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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-02 · 1 (2.1.1891) · p. Seite 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
1 (2.1.1891)
Date
1891-01-02
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Vlll. Wien. Z ALnner 18SL Lentralorgan für die gesammlen Interessen des Indenthnms. —DI E- K. k. Postsparcasienamt Clearingverkehr Nr.tiIO.V76 Siedactio» und Adiiiiuistration: I, Rolhenthurmstratze -rv. IL- ----------1 Man abonuirt bei allen Eigenthttmer: Reichsraths-Abgeordneter l)i\ Bloch. Ers cheint jeden Freitag. des In- und Auslandes. Bezugs-reis: Halbjährig 4 fl. Einzelexeuiplare SS fr. Anzeigen: Die 4mol gespaltene Petitzeile 1L kr. Inhalt: An unsere geehrten Abonnenten! Leitartikel: Mechanicus Schneider und seine Kampfmittel. Der Antisemitismus in der Schule. Die Schulbücher und der Antisemitismus Ruffische Inden in London. Ein Beitrag zur „Satisfactionsfähigkeit" Ernst Berganis. Michael Biach. Pnblicationen des israelitischen Cultusvorstandes in Wien. — Correspondenzen: Wien. Straßnitz. Prag. Berlin. Göttingen. Paris. — Vermischtes: Wien. Penzing. Lägerndorf. Drohobycz. Pest. Trencsen-Baan. Bukarest. Berlin. München. Rom. Paris. Sophia. New-Pork. — Familienblatt: Wie ich sie hasse! Brieskasten. Inserate. Ein antisemitischer Schurkenstreich gegen Baron Hirsch. An «nsere geehrte« Abonnenten! Mir stehen vor der Pforte eines neuen Jahres und die „Gesterreichische Wochenschrift" tritt vor ihre bisherigen Freunde init der herzlichen Bitte, ihr treu zu bleiben und sie durch ein neues Abonnement in ihrem rüstigen Vorwärtsschreiten zu fördern. Viel Worte zu eigener Empfehlung, zu eigenem Lobe zu machen widerstrebt uns. Was bisher versucht und gewagt wurde, soll mit redlichem Bemühen festgehalten werden. Dem rückhaltlosen Kampfe sür unser Recht und für unseres Namens Ehre gegen Lug und l)aß verdankt die „Gesterreichische Wochenschrift" nicht wenige Gegner; sie besitzt ein Anrecht auf die Unterstützung der Gesinnungsgenossen. Witten unter den Blühen der Arbeit war Eines unser Stolz; so viele Gegner die „Gesterreichische Wochenschrift" auch besitzt, konnte doch so mancher gewichtige Erfolg ihres Kampfes von Niemandem in Zweifel gezogen werden. Umsomehr rechnen wir auf die thätige Förderung bei allen, die mit uns eines Sinnes sind. Die Administration der „chesterreichifchen Wochenschrift" Wien, I., Rothenthurmstraße 39. Mechanik«» Schneider und seine Kampfmittel. (Ein Blick hinter die Coulissen). In unserer vorwöchentlichen Nummer haben wir aus einer Streitschrift des Gemeinderathes Cornelius Vetter gegen seinen antisemitischen Parteigenossen Mechanicus Ernst Sch neider Auszüge publicirt, welche zahlreiche interessante Enthülllingen aus der Geschickte der anttsemitischen Bewegung bringt und grelle Schlaglichter wirft auf die Art, wie Schneider und Genossen ihr elendes Handwerk betreiben. Die Broschüre des Antisemiten Cornelius Better stammt aus dem Jahre 1886, ward von vornherein blos in wenigen Exemplaren gedruckt und war nur den antisemitischen Parteiführern zugänglich. Durch die „Sonn- und Montagszeitung^ hat die Oeffentlichkeit von dem Inhalt dieser Publics"^' vor 14 Tagen die erste Kenntniß erlangt und wir in der Lage, in der letzten Nnmmer sie unseren Lei nahezu vollem Wortlaut vorznlegen. Cornelius SS etter klagt Herrn Schneider an, daß er ihn iitts „Unglück", „in's Criminal" bringen wollte, weil er ihm den Antrag gestellt und ihn zu bereden versuchte, er möge die Arbeiter von Floridsdorf zu einem Attentate gegen Dr. Bloch veranlassen. „Heute noch zittere ich vor gerechter Entrüstung und Erregung über die Bosheit, Schlechtigkeit und kalte Berechnung, mit der Sie einem Unschuldigen die Wege mindestens zu einer langwierigen Untersuchung gebahnt hätten" sagt Cornelius Vetter. Der „blinde Haß", von welchem Ernst Schneider gegen den damaligen Rabbiner von-Floridsdorf beseelt war, hatte seinen eigenen Grund. Es nmr zur Zeit als die antisemitischen Arbeiterkrawalle in Preßburg weit übet die Gauen Oesterreichs hinaus unangenehmes Aufsehen, in den angrenzenden Bezirken aber Furcht und Entsetzen erregten. In der Floridsdorfer Arbeiterschaft herrschte eine wahrnehmbare Unruhe und die anttsemitischen Parteiführer ließen es an Bemühungen nicht fehlen, die herrschende sociale Erregung auf die Juden abzulenken. Die unzufriedenen Bolksclaffen sollten an den Juden ihre Wuth kühlen, wodurch einerseits dem verhaßten Judenthum ein Schlag versetzt und anderseits der Polizei die gewünschte Handhabe geboten wäre, „Ruhe und Ordnung" herzustellen. Dr. Bloch, damals Rabbiner in Floridsdorf, erachtete es als seine heilige Amtspflicht, schon mit Rücksicht auf seine ihm anvertraute und zunächst bedrohte Gemeinde, zu den Arbeitern zu gehen und sich mit ihnen persönlich auseinanderzusetzen. Das Resultat dieser mündlichen Besprechung mit den Arbeiterführern war, daß man an den „Rabbi" von Floridsdorf mit dem schriftlichen Ersuchen heranttat, in den Arbeitervereineu und Versammlungen Vorträge zu halten, eine ehrenvolle Einladung, der selbstverständlich Folge gegeben werden mußte. Die Borträge zeichneten an der Hand historischer Daten die Stellung der Arbeiter innerhalb des jüdischen Volkes in alter Zett und die Stellung der Juden zu den Emancipationsbestrebungen des Arbeiterstandes bis auf die neueste Epoche; es galt zu zeigen was der Arbeiter dem Juden und was der Jude dem Arbeiter war. Die Arbeiter den lauernden Fangarmen des Antisemitismus zu entreißen, war eine der vornehmsten und wichtigsten Aufgaben beim Beginne der Hetzbewegnng, als di^ feudalen Hintermänner des Mechanik^ Schneider allen s daran giengen, die Arbeiter als Schießpulver gegen ' >ey zu verwenden. Her die Wirkung, welche jene Borträge bei der eil Arbeiterschaft erzielten, sagt der antisemitische

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