan. Am 23. v. M. erschien eine sechsgliedrige Deputation der hiesigen israelischen Cultusgemeinde, die Herren: Bezirksrabbiner M. Reich, Vorsteher Ignaz Weinberger, Dr. Freund, B. Löwinger, Jacob P o l l a k und Dr. R o s e n t h a l, vor dem zum Vieegespan des Trencsiner Comitates gewählten Oberstuhlrichter des Baaner Bezirkes, Herrn Jutztin von B a r o ß, Bruder des königlich ungarischen Handelsministers. Der Führer der Deputation, Bezirksrabbiner Reich, hielt die feierliche, ungarische Anrede und bemerkte unter anderem, mit Hinweis auf die Sentenz: Die Weltordnung ruhe auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden, daß eben die wirkliche Gerechtigkeit der Wahrheit und der wahre Frieden der Gerechtigkeit in natürlicher Weise folgt; diese sind besonders uns Juden Lebensbedingung, und als ihren hervorragendem Förderer bezeigen wir Seiner Hochwohlgeboren unsere Hochachtung. Der Herr Vieegespan schloß sich in seiner Erwiederung diesen Ausführungen vollständig an und verabschiedete sich, für die Aufwartung dankend, in fteundlichster Weise. WnKnrest, am 22. December 1890. Der Bukarester jüdische Wohlthätigkeitsverein „Z i o n" errichtete aus eigenen Mitteln eine Mädchenschule, deren Einweihung sich vergangenen Sonntag mit solenner Feier vollzog. Nach Absingung eines vom Cantor Fuchs componirten Psalmes, hielten der Prediger Herr Dr. Beck und der Präsident des Vereines Herr Dr. Blumenf eld warme Ansprachen, welche auf die zahlreichen Anwesenden einen tiefen Eindruck hervorbrachten. Hierauf ergriff der Bürgermei st er Bukarests Herr Protopopescu das Wort, anerkannte in herzlichster Weise das wohlthätige Wirken der jüdischen Vereine und hob besonders die Nothwendigkeit der Mädchenerziehung zur gedeihlichen Entwicklung des Familienlebens hervor. Mit einem vom Obercantor Herrn Weiß gesungenen Tempelgesange schloß die würdige Feier. — Die Mädchenschule präsentirt sich als ein schöner, umfangreicher Bau, dessen zweckmäßige Einrichtung allen Anforderungen einer Schule in jeder Beziehung entspricht. R—r. Werk«. Alwin Schultz führt in seinem belehrenden Buche „Alltagsleben einer deutschen Frau zu Anfang des 18. Jahrhunderts" folgende Stelle aus Amaranthes Frauenzimmer-Lexikon 1713 auf: „Juden- Haube heißet in Augsburg ein kleiner Ueberschlag über das Haupt und Nest, von vornher mit einem spitzigen Schnäpflein versehen, ist insgemein von Estoff oder Damast und mit Spitzen frisiret — so die Weibes-Bilder zur Sommerszeit im Hause tragen; das Nest daran ward insgemein mit einer Schleifte Bond oben und unten besetzt." Hat dieser Ausdruck, wie die Beschreibung zeigt, mit Juden nichts zu thun, so ist wohl der Ausdruck: „Das Jüdel spielt mit ihm" (nämlich dem Kinde, S. 208) verächtlich; er wird von einem Kinde gebraucht, das zu sechs Wochen lächelt und dann weint, „die alten Weiber stecken den Kindern wider solches Jüdelspiel allerhand Tändeleien und Fratzen in die Wiege." Merkin, 18. December. Der. hier verstorbene Rentier Herr Jacob Wittgen st ein hat seiner Vaterstadt Corbach sein Vermögen von 600.000 Mark zur Errichtung einer Altersversorgungsanstalt vermacht. Herr Amtsgerichtsrath W a l d e ck hat einen schönen Garten zum Bauplatz für die Anstalt geschenkt. München, 22. December. Der, wie ich kürzlich berichtete, zum dritten