Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. Hesterreichifche Wochenschrift Seite 9 auch die beiden anderen der Trias der Cardinaltugendeu: Tara und Gemiluth-Cassadim, finden in diesem Vereine die sorgsamste Pflege. Die Religionsschule „Moses Montefiore" hatte Heuer 40 Schüler und 22 Kinder wurden mit completen Anzügen beschenkt. Allerdings ist das alles bei diesem Vorstande nicht zu verwundern. Die Herren Leopold Q u i t t n e r, G. B e t t e l h e i m, D. B l o ch, S. L. Bruckner, W P a p p e n h e i m, Dr. Alfred G l o g a u und Moriz Freund sind bekannt als ausgestattet mit all den Tugenden, die (Exodus XVIII, 21) für jüdische Vorsteher maßgebend sein müssen. Und wenn die Herren auch den Lohn ihres Wirkens in sich selbst finden, so findet das Dankgefühl doch erst seine Befriedigung in der öffentlichen Würdigung ihrer Verdienste. Am 27. d. M. fand in I. Robitscheks Restauration die 24. ordentliche Generalversammlung statt. Der Vorsitzende Herr Leopold Q u i t t n e r begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, den Delegirten der Löblichen Cultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, constatirt die Beschlußfähigkeit und erklärte die Generalversammlung als eröffnet. Nachdem über Antrag von der Vorlesung des Protokolles und der Bilanz Umgang genommen wurde, wird der Rechenschaftsbericht verlesen und nach kurzer Debatte dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden gewählt: in den Vorstand für eine dreijährige Functionsdauer die Herren Dr. Alfred G l o g a u, Hof- und Gerichts- Advocat, Julius Werner und S. Hirschbein; für eine einjährige Herr Lazar Nelken. In den Ausschuß wurden gewühlt die Herren: S. G. Fischet, Jg. G r o ß m a n n, L. Kann. Sigmund N eustad tl. W. Pappenh eim,M. Staub er, Jos. Q u i t t n e r, Dr. M. S ch n e p p. Der Cultusvorsteher Herr Architekt Max Fleischer drückte untergroßem Beifall der ganzen Versammlung den Vorstandsmitgliedern für die Mühewaltung, die er am Besten zu beobachten Gelegenheit hatte, Dank und Anerkennung aus. Nachdem sich Niemand mehr zum Worte meldete, dankt der Vorsitzende für das dem Vorstände ausgedrückte Vertrauen, bittet, dem Vereine auch fernerhin Unterstützung und Wohlwollen angedeihen zu lassen, worauf er die Versammlung schließt. Wien. Der Vorstand des israelitischen Tempelvereines für die beiden Gemeindebezirke Mariahilf und Neubau hat dieser Tage seinen Gebahrungsausweis für das verflossene Verwaltungsjahr veröffentlicht und der Cassasaldo, der im vorigen Jahre 6804 fl. betrug, Heuer aber die Höhe von 10.687 fl. erreichte, ist der sprechendste Beweis von dem Prosperiren dieses Vereines. Die Attraction des herrlichen Cultus, den dieser Verein in seinem Tempel eingerichtet, bewirkt eben, daß seine Mitgliederzahl im steten Wachsen begriffen ist und jedes einzelne Mitglied sich gerne zu Opfern bereit finden läßt, denn der religiöse Sinn ist nicht ausgestorben, nur erkaltet und muß wieder empfänglich gemacht werden durch Formen, die dem modernen Geschmacke Zusagen. Die in den genannten zwei Bezirken grassirende Seuche des Antisemitismus würde noch größere Fortschritte gemacht haben, wenn dieser Tempel mit seinem solennen Gottesdienste nicht auch Nichtjuden hineinlockte, die hier Achtung vor dem Judenthume lernen. Es ist dieses Gotteshaus ein wahrer Kiddusch-Haschem. Wir müssen dem Vorstande dieses Vereines, namentlich dem Präsidenten Herrn Max Fleischer, zu großem Danke verpflichtet sein. Wie durch den Bau dieses Tempels hat er sich durch die Organisation der Verwaltung des Vereines ein Denkmal für ewige Zeiten gesetzt und Kindeskinder werden noch seiner in Verehrung gedenken, wenn sie ihr religiöses Bedürfniß befriedigen. Zur größeren Ehre des Gottes Israels ist es zu wünschen, daß dieser Tempelverein und seine Schöpfungen gedeihen und blühen und daß ihm sein gegenwärtiger Präsident noch lange Jahre vorstehe. Die diesjährige General- Versammlung fand Dienstag, den 80. December, Abends 7 Uhr statt lieber den Verlauf derselben werden wir in nächster Nummer berichten. Wien Unter dem Borsitze des Präsidenten M. Winkler fand am 22. December die General-Versammlung des WohlthäUgkeitsvereines „Nachlath Jeschurum" statt. Aus dem von Herrn Dr. Julius U ll m a n n erstatteten Bericht entnehmen wir. daß der Verein 171 Mitglieder zählt, von denen 3 Mitglieder jährlich fl. 50.