Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 1. Hesteneichische Kochmschrtst Sette 3 In Galizien betheuerte Rodkinson seine heiße Liebe zum. Judenthum, dem durch die Wiederwahl Blochs nicht minder Gefahren erwachsen als durch die Wiederwahl des Prof. Eduard Sueß nach der Versicherung von Gotthelf Hadasy. Es entbehrte nicht einiger Komik, daß dieser sonderbare Agitator nach Kolomea selber sich nicht getraute, er fürchtete nicht mit Unrecht mancherlei unangenehme Erfahrungen. Bald nachher ereilte ihn die moralische Katastrophe durch die Publication eines zwischen Professor August Rohling und Aaron Brimann gewechselten Correspondenz, und er wurde schließlich über Requisition der russischen Regierung verhaftet und an Rußland ausgeliefert. Ein „Freund" und „Fechtbruder" Rodkinsons, ein Genosse seines „Geistes" weilt dermalen noch in Wien und harrt seines Geschickes. Es ist das ein sicherer Arthur S. Weiß maun. Auch er schreibt natürlich „für wahres jüdisches Interesse" und publicirt schamlose ordinäre Pamphlete gegen die Person des Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch, in der Form einer periodischen Druckschrift, die früher allmonatlich und seit einiger Zeit „für jüdische Cultur-Jntereffen" alle 14 Tage erscheint. In der Plenarversammlung der „Oesterreichischisraelitischen Union" vom 13. December kam die Entrüstung darüber, daß ein jüdisches Individuum an der Hetze der antisemitischen Meute gegen einen Juden offen Theil nimmt, zum öffentlichen Ausdruck und es wurde in Form einer Resolution protokollirt, daß das Judenthum an diesem schamlosen Treiben keinen Antheil hat. Allein es hätte dieser feierlichen Kundgebung wohl kaum bedurft, die Wähler von Kolomea, Buczacz, Sniatyn werden Arthur S. Weißmann nicht anders würdigen, als wie sie vor sechs Jahren L. M. R o d k i n s o n oder wie die israelitischen Wähler der Leopoldstadt Gotthelf Hadasy gewürdigt haben. „Was thut nicht ein armer Jude, wenn er hungert", sagt Herr Cornelius Vetter. In allen Confessionen und in allen Volksstämmen, ja selbst in allen Ständen gibt es einzelne Individuen, welche schließlich dazu gelangen, von der Prostitution, von der Schande sich zu ernähren. Nachdem der geniale Plan, „Rabbi Bloch" mit Hilfe der Floridsdorfer Arbeiter, durch ein brutales Attentat kampfunfähig zu machen, schmählich scheiterte, unternahm man es, das Ziel in anderer Art, mit entgegengesetzten Mitteln zu erreichen. Zwei schauerliche anarchistische Attentate, deren Schauplatz Floridsdorf war, erregten allgemeines Entsetzen. Da trat der sattsam bekannte Pater Eichhorn auf und klagte den Abgeordneten Dr. Bloch öffentlich an, er sei der geistige Urheber des gräßlichen Verbrechens. Daß er, Herr Schneider und seine antisemittschen Genossen mit den Anarchisten intime Verbindungen unterhielten, ist ein offenes Geheimniß. Cornelius Vetter richtet an Ernst Schneider nachstehende Fragen: „Weshalb rühmten Sie sich Ihrer Bekanntschaft und Bewirthung eines Peukert u. s. m.? Wollten Sie den auch als Spitzbuben benützen? „Geben Sie Antwort! Wie konnten Sie wissen, wer bei dem ersten, im zehnten Bezirke stattgefundenen Kirchenkrawalle die Rädelsführer waren, wo Sie, Gesinnungsgenossen gegenüber, die Aeußerung thaten: „Die Richtigen haben's doch nicht erwischt! Wärens nur weüer unten in's Wirthshaus gegangen, so hätten sie die Rädelsführer!" „Ich hätte noch mehrere Fragen au Sie zu stellen, z. B.: Wie ist es gekommen, daß die bei dem Brande des Holzlagers auf der Roßauerlände Vorgefundenen aufreizenden Zettel eine fo frappant ähnliche Schrift mit den Zetteln, welche Sie anläßlich einer bon der Polizei verhinderten Versammlung im Panoramasaale in der Leopoldstadt an die enttäuschten Besucher austheilten, hatten? Oder wie ist es gekommen, daß Sie von der Zusammenrottung der Arbeiter vor dem Polizeigebäude um 14 Tage früher wußten?" Zwischen Anarchisten und Antisemiten besteht in allen Ländern eine intime Verbindung und ist z. B der Berliner Polizeibehörde schon seit vielen Jahren bekannt. Im Posener Socialisten-Proceß gelangte ein Bericht der politischen Polizei über den Anarchisten-Congreß zu Chur (Schweiz), den sie von ihren dort vertreten gewesenen Vertrauensmännern erhalten hatte, zur