Staatsanwalt ernannte Herr Dr. Th. Engel mann ist neuerdings zum Amtsrichter am Amtsgericht München Ia befördert worden. — Herr Handelsrichter L. Reichenberger ist hier zum „bürgerlichen Magistratsrath" gewählt worden; seit Jahren ist Herr R. der erste Jude, welcher dem hiesigen Magistrat angehört. Das „Militär-Verordnungsblatt" meldet: „Dem Stabstrompeter K o h n vom 2. Chev. Regiment wurde der Titel „Königlicher Musikmeister" verliehen. Der Bicefeldwebel der Reserve Schaalmann wurde zum Sec.-Lieutenant der Reserve im 13. Infanterie-Regiment ernannt. fterlitt. Der Chordirector der hiesigen neuen Synagoge, Herr Musikdirector Lewandowski, feierte ain jüngsten Sonnabend das Jubiläum seiner 50jährigen Wirksamkeit in der israelitischen Gemeinde. Dem Jubilar wurden aus Anlaß seines Ehrentages sowohl von Corporationen als auch v.on Privatpersonen zahlreiche Ovationen und reiche Geschenke dargebracht, während der Kaiser ihn durch die Verleihung des Titels Professor auszeichnete. Wom. Im italienischen Parlamente sitzen 10 jüdische Deputirte. Wiedergewählt wurden die Herren: Arbib Edoardö, Cavalieri Adolfo, Franchetti Leopoldo, Levi Ulderico, Luzzatti Luigi, Roman in Jäcur Leone; neugewählt die Herren: Comm. Artom Emanuele, Avv. Barzilai Salvatore. Avv. Donati Cav. Marco, Barone Treves Alberto. Im römischen Senate haben sieben Israeliten einen Sitz, die Herren: Ascoli, Artom, DAncona, Maffarani. Parenzo, Comm. Jsacco Pesaro Maurogonato, Comm. Enrico Fano. Ascoli ist anerkannt der erste Sprachforscher Italiens, stammt ans Görz und ist Präsident der Akademie in Mailand. Unter der gegenwärtigen Unterrichts-Verwaltung in Wien hätte er wahrscheinlich keine Professur bekommen. Artom war Secretär des Grafen C a v o u r, Unterhändler in dem Frieden zwischen Oesterreich und Italien im Jahre 1859 und Gesandter im Haag. D'Ancona ist ein berühmter Schriftsteller, Massarani war Director im Ministerium des Auswärtigen, und Maurogonato Bicepräsident des italienischen Parlaments. Vor mehreren Jahren war er in Wien während des Versöhnungstages anwesend, besuchte den Tempel in der inneren Stadt und war in der Nähe des Predigers placirt. Maris. Herr Raphael Bischoffsheim hat neuerlich der astronomischen Wissenschaft eine anerkennenswerthe Förderung zu Theil werden lassen. Als er vernahm, daß dem internationalen Comite zur Aufnahme photographischer Himmelskarten die erforderlichen Summen fehlten, um die hiezu nöthigen Apparate Herstellen zu lassen, sandte er unaufgefordert an den Präsidenteu 10.000 Francs für diesen Zweck. — Der „Siecle" nimmt das Vorgehen Rußlands den Juden gegenüber gegen die Kritik der englischen Presse in Schutz und bezeichnet die Entrüstung Englands als einen Mangel an diplomatischem Tactgefühl. Daß die Humanität der Franzosen bei ihrem Chauvinismus Halt macht, war uns nie zweifelhaft. Maris. Das Muse de Cluny hat durch ein Geschenk der Baronin Nathaniel de Rothschild eine bedeutende Bereicherung seiner historischen Sammlung erhalten. Baronin Rothschild kaufte neulich eine Sammlung jüdischer Alterthümer, welche unter dem Namen „Collection Strauß" schon bei der Pariser Weltausstellung vom Jahre 1878 Aufsehen erregte und zuletzt in London auf der Ausstellung jüdischer Alterthümer in Albert Hall zu sehen war, und machte die-