Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Oefterreichische Wochenschrift Seite 4 Är. 1 Untersuchung oder unter polizeiliche Aufsicht zu bringen, und ihn solcher Art lahm zu legen. Herr Ernst Schneider war nicht ohne Kenntniß von diesem Unternehmen: „heimtückisch", „hinterlistig" sagt Herr Vetter. Merkwürdigerweise hat auch L. M. Rodkinson fast zur selben Zeit Dr. Bloch der heimlichen Verbindung mit den Anarchisten augeklagt, während Herr Arthur L. Weißmann sich an die Juden wandte in einem Pamphlet, um sie vor Dr. Bloch zu warnen, weil er angeblich der englischen Missionsgesellschaft eine Ehrenerklärung gegeben hätte. Die „Enthüllungen" Weißmann's fanden dieselbe Aufnahme und die gleiche Würdigung wie die Mittheilungen Rodkiuson's oder die im „Oesterr. Volksfreund" publicirten Enthüllungen Pater Eichhornes, welcher, seltsam genug, einige Jahre später als Abgeordneter im Parlamentsich beschwerte, daß er von der Polizei überwacht werde. Daß der Abgeordnete Dr. Bloch den unglücklichen Polizeiconcipisten Hlubek wegen antisemiüscher Gesinnung bei seiner Vorgesetzten Polizeibehörde denunzirt hätte, das war gerade so schamlos erlogen wie die Mittheilungen Weißmanns über den angeblichen Conflict und Proceß mit der englischen Missionsgesellschaft. welchen Dr. Bloch durch irgend eine Erklärung oder Abbitte aus der Welt hätte schaffen müssen. Die diversen Auftraggeber, welche die Niederttacht bezahlten, unterschätzten die natürliche Intelligenz des Juden, der sofort herausfindct, zu welchem Behuse derlei Lügen fabricirt und aus welcher Art dunkler Rüstkammer sie geholt werden. * * Ob aus den Höhen der Gesellschaft, wo der Kampf in gesitteter Form mit den Waffen des Geistes aus den Rüstkammern einer Asterwissenschaft gegen uns geführt wird; ob in den Tiefen und Niederungen, wo das kleine Gewürm erbärmlicher, käuflicher Renegaten, die giftige Schlangenbrut der Verläumdung und Lüge im Staube kriecht und von dem Staub sich nährt; ob der glühende Haß uns entgegentritt in feindseligem offenen Kampfe, das gluthgeröthete Antlitz unverhüllt oder ob er wie ein Meuchler „heimtückisch, hinterlisttg" aus dem Hinterhalte hervorbricht und dich überfällt: es bewährt sich an uns immer die göttliche Verheißung: „Jede Waffe, geschmiedet gegen Dich, richtet nichts aus und jede Zunge die wider Dich spricht zum Gerichte, wird zu Schanden." (Jes. 54. 17) Der Antisemitismus in der Schule. Es gibt wohl für den Menschen kaum eine schönere Erinnerung, als die an die Zeit, da er auf der Schulbank saß und ihm die Pforten der Wissenschaft erschlossen wurden. Mancher vielleicht wird diesen Satz für eine leere Redensart erklären und darauf Hinweisen, daß sich an jene Erinnerung auch manche unangenehme Gedanken knüpfen; denn die schöne, blühende Jugendzeit ging wohl vielen unter dem unsanften Drucke lateinischer Vocabeln, arithmetischer und geometrischer Beweise, griechischer Grammatik und ägyptischer uüd assyrischer Königsnamen verloren. Das mag sein. Unter Klagen und Wehen dringen wir in die weiten Hallen der Wissenschaft ein, und mancher schöne Sommertag, der im sonnigen Glanze einlädt zur Freude an der herrlichen Natur, wird der lieben Jugend in das Aschgrau einer oft gar nicht verstandenen Theorie getaucht. Und doch hat die Schulzeit ihre eigene, unverwischliche Poesie. Ist sie doch die Zeit, in welcher das menschliche Herz den verschiedenartigsten Eindrücken, welche aus dasselbe einwirken, am leichtesten zugänglich ist und die mannigfachsten Erscheinungen der Welt und des Lebens in sich aufnimmt. In der Schulzeit schließen sich die Herze» am engsten in inniger Freundschaft aneinander, hier allein findet man noch wahre Treue und ehrliches, selbstloses Zusammenwirken. In diesem Lichte erscheint uns wenigstens, jene schöne, längst vergangene Zeit und das Gedenken an dieselbe stimmt uns deshalb so unsagbar wehmüthig und ist doch auch wieder so unendlich erquickend. Wir fragen nun: wird auch unsere