Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3019627-3019682-3019728--382-3020830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Und das alles ohne daran zu denken, welch’ einen gradezu wunderbargn’Aufschwung die hebräische Sprache in unserer Zeit genominen hat, ohne daran zu denken, dass es fast kein Gebiet der modernen Wissenschaft giebt, das nicht in hebräischer Sprache behandelt worden wäre, dass man die Werke eines Goethe und Schiller, eines Lessing, und Shakespeare in klassischer hebräischer Uebersetzung lesen kann, — ohne daran zu denken, dass in den letzten Jahren herrliche Dichter und geistreiche Schriftsteiler in hebräischer Sprache gedichtet und geschrieben haben, dass es hebräische Zeitungen, ja sogar mehrere Tageszeitungen giebt, die alle öffentlichen und politischen Ereignisse in der heiligen Sprache behandeln, in einer Sprache, wie sie Jesaia schreiben müsste, wenn er heute lebte und über moderne Dinge schriebe. Und nun! — eine solche Sprache sollten wir untergehen lassen, sollten sie in leichtfertiger und frevelhafter Weise vernichten helfen> — Nein! — Erhalten wollen wir die hebräische Sprache, weil in ihr das heiligste Erbe der Menschheit sich erhalten hat. Es genügt nicht, sie zu verteidigen; es ist unserer unwürdig, unsere oigtie Sprache gegen Gegner aus unserer eigenen ~Mitte schützen zu müssen. Wo giebt ־־ es aber ein Volk, das nicht alles daran setztej seine Litteratur vor Vernichtung zu bewahren?! Je, wo giebt es ein Volk, das eine0 solche Litteratur besasse, wir wir sie in der biblischen besitzen?! - , Wie steht es nun hierin mit uns Juden in Deutschland?;Während in Russland die hebräisehe Litteratur zu neuem Leben wieder auferstanden ist, liegen wir noch im tiefsten Schlafe, wir, die wir doch dm Verhältnis zu Russland in einem Lande der Freiheit leben, in einem Lande, das an der Spitze״ der Kultur steht. Muss denn immer erst die Knute auf unserem Rücken knallen, damit wir uns auf uns selbst besinnen?! Oder wird etwa durch unsere Liebe zur hebräischen Litteratur unsere staatsbürgerliche Stellung gefährdet? Werden etwa die russischen Juden wegen ihrer Anhänglichkeit an der he- ■ britischen Spräche verfolgt? Mangel an Vaterlandsliebe wird uns auch heute schon vorgeworfen, wo wir fast gar kein Interesse für die jiidisehe Litteratur zeigen. Wer sind denn überhaupt jene Leute, von denen uns Vaterlandslosigkeit vorgeworfen wird? Entweder ,sind es freiwillige Staatsnarren wie die Antisemiten, wie Herr Ahlwardt, die nach dem Grundsätze leben: ,״übi bene, ibi patriaa, oder 68 sind Männer qhne Furcht und Tadel wie Herr Stöcker und der ״Herr Barona v. H§mmerstein; ,oder e,s sind Männer, denen es nicht darauf?ankommt, selbst ״ den Staat zu verraten, wo es iivre eigene Ehre gilt. Ist es nicht genug, dass wir uns noch soviel Patriotismus erhalten haben, wenn solche Männer es wagen dürfen, uns Vaterlandslosigkeit vorzuwerfen? — Nein! — Durch die Liebe zur hebräischen Litteratur wird unsere Vaterlandsliebe nicht im geringsten beeinträchtigtwerden. Im Gegenteil! Die Beschäftigung mit ihr־ wird uns neue Begeisterung ^nflössen und Uns neue Ideale geben, die in unserer Zeit des krassen Materialismus so notwendig sind. Wir werden in der Achtung der Völker steigen, wenn wir ihnen beweisen, dass wir eine ebenbürtige Litteratur besitzen. Anhaltender Beifall lohnte die anregenden Ausführungen <les jugendlichen Vortragenden. Am 25. ds. sprach Herr Adolf Hoff über: ״Ibsens: Noraa Dem hochinteressanten' Vortrage entnehmen wir folgendes: . Nora, das? naive Kind, das bisher nur seinen Puppen gelebt, ist mit Hollmer, dem Bankdirektor, verheiratet, Jahre lang leben sie nebeneinander, Nora, obgleich Gattin, ist immer noch Kind, es geht ihr jede Praktik ab, sie fühlt zwar, dass ihr Gatte sie nicht als ebenbürtig betrachtet, jedoch sie findet iu ihrem Puppenheim hinlänglich Befriedigung, bis die Katastrophe hereinbricht, die Nora durch ihre Unwissenheit, durch ihre unglaubliche Leichtfertigkeit heraufbeschwört. Um die Kosten