Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Gesterreichifche Wochenschrift Nr. 1 Roch in den letzten Tagen seines Lebens beschäftigte ihn die Sorge nm diesen Verein, der gerade jetzt schwer zu kämpfen hat, um die zahlreichen Ansprüche, die an denselben*gestellt werden, zu befriedigen. Ihm genügte nicht die Würde eines Amtes zu haben, er trug auch die Bürde desselben. Und bei aller Arbeit und Mühe die er hatte, that er nicht groß mit seinen Leistungen, — er ging bescheiden seines Weges, befriedigt von dem Bewußtsein, daß er das Seine gethan. Er war auch ein vortrefflicher Kamerad. Wo es ihm möglich war. einem Collegen beizustehen und ihm einen Theil der Last abzunehmen, war er bereit dazu. Michael B i a ch fand für sein Wirken Anerkennung in der Gemeinde. Bei der letzten Wahl in den Vorstand hatte er neben dem Präses, kaiserlichen Rath Arminio Cohn, die meisten Stimmen. Bi ach fand auch bei den christlichen Mitbürgern viel Anerkennung und hatte er auch auf nicht confessionellem Gebiete Ehrenämter und Vertrauensstellungen, denn er war ein charaktervoller und höchst wohlwollender Mann. Gewiß werden ihm alle die ihn kannten und mit ihm verkehrten ein freundliches Andenken bewahren. Möge ihm die Erde leicht sein. G. W. Publikationen des israrl. CnltnsvorKandes in Wien. Mori; chokdverger'sche Stiftung „für einen zur Anstellung als Rabbiner vollkommen befähigten Rabbinats-Candidaten." Bei der israelitischen Cultusgemeinde Wien gelangt die oben genannte Stiftung per fl. 283 50 ö. W. auf ein, eventuell zwei Jahre zur Berlechung. Bewerber, welche die Qnalification zum Rabbiner besitzen, aber noch nicht in amtlicher Stellung sind, haben ihre entsprechend instruirten Gesuche. bis 20. Jänner 1891 in der Kanzlei der israelitischen Cultusgemeinde l., Seitenstettengasse4, 2. Stock, einzubringen. In dem Gesuche ist nebst den Familienverhältiiissen des Bewerbers anzugeben, ob derselbe in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Wien, am 20. December 1890. Der Borstand der israelitischen Cultusgemeinde: Gesuchsblanquette sind im Secretariate I., Seitenstettengaffe Nr. 4, 2. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr unentgeltlich zu beheben. (Lorrespondenzen. Wien. Der Londoner Protest gegen die russischen Judenverfolgungen bleibt nicht die einzige Kundgebung dieser Art. Es ist nunmehr ein Antrag im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika gestellt worden, der das Parlament auffordert, in einer Resolution, „tiefes Bedauern über die in Rußland beabsichtigten Verschärfungen der Judeugesetze auszusprechen"; und diese Resolution soll alsdann der Gesandte der Vereinigten Staaten in St. Ptersbürg dem Zaren überreichen. Ueber die Londoner Beschlüsse äußert sich der „Nord" ziemlich hochmüthig; er schreibt: „Oes resolutions purement platoniques de ce tribunal arbitraire ne nous font ni ckaud ni froid“, allein der Pfeil hat doch gesessen; hinter dieser geheuchelten Kälte birgt sich Erregung über die verübte „indiscrete, pour ne pas dire insolente immixtion“; und wenn nun Amerika ebensowenig zartfühlend sein sollte, und wenn dann andere Staaten gleichfalls sich äußern, so wird Rußland allmälig zu der erstenlichen Ansicht gelangen, daß es eine Eigenschaft der civilisirten Welt ist, sich mit rückhaltloser, oder wenn man will, mit „unverschämter" Offenheit gegen die Barbarei zu erklären. Wir hoffen, daß das Beispiel, welches die Engländer gegeben haben, und dem die Amerikaner zu folgen im Begriffe stehen, noch weitere Nachahmung finden wird; ein solches Vorgehen brächte einen großen Gewinn mit Sicherheit. Von Neuem würde jenes moderne Streben der Völker sich bethätigen, die