—, 2 Mitglieder jährlich 20 fl.; 4 Mitglieder jährlich fl. 10.— und 162 Mitglieder jährlich fl. 6.— zahlen. An Ausgaben für Beköstigung und Bekleidung armer Schulkinder hatte der Verein im abgelaufenen Jrüre fl. 2319-95. Der Bericht gedenkt mit Dank des Frei herrn v. Königsw arter, welcher den Verein mit besonderem Wohlwollen unterstützt. Drei Borstai'dsmitglieder des israelitischen Frauenwohlthätigkeitvereines für Mariohils und Neubau, die Damen Cäcilie Eisenberger, Clara B ö h m und Frida Strauß, haben einen Betrag von ö. W. fl. 126 80 in edelsinniger Weise, ferner die verstorbene Frau Litty Billnitzer den Betrag von fl. 100.— testamentarisch zum Freitischfonde gewidmet. Unser Borstandsmitflied, Herr Ludwig Zwieback, wendete dem Stammfonde des. Freitisches fl. 300.— in Notenrente zu, mit der Widmung, daß eine Gedenktafel an seinen verstorbenen Sohn Josef im Freitischlocale angebracht und daselbst am Sterbetage ein Seelenlicht angezündet werde. Die allbewährten hochherzig n Gönner unseres Vereines, welche in Früheren Jahren stets namhafte Beträge gespendet haben, die Herren Franz Freiherr v. Krauß, k. k. Polizei-Präsident von Wien, Gebrüder G u t m a n n, Wichelm Z i e r e r, Hermann Robitsek, Salomon K o h n b er g e r, Sigmund Tre b itsch und Andere haben auch Heuer mit der gleichen Spende ihre Mildthätigkeit documentirt und ist uns in dem geheimen Coinmerzienrath Moriz Becker, der unserem Vereine fl. 100 widmete, ein neuer edclsinniger Förderer erstanden; all' diesen hochherzigen Gönnern sei hiemit der wärmste Dank ausgesprochen. Der Bereinsvorstand, welcher dermalen aus den Mitgliedern Herrn Moses Feßler, Biceprüsident, Richard B a n m g a r t e n, Ignatz Fröhlich, Moritz K n e p l e r, Dr. I. M. P o l a e s e k, M. Politzer» L. Stowasse r, Dr. Julius U l l m a n n, Adolf Rosenbaum und Ludwig Zwieback besteht, entfaltet seit 23 Jahren eine erfolgreiche Thätigkeit, denn zahlreiche arme, schulpflichtige Kinder erhalten am Freitische des Vereines täglich ausgiebige Mittagskost und zur Winterszeit warme Kleider, Wäsche und Schuhe, desgleichen andere Nothleidende thatkrästige Unterstützung. Wir wünschen diesem Wohlthätigkeitsvereine auch fernerhin den gleichen Fortschritt und mögen wohlthätige Glaubensgenossen diesem Vereine ihre Unterstützung zuwenden. Der Freitisch, VI. Schmalzhosgasse 3, im Tenipelgebäude, ist täglich von 12 bis 1 Uhr Mittags geöffnet. ^Iraßrritz 23. December 1890. Das „Deutsche Volksblatt" Nr. 697 vom 13. d. M. beklagt sich bitterböse darüber, daß an der hierortigen christlichen (2) Schule ein Chanukahfest abgehalten wurde und schließt seine diesbezügliche Expectoration mit dem schmerzergreifenden Wehruf: „Will man sie (die arische Bevölkerung) ganz verjuden!" Zur Steuer der Wahrheit sei hier constatirt, daß die Schule, an welcher hierorts die Chanukahseier abgehalten wurde, keineswegs eine „christliche", sondern die hiesige deutsche Volksschule ist, an welcher unter den dieselbe srequentirenden circa 100 jüdischen Kindern, summa sumraarum 2, sage zwei christliche Kinder sind. Es hat nun der Leiter und Oberlehrer dieser Schule Herr Samuel Binder, am Abende des 7. December zu dem Zwecke eine Chanukahseier veranstaltet, um die armen und hilfsbedürftigen Kinder mit neuen Winterkleidern zu versehen, die ausschließlich aus jüdischen Mitteln angeschafft wurden. Die Feier begann mit der Absingung passender Schullieder, die die Kinder mit