Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Es folgten jetzt Gefechte aüf Gefechte; von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf schlugen sich der französische Nachtrao und, die rasch vorwärtsrückenden Freischaren.,.' welche den grosser! Armeen den Weg zunr Rheine schnell säubern, sollten. Bei vielen derselben hätte'Daniel Gelegenheit, sich durch .Mut., Geistesgegenwart und Tapferkeit; hervorzuthmu und als nach dem Debergange über den Rhein die ־Fussabteilung des Corps •der :regulären Armee ein verleiht wurde, avancierte er zum Sergeanten. Bis hierher war das. Kriegsgjüek unsrem Helden hold gewesen, und mit Ausnahme efhiger Quetschungen und Ritzen wür er stets •mif heiler Haut davon gekommen. Einige Wocheg >11 ach dem letzten Ereignis rückte sein Bataillon ׳ in “Eisass' vor und erhielt eines Tages nach langem ermüdenden Marsche, den Befehl, die Franzosen aus.einem Dorre zu verjagen und dasselbe zu besetzen. Eine lange ,Gasse . führte durch das Dorf, während es von der erneu Seite durch einen tiefen Bach, von der anderen durch־ eine steile Hügelreihe gedeckt war. Eä galt demnach, die Gasse gera dezu hin aufzustür iileii, während die Feinde fast aus jedem Hause schossen umf die Eingänge verbarrikadiert hatten. Die preußischen 'Jäger Ruiten ihre Schuldigkeit. Mit dem Mute, ׳ welchen wiederholte Siege verleihen, ' und der umvidersteldich mactot, ־' stürzten sie vor, räumten die Barrikaden weg,, reinigtcu die Strassen. von den Gegnern, verjagten sie aus den Häusern und nach einer Stunde hartnäckigen Kampfes war das Werk vollbracht. Daniebs 'Compagnie war die vorderste, er einer der ersten, der/die Barrikaden erstiegen, aber alsbald erhielt er einen Fünfenschuss in den rechten Schenkel, der ihn niederstürzen machte.;. Seine:Kameraden liebten ihn sehr, und nachdem der Feind erst einige hundert f Schritte zurückgetrieben PliotograpMscli-artistisches Atelier von Rudolf Conrad, Königstr. 3436־ empfiehlt sieh zur Anfertigung von Phot0£paphieen jeder Art bei anerkannt bester/Ausführung zu kleinen Preisen. כ מור Geflügel, Eier, Bellfedern. Direkter'Versand frei Raus nur an Private durch die 'f.'S;:. IM" Hast-Anstalt ■MO ״״b;k;., von Gustav Lewinski, Friedrichsberg, Chaussee 127 Telephon: Amt Friedrichsberg No.'Vlö. Kein Zwischenhandel! Keine Laderfmiete! Daher ■■■■י■■ billigste Preise! ■■■■■■י da nur auf Bestellung geschlachtet wird. י Prompte |־ Stets frisch. | Bedienung. war, eilten einige zurück, hoben den Verwundeten, der durch grossen Blutverlust ohnmächtig geworden, auf, trugen ihn in ein nahestehendes Haus und legten ihn. dort auf ein Bett. Später suchten sie einen Chirurgen ^uf und schickten ihn in das Haus. Weiter konnten sie nichts thuii, denn die Hörner bliesen zum Verfolgen des Feindes, der vorerst nicht dazu kommen durfte, sich wieder fest zu setzen. Als der Wundarzt in das Heus gekommen, fand er ,es noch von allen Bewohnern leer. Aber, da er ohne Mithilfe nichts anfangen konnte, machte er Lärm, drefhte u!1d schimpfte laut und suchte das Haus vom Boden bis zum Keller ab. Da fand er denn auch in einem finstern Verschlag des Kellers die zusammengekauerten Eigentümer des Hauses, die er nun durch Versprechungen und Drohungen aus ihrem Versteck brachte und zur Hilfeleistung anhielt. Man entkleidete deh Verwundeten. Hierbei kam das den Jüngling von seiner Mutter umgehängte Arbakanfoth zum Vorschein, und; wie mit einem Laute riefen die Elsässer, rief der Chirurgus: ״Ein Jude!a . . . Es hatte sich gefügt, dass ebenso wie der Verwundete, 80 der Heilkünstler und die Dörfler, die. dies Haus bewohnten, Juden waren. Der Geist der2Menschlichkeit, der in ihnen allen wohnte, wurde durch die Gleichheit des!Bekenntnisses und der Abstammung alsbald rascher und stärker geweckt, und in aller Herzen, Feind wie Freund, senkte sieb das Gefühl der Beruhigung und Sicherheit und förderte das Werk der Wohltätigkeit, welches ihnen oblttg. Die Wunde, wenn auch bei Sorg* falt und Pflege nicht lebensgefährlich, war doch stark und schmerzhaft genug, um unsern Daniel lange Zeit ans Lager zu fesseln. Der Wundarzt durfte nicht lang© verweilen. Er reinigte die Wunde, verband sie geschickt, gab dann ausführliche Vorschriften für Fie Behandlung* derselben, vertraute auf die, durch sittlichen Lebenswandel wohler* halten© Jugendkraft und eilte davon. Die Judenfamilie liess es bei dem Versprechen der eifrigsten Fürsorge nicht bewenden. Bald aber zeigte es sich, dass sie durch den Krieg und besonders durch den letzten Ueberfall wenigstens für die erste Zeit alle Mittel verloren hattenx um dem Kranken die nötige Pflege angedeihen zu lassen. . Da halfen deiui die Dukaten, welche die sorgliche Mutter in die Ecken des Arbakanfoth eingenäht hatte, zur rechten Zeit wacker aus; nur von dem letzten derselben wollte sich Daniel unter keiner Bedingung trennen, er wm׳ ihm ein geheiligtes Andenken an die Mutter, deren Liebe so schnell den Un* willen und den Schmerz überwunden hatte. (Fortsetzung folgt.) Adressenschreiben 1000 Stück 3 Mark aucK jede 'andere Schreibarbeit wird sauber und billig angefertigt bei W. Biermann Emdenerstrasse 6, III.