Aufgaben der Humanilät und der Cultur über die nationalen Schranken hinweg gemeinsam zu betreiben, und jede derartige Bethätigung stärkt dieses edelste Gefühl der heutigen Menschheit. Vielleicht ist eine Macht wie diese aber auch nicht ganz ohnmächtig, um das schlimmste zu verhüten, und endlich könnten die Franzosen bei einem gemeinsamen Vorgehen aller gesitteten Völker sich allmälig unbehaglich fühlen als einsame Bewunderer und Lobredner des Zarenreichs. Diese Allianz einseitiger politischer Berechnung zwischen der Barbarei und Cultur wird sich nicht befestigen durch ein Verbiet, wie es die civilisirte Welt auszusprechen im Begriffe steht und zwar unter — schweigender Zustimmung der Franzosen. Man schreibt uns aus London: Letzten Sonntag wurden in vielen Kirchen und Capellen Predigten ab geh alten, welche die Bedrückung der russischen Juden zum Gegenstände hatten. In seiner im City Temple am Sonntag gesprochenen Predigt sagte Dr. Parker: „Ich bin mir vollkommen klar über meine Stellung mit Bezug auf die Frage der religiösen Toleranz. Ich bin tolerant gegen jeden, der ehrlich und aufrichtig denkt. Mit unaussprechlichem Abscheu wende ich mich von der Bedrückung der russischen Juden ab, und ich erkenne dankbaren Herzens den Adel der Gesinnung und die Würde an, die Cardinal Mann in g in seinem Schreiben über diesen Gegenstand bekundet hat. Ich bin überzeugter Protestant und vertrete auf das entschiedenste mein Bekenutniß, ich könnte aber niemals meine Stimme erheben für die politische Rechtsbeschränkung meiner römisch-katholischen Mitbrüder. Juden und Papisten wollte ich alles das gewähren, was ich für mich selbst beanspruche, aber weder Juden noch Christen, weder Papisten noch Protestanten würde ich es gestatten an einer Constitution zu rühren, die unsere Freiheit zugleich beschränkt und schützt. Was die Papisten anbelangt, so habe ich unendlich mehr Respect vor dem Papst in Rom, als vor irgend einem Priester, der sich äußerlich zum Protestantismus bekennt, in der That aber der Religion des Papstthums dient. Einen ehrlichen Priester der Kirche von England ehre ich; einen heuchlerischen Diener unserer Lehre verachte ich." — So spricht ein protestantischer Geistlicher. Was sagt dazu Herr Stöcker? „Court Circular" ist autorisirt mitzutheilen, daß die Königin in Betreff der russich-jüdischen Verfolgungen ein eigenhändiges Schreiben an den Zar gerichtet habe. In vielen Kirchen und Capellen Londons wurde letzten Sonntag über die Unterdrückung der Juden in Rußland gepredigt. Die Arbeiter der Victoria-Docks hielten am 10. v. M. ein Meeting ab, in welchem der Entrüstung über die Behandlung der Juden in Rußland durch eine Resolution Ausdruck gegeben wurde. Die Resolution wurde von dem Dockarbeiter John Chandeler motivirt und von den zahlreich versammelten Arbeitern einstimmig angenommen. Wien. Von dem reichen Fond an Religiösität, der in Wien, trotz aller Klagen über Judifferentismus, noch vorhanden ist, zeugt die gedeihliche Entwicklung des Bethausvereines „Chewra Bet-Hatfilah" im IX. Bezirk. Der herrliche Tempel, den dieser Verein im scheidenden Jahre mit Besiegung großer Schwierigkeiten und Darbringung bedeutender Opfer an Geld eröffnete, spricht laut und vernehmlich auf Generationen hinaus von dem heiligen Eifer der Männer an der Spitze dieses Vereines und ebenso beredt sind die Ziffern des Gebahrungsausweises des eben verflossenen Vereinsjahres von dem Verwaltrmgstalente des Vorstandes, denn bei all den schwierigen nnd ungünstigen Umständen, mit denen die Eröffnung des Tempels verbunden war, ist das financielle Ergebniß des verflossenen Jahres doch ein befriedigendes. Aber nicht nur Aboda, sondern