Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Während unser Daniel so für sein Vaterland stritt und litt, hatten die Seinigen zu Hause nicht die rosigsten Tage.- Eines Morgens verbreitete sich die Kunde, dass den alten Grafen von Battersdorf in der Nacht der Schlag getroffen habe und dass die schleunigst herbeigeholten Aerzte jede Hoffnung aufgegeben hätten. Aus freiwilligem Drange eilten die Bewohner des Dorfes in die Kirche und io die Synagoge, um die Genesung des verehrten alten Herrn vom Himmel zu erflehen. Doch der Herr über Leben und Tod hatte anders beschlossen, und schon am Nachmittage hatte der edle Mann seinen letzten Seufzer ausgehaucht. Die Trauer war allgemein; aber der Verlust sollt© sich bald noch fühlbarer machen. Der junge Graf glaubte, wie damals viele seiner Standesgenossen, dass mit der Vertreibung der Frarfeosen die ganze gute alte Zeit zurückgekehrt sei, und dass das Volk, welches noch beschäftigt war, das Joch der Fremdherrschaft mit Aufopferung seines Blutes und seines Gutes zu zerbrechen, nur bestimmt sei, das alte Aristokratenjoch wieder auf seinen Nacken zu nehmen. Graf Roderich mit diesem Gedanken seit lange vertraut, griff sofort thatbächlich ein. Er geriorte sich, als ob die ganze alte Herrschaft mitallen ihren Rechten, welche vor dein Einzüge der Franzosen sieben Jahre früher entwichen waren, wieder zuriiekgekehrt sei. Er ergriff die Zügel der Rolizoigewalt ' wieder und zwar mit ausserster Strenge, setzte ein Ihitrimomalgcmeht ein, legte Abgaben und . FrolmdiVnafte auf und thät, als ob er der reichsunmittelbare'-souveräne Herr wäre. In den Wirren des Krieges, während .derer die Organisation der wiedereroberten Provinzen noch wenig vorgeschritten und bei der Unkenntnis der Landleute .von der eigentlichen Lage der Ding© war dies in dem Winkel des Landes, in welchem unsere Geschichte spielt, "möglich. Das gebieterische .Wesen des Grafen Roderich und die strenge Handhabung seiner Vorschriften durch seine Oreaturen imponierten den Dorfbewohnern und sie leisteten, wenn auch seufzend. Gehorsam, Der einzige Mann, der sie über die wirkliche Sachlage hätte aufklären können, d«*r Pfarrer des Ortes, sah seinerseits die Wendung der Dinge gern, da auch ihm dadurch die alten Zehnten und Gaben wieder* zuzufallen schienen. Noch härter traf der Tod des alten Grafen unsren Salme. Roderich kündete ihm alsbald jeden Geschäftsverkehr auf und wies ihn ein für allemal vom Hofe fort. Dies war ein schwerer Schlag; denn abgesehen von dem Verlust an Verdienst entging ihm dadurch der rösste Teil der Geldmittel, mit welchen er sein Geschäft ©trieb. Je weiter sich der Krieg aus diesen Gegenden entfernte, desto geringer wurde der Verkehr, der sich in