Jugend, welche jetzt ihre erste Bildung an unseren Mittelschulen erhält, einmal in später Zukunft sich so anmuthsvollen Erinnerungen hingeben können, wenn sie ihrer Schulzeit gedenken wird? Wir bezweifeln es. Und der Grund dafür ist darin zu suchen, daß in unserer Zeit schon die kindliche Denkungsart in das gährende Gift des Hasses und der Zwietracht getaucht wird, daß schon auf der Schule der alles vernichtende Reif des wilden Racenkampfes die jungen Pflänzchen ergreift und in die jugendlichen Herzen der Keim für jene Kämpfe gelegt wird, welcher später im öffentlichen Leben zu den bösartigen Früchten emporwächst, an welchen sich die modernen Rufer im Streite, die Herren Antisemiten, weidlich erfreuen. Es ist heute keine Frage mehr, daß der Antisemitismus schon in der Schule gezüchtet wird und in mannigfachen Erscheinungen hier zu Tage tritt. Die Ursachen des Antisemitismus in der Schule sind einmal in den Schülern und dann in den Lehrern zu suchen. Das jugendliche Gemüth, leicht empfänglich für Meinungen und Gedanken aller Art, hört im Hause, hört in anderen ihm zugänglichen Kreisen von jenen Kämpfen, welche unsere Zeit in steter Erregung halten und bald sieht der christliche Schüler in seinen jüdischen Commilitonen den feindlichen Nebenbuhler, einen schädlichen Parasiten, einen verhaßten Concurrenten. Es wird das Vorurtheil rege im jugendlichen Herzen. Und es wächst stetig aber sicher, wenn der jüdische Schüler in Folge einer gewissen geistigen Regsamkeit, angeborenen Talentes und strebsamen Fleißes in dem Ringen um den Vorrang in den vordersten Reihen zu treffen ist. Man weiß ja, wie leicht Mißgunst und Neid selbst Vorzüge in Fehler zu verkehren vermögen, und wenn ein alter Weiser lehrt: Beurtheile jedermanns Handlungen nach ihrer guten Seite, so hat unsere Zeit sich von dieser Forderung eben so weit enffernt, wie sie im Ganzen auch nicht jene Ideale erreicht hat, welche Propheten und Lehrer unseres Alterthums als das Ziel der Menschheit einst aufstellten. Man kann so auch in der Schule schon Fleiß, Regsamkeit und eiftiges Streben als vorlautes Wesen, Anmaßung und Arroganz bezeichnen, denn die Handlungen der Menschen haben ein doppeltes Gesicht, und es ist gerade das zweite Gesicht, welches man so gerne heutigen Tages als das allein echte zu bezeichnen beliebt. So kann denn jeder aufmerksame Beobachter unserer heutigen Schnlzustände bemerken, daß der Geist der Freundschaft und Cameradschaft dem bösen Geiste der Zwietracht und des Haders unter unserer Jugend platz gemacht hat. Und die Lehrer? Sollen sie es nicht sein, welche von dem höheren Standpunkte der Bildung, der wahren Menschlichkeit aus ihren heiligen Beruf auffassen? welche bestrebt sein sollen: nicht nur die Geister, sondern auch die Herzen zu bilden? welche Milde und Liebe und Versöhnlichkeit verkünden und als Vermittler der nun einmal bestehenden Gegensätze austreten sollen? Ein heiliges, wichtiges Amt ist in die Hand des Lehrers gelegt, er ist befugt und befähigt als Friedensstifter und Friedensverkünder aufzutreten; er soll den Frieden lieben und dem Frieden nachstreben und wie ein wahrer Hohepriester desselben sich zwischen die Parteien stellen. Thut er dies nun auch? Wir müssen mit herbstem Bedauern sagen, daß sich die wenigsten unserer Jugendbildner dieses ihres Berufes bewußt sind, sondern vielmehr sowohl durch unüberlegt hingeworfene Bemerkungen, als auch durch Lehren und Vorträge die Gegensätze systematisch verschärfen und die Schüler gegenseitig verhetzen. Was soll es z. B. heißen, wenn in der Schule immer und immer wieder auf den Gegensatz der Confessionen, auf die zum Ueberdruße oft wiederholte und durch nichts erwiesene Verschiedenheit' der Race hingewiesen wird? Was haben solche Theorien mit der Schule zu thun? Was die Herren Lehrer in antisemitischen Zeitschriften und Broschüren lesen, das mögen sie zu ihrer Ansicht machen oder nicht, von der Schule mögen sie es fern halten; wie sie die geweihten