für eine Reise, der sich Hollmer aus Gesundheitsrücksichten unterziehen muss, aufzubringen, lässt sie sich in ihrer gänzlichen Unwissenheit verleiten, einen Wechsel״״ auf den Namen ihres Vaters zu fälschen. Nora sieht später erst, was sie gethan, sie baut jedoch auf die Liebe ihres Gatten und gestellt ihm alles ein. Und nun erst ist der Zeitpunkt ela, wo Nora, zurückgestossen von Hollmer und von ihm verachtet, eine andere wird, wo sie nach und nach zum Bewusstsein kommt, dass das Leben keine Spielerei ist und diejenige Erziehung verfehlt ist; die den Kindern nicht neben dem Spiel auch einen Blick in die praktische Entwickelung des Lebens tliun lässt. Auch noch heute, so sagte der Redner wohl ungefähr, finden wir es oft, dass einem grossen Teil unserer jungen Damen jede Kenntnis des grundlegenden Rechtsgefühls abgeht. Was nützt es, wenn junge Mädchen alles treiben, alles verstehen wollen und dann aber einmal später den einfachsten praktischen Anforderungen, die an sie herantreten, ratlos gegenüberstehen und über ihnen alles zusammetfbricht. Es ist bedauerlich, dass dieser hochinteressante Vortrag des Herrn Hoff nicht vor einem grösseren Auditorium gehalten wurde, die Arbeit ist in allen ihren Teilen grossartig geistig durchdacht. Der Vortragende verstand es besonders, die Pointen des Werkes treffend zu beleuchten und sie zeitgemäss zu verwerten. X Unter dem Namen ״Verein zur Förderung jüdischen Wissens“ hat sich eine Vereinigung gebildet, welche bezweckt, durch gemeinsames Studium der hebräischen Sprache und durch fortlaufende Vorträge über alle Gebiete der jüd. Volks-Litteraturgeschiclite die Begeisterung für das Judentum und seine Lehre in den Herzen der Mitglieder zu wecken, und Sufch Pflege jüdischer Geselligkeit das Zusammengehörigkeitsgefühi in ihnen zu entwickeln. Zu diesem Zwecke finden all wöchentlich■■■'(Mittwoch) Sitzungen statt, in welchen Herr Canditat Max Beermann. der Dozent des Vereins, fortlaufende Vorträge halten wird; an welche sich eine Diskussion anschliesst. Gäste sind herzlich willkommen. Gefl. Anfragen sind an den Vorsitzenden, Herrn Rudolf Hartmann, Schönhauser׳ Allee 180 zu richten. Die Bureaubeamten der jüd. Gemeinde veranstalten ara Sabbath-Chamikah ein geselliges Beisammensein in Steins Festsälen, Rosenthalerstrasse 88. Berichtigung. In dem Artikel der Talmud-Verein, N׳o. 47 des Berliner Vereinsbote, erheischt der letzte Satz eine Bericht!- gung: Nicht ״Soweit die Mittel reichen; lässt der Verein auf seine Kosten Knaben unterrichten,a sondert! ״so viele lernbegierige Knaben als sich melden, lässt der Verein a|1f seine Kosten unterrichtenu und seine Leiter bedauern nur recht lebhaft, dass die Zahl dieser Knaben, den Kosten, die der Verein freudig zur Verfügung stellt; häufig nicht entspricht. Feine Fleisch- und Worstwaaren unter Aufsicht H. LOEWY, Berlin C., 167. Central•MarRthalle Stand 167. en gros en detail Ia. Spickgans ff. . . . ä Pfd. 1,40 Mk. ״ Gänseschmalz,ga1\rein 1,20 ״ ״ (Fl Oflerire täglich frisch: ״ Gänseliesen (Flum) . ,, ,, Gänsehautfett, gar. sbr. ״ ff. Schlacku. Salamiwrst.״ Ia. Mettwurst . . . . ״ ff. Leberwurst, Prima . ״ Polnische Bäucherwurst מ Schlesisch. Raucher wurst,, 1,10 —,90 l,w -,90 -,90 1,00 -,80 Beiohe AaivaU! -,60 Mk. ״ 45,״ Dampfu. Schalentwurst a Pfd- Ia. Speisekernfett, geschm. ״ ״ Fraustädter . . Dutzend Paar 1,00 Wiener . . . J/2 Dutzend Paar 1,00 Lungenwürste ... Dutzend 1,00 Jaüersche . . . 2 Stück —,25 Bocku. Paprikawürstch. 2Stck. —,25 Klops 1. . . . . . . a Pfd.—,60 Filetklops . . . . . 80,— ״ ״ Prompte Bedienung! — &ute Qualität! Versand nach ausserhalb gegen NaMüahme. — Berlins billigste Quelle! Rind.-Pökelfleisch, schier u Pfd. —,70 Mk. Binder-Brrueh 11 eise h '. . ,, —,90 ,, Grosse Gänsekeulen billig, je nach Grosse. Alle Sorten Aufschnitte deliciffs. als Roulade, Pökelrinderbrust. Zunge, Hamburger Rauchfleisch, Roastbeef. Gansfüllung, Lachsschinken etc. zu billigsten Preisen. IHT* Wiederverkäufer Rabatt. - Billigste Preise! Versuch bringt Kundschaft!