Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite S t=si^ÄHE" -jasaw ■??£&* Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 1. Gememderath Cornelius Beiter: „Bloch wußte die Arbeiter von Floridsdorf zur Meberzeuguug zu bringen, daß die Beglücker und Wohlthäter der Menschheit, besonders die des Arbeiterstandes, ausschließlich Juden und jüdische Fabrikanten seien." „Dieser Anschauung mußte entgegengetreten werden, doch wie? Etwa in einer Versammlung offen und ehrlich den Anschauungen des Wunderrabbi zu begegnen, die Arbeiter eines Besseren zu belehren? Weit gefehlt! Nein, heimtückisch, hinterlistig." So trat denn Mechanikus Schneider an Herrn Cornelius Vetter mit dem Anträge heran, dnrch ein schmutziges Pamphlet die Arbeiter gegen den „R a b b i Bloch" aufzureizen; er soll durch ein — Attentat unschädlich gemacht werden. Herr Cornelius Vetter, welcher heute zu den blindwüthigsten Antisemiten des Wiener Gemeinderathes zählt, gab in jener Broschüre der Vermuthung Raum, daß nicht die freundlichen Beziehungen B l o ch's zu den Arbeitern, sondern, daß noch andere Motive Herrn Schneider zu seinem finsteren Plane veranlaßten. Welcher Art diese geheimen Beweggründe gewesen sein müssen, darüber schweigt Herr Vetter Dr. Bloch war damals mit Prof. Dr. August Rohling in Prag in einen langwierigen Proceß verwickelt, welcher eine dem Letzteren unangenehme Gestaltung zu gewinnen drohte. Dachte vielleicht Herr Ernst Schneider, — dessen vielverzweigte geheime Verbindungen Cornelius Vetter schonungslos bloslegt, — der den Versuch unternommen, in den Gang des Mödlinger Schuhprocesses durch ein falsches Zeugniß aus der bairischen Hauptstadt einzugreifen, daran, den Rohlingproceß mit Hilfe anarchistischer Arbeiter in Floridsdorf — niederzuschlagen? Herr Cornelius Vetter thut sich darauf zugute, daß er aus das Ansinnen des Mechanikus nicht einging. Er hält Schneider vor, daß er mit seinem Antrag ihn und seine — Familie habe in's Verderben bringen wollen. „Eine unschuldige Familie hätten Sie aber herzlos in's Unglück gestürzt, wenn nicht treue Freundschaft noch rechtzeitig warnend eingegriffen hätte," ruft er Herrn Schneider zu. Zur Beruhigung des Herrn Vetter können wir chm mittheilen, daß die Gefahr, die Floridsdorfer Arbeiter könnten auf den von Schneider geplanten Schurken - stteich eingehen, von vorherein eine sehr geringe mar. Der Herr Mechanicus muß aber auch anderwärts mit der gleichen Zumuthung angeklopst haben. Wenigstens ist dem damaligen Rabbiner von Floridsdorf von einem socialdemokratischen Arbeiter eine Warnung zugekommen, auf seiner Hut zu sein und sich vor den Anschlägen und Nachstellungen nicht etwa der Socialdemokraten und Anarchisten, — sondern der biederen Antisemiten in Acht zu nehmen. Die Floridsdorfer Arbeiter waren dem Rabbi Bloch dermaßen anhänglich, daß einer derselben, der später in den Verdacht socialdemokratischer Gesinnung gerieth und polizeilich ausgewiesen wurde, von Innsbruck aus, wo er sich niederließ, über das Treiben eines dort weilenden jüdischen Söldlings der Anttsemiten, des famosen Aaron B r i m a n n, an den genannten Abgeordneten Mitthellungen gelangen ließ — Mittheilungen, welche es vornehmlich ermöglichten, dieses gefährliche Subject unschädlich zu machen. * * * Die Enthüllungen des antisemitischen Gemeinderathes Cornelius Vetter über die verschiedenarügen Versuche Schneiders, sich jüdischer Subjecte, verkommener Individuen für seine dunklen Pläne zu bedienen, bilden ein eigenes Capitel und verdienen in gehörige Beleuchtung Achracht zu werden. Wir sehen da den Mechanicus Schneider als Vorkämpfer — des othodoxen Juden- Hrmls. Ernst Schneider liebt eigenartige „taktische Manöver". Vetter erzählt: „Allemal, wenn die Ostern heranrückten, wurde Herr Schneider unruhig und nervös, suchte immer einen Lithographen, welcher ihm eine bildliche Darstellung verfertigen sollte, fand aber zum Glücke keinen, der sich zu seinen Zwecken hergab. Die Illustration, die sich bei ihm noch vorfinden dürfte, sollte darstellen, wie Kinder von Juden abgeschlachtet werden. — Darunter der Mahnruf an christliche Eltern: „Es nahen die jüdischen Ostern, da brauchen die Juden „Christenblut" zur Bereitung ihrer Osterbrote, Eltern, hütet Euere Kleinen u. s. w." „Dieses Pamphlet sollte in Tausenden von Exemplaren angefertigt und durch Dienstmänner an die Kinder sämmtlicher Wiener Volks- und Bürgerschulen vertheilt werden." — Derselbe Herr Schneider konnte auch jüdische Individuen besolden um für das Judenthum Broschüren zu schreiben. Natürlich in dem Sinne, wie Ernst Schneider dictirt. Vetter erzählt: Den' Jude Gotthelf Hadasy erhielt von Ernst Schneider „eine monatliche Zahlung von 60 fl. für seine zu leistenden Gegendienste zugesagt, welche Abmachung gegenseitige Zustimmung und Freude erfuhr." Welcher Natur waren die „Gegendienste", die Herr Schneider von seinem Juden forderte? In welcher Art sollte dieser die antisemitische Sache fördern Helsen? Briman bekannte sich offen zur Schurkerei, verschmähte die Maske; die Creatur S ch n e i d e r's mußte schlauer sein und in wärmstem Eifer für die Sache des Judenthums erglühen. Gotthelf Hadasy sollte die Juden gegeneinander hetzen, die orthodoxen Juden gegen die aufgeklärten, die Armen „die sich mit ihren Synagogen 'cheu in die schmutzigsten Gassen zurückziehen", gegen die Wohlhabenden, deren Tempel „sich stolz in den herzinnersten Stadttheilen erheben." Mechanicus Schneider rechnete darauf, daß der mindergebildete Theil der Juden, Jene, deren politische Einsicht nicht geschärft genug ist, die Provenienz dieser Hetze weder ahnen noch vermuthen. Allerdings hätte er sich für diese Aufgabe ein etwas mehr brauchbares Subject wählen müssen, indessen in der Roth frißt der Teufel Fliegen! Andere Werkzeuge für ein solches „taktisches Manöver" ließen sich nicht leicht finden. So erhielt denn Gotthelf Hadasy von Ernst Schneider den Auftrag, in den Kampf cinzutreten für das Heil und die Erhaltnug des orthodoxen Judenthums. „Inhalt und Richtung ist ihm streng angegeben worden!" — erwähnt Herr Cornelius Vetter, welcher auch von einem zweiten jüdischen Söldling des Herrn Mechanicus Schneider zu berichten weiß, „von dem Juden auf Nr. 11 Gumpendorferstraße." Im Juni 1884 fanden die Vorbereitungen für die Reichsrathswahlen statt. Damals war es, daß Gotthelf Hadasy von Mechanicus Ernst Schneider beaufttagt worden war, in der Wiener Leopoldstadt die Wahl des Herrn Professor Eduard Sueß zu hintertreiben — natürlich im „Interesse des Judenthums." Einen Mann wie Professor Sueß dürfen orthodoxe Juden nicht wählen war die Parole des vom Mechanicus Schneider bezahlten „orthodoxen Juden". Hadasy wurde in einer Wählerversammlung mit einer tüchtigen Tracht Prügel für seinen jüdischen Patriotismus ausgezeichnet. Schlimmer erging es einem seiner Genossen, der sich's zur Aufgabe gestellt hatte, die Wiederwahl des Reichsraths- Abgeordneten Dr. Bloch in Kolomea — wiederum im Interesse des Judenthums — zu verhindern. Es war der bekannte M. L. Rodkinson, dessen Treiben in Wien seiner Zeit ungeheures Aufsehen erregte. Er publicirte eine Unzahl von Schmähschriften gegen den Abgeordneten Dr. Bloch, den er sogar nach Galizien begleitete, als er nach Kolomea gereist war, um vor seinen Wählern den Rechenschaftsbericht abzulegen. 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