Sprache. Danach hat dort ein deutscher Deputirter, dessen Name nicht angegeben ist, ein Referat über die antisemitische Bewegung, besonders in Berlin, erstattet, das vom Congreß mit hochgradiger Zufriedenheit ausgenommen worden ist. Namentlich fand die Bemerkung des Berichterstatters, daß die anttsemitische Bewegung in erster Linie dem Zwecke diene, das Klembürgerthum und die kleinen Beamten unmerklich für die anarchistischen Ideen zu gewinnen, allseitige Zustimmung. Von anderer Seite wurde der antisemitischen Agitation Glück gewünscht, und der Vorsitzende des Congresses schloß die Verhandlungen über dieses Referat mit dem Hinweis, daß, wenn auch einzelne der angewendeten Agitationsmittel vom logischen Standpunkte aus nicht gerechtfertigt erschienen, dies im Interesse der Anarchistensache übersehen werden müsse. Bei der Verhaftung des französischen Antisemitenhäuptlings Marquis de Mores wurde die inüme Verbrüderung beider Parteien vor aller Welt enthüllt. Dieser Herr Marquis war das Haupt einer Anarchistenbande und verbrettete ordinäre antisemittsche Hetzschriften. Bei Gelegenheit, als man in Paris die anarchistischen Führer verhaftete, kam auch er unter Schloß und Riegel und man confiscirte bei ihm eine Correspondenz mit österreichischen Antisemiten. Herr Ernst Schneider wird vermuthlich davon etwas wissen. Nichtsdestoweniger hatte der Pater Eichhorn in Nr. 47 des „Oesterreichischen Volksfreund" vom Jahre 1883 Doctor Bloch als den Urheber des Attentates gegen den Polizeiconcipisten Hlubek denuncirt. Unter der Ueberschrift: „Zum Morde an dem Polizeiconcipisten Hlubek" schrieb Herr Eichhorn: „Das erste osficielle Blutopfer der Berjudung aller unser-r geschäftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der Antisemit und Märtyrer Franz Hlubek ist vor beiläufig neun Monaten von der Judenschaft bei der k. k. Polizei-Direction „antisemitischer Umtriebe" wegen, verklagt worden. . . - „Es war also die Anzeige pure Judenverleumdung und hatte die Entfernung des ehrlichen Mannes von seinem Posten zum Zwecke. Was der jüdischen Denunciation nicht gelang, es gelang einer heimtückischen Kugel. Sollten beide Unthaten im Zusammenhänge stehen? Diese Frage muß bejaht werden. Nicht post hoc, ergo propter hoc, d. h. nicht deshalb, weil der Fehlanzeige ein sicherer Schuß folgte/ sondern weil Rabbi Bloch die Arbeiter förmlich ausgewiegelt hat." „Der edle Judenprediger Bloch hat am 12. August 1883 vor den Arbeitern der Locomotivfabriken in Floridsdorf und am 28. August 1882, vor den Eisen-, Metall- und Hilfsarbeitern Wiens und Niederösterreichs im Saale „zum grünen Jäger" einen Vortrag gehalten, in dem das Christenthum als die Quelle alles Elends der Arbeiterschaft gebrandmarkt wurde. Diese niederträchtige Rabbinade log den Arbeitern in einleuchtender (!!) Weise vor, daß die Christenheit von Anfang an nur aus die Bedrückung der „Arbeiter" gelauert. Hingegen zeichnet der Rabbi die Juden als die Apostel und Märtyrer der Freiheit der „Arbeiter". De» Talmud nannte der Rabbiner das herrlichste Ruhmesdenkmal des Arbeitergeistes. Der Bortrag enthält auf 36 Seiten beiläufig 200 semitische Lügen und Verdrehungen, wenn man ihn nach seiner angeblichen „Wissenschaftlichkeit" kritisch, d. h. christlich ft) oder ehrlich untersucht. Am Schlüße forderte der Redner die vielen tausend Arbeiter, die seine Zuhörer waren, auf zum Kampfe für den Semitismus, er sagte: „Nicht der Kampf gegen den Semitismus, sondern der für ihn würde von den wohlthätigsten Folgen sei» für die arbeitende Bevölkerung, für das Heil des Stabes." Dieser Bortrag wurde in Tausenden von ^emplaren unter die Arbeiter vertheilt, diesocialdemokrarischenBlätterdruckten ihn vollinhaltlich ohne Bemerkungen ab und er wurde die Quelle für viele B o r t r ä g e, welche seitdem die Arbeiterführer gehalten. Auch Schaffhauser, der bei einem Juden — John heißt er — bedienstet war, hat einen solchen nach diesem Muster in Klosterneuburg g e h a l t e n." „Diese Rabbinade ist also eine Mit Ursache zur Mordthat an dem „Regierungsvertreter" Hlubeck, wenn auch vielleicht der Rabbiner subjektiv diese Wirkung nicht ahnte und wußte." Herr Pater Eichhorn bezweckte mit dieser erbärmlichen Denunciatton nichts Geringeres als Dr. Bloch in