Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Es;war von vornherein die Absicht Daniels gewesen, in die Lutzow’sche Freischaar zu treten, welche sich bereits grossen Huf erworben, und die auch in Breslau ein Werbeeiirean' ha Ne. Der Zufall wollte es, dass auch Graf Rodericli :01 nersoibon/Zeit daselbst ein getroffen war, um■ :sich ebenolls dkxnn Uorps anzuseldiessen. Man hi^ss den stattlichen -nid,' krä Ligen Jüngling vom höchsten' irnd ältesten Adel 0-s I an'/doV freudig. willkommen. Denn sowie seine höbe < rebui'i•. dem Uorps Ansehen zu verleiben ״schien, so liiqlt ntän auch so!ne l\N'»rperkra:ft Und Geschicklichkeit in dbr Waiihiiliiiu ung für viel versprechend, da der junge Mann ich bered s durch mehrere Duelle als ein mutiger Geselle ♦־iüen Ruf erworben hatte. Dagegen kostete es unserem Daniel 11 Sein wmig Mühe zugelassen zu werden. Denn da man bereits etwas wählerisch ge.worden, so wollte man von der tnütnsobnlichen Gestalt, von der scheinbar geringen Dauerhaftigkeit unseres Helden nichts wissen, und inan wies ihn vielmehr nach dem Train irgend eines Regiments. Nur erst den immer wiederholten Bitten und Beschwörungen des jungen Mannes gab der Kapitam endlich nach, und stellte ihn zu 'einer. Fusscompagnie des Freicorps, während Graf Rode rieh als Rittmeister unter die Husaren kam. Daniel opferte seine letzten Mittel, um sich angemessen zu equipiren und zu bewaffnen. Es traf sich ,auch, dass der hoebgräfliehe Rittmeister dem jüdischen Gemeinen, den er sehr wohl kannte, begegnete. Daniel machte die einem öfficier gegenüber vorgeschri ebenen Honneurs, und der Rittmeister schritt■׳ hohn lächelnd vorüber. Ab<^ 'schon, bei dem Exerbitium zeigte es sich, wess Geistes Kind er sei. Er begriff alle Commandos mit solcher Schnelligkeit, übte so unermüdlich alle Handgriffe "sich ein, gewann eine Fertigkeit und Sicherheit .im Schiessen und■ Fechten, war dabei so pünktlich und gehorsam gegen seine Vorgesetzten, so freundlich und dienstwillig gegen alle seine Kameraden, dass er sich die Liebe und Achtung Aller erwarb, und trat dennoch dein ersten Versuche, ihn wegen seines Glaubens zu verhöhnen, so kräftig entgegen, dass derselbe nicht wiederholt ward. Mit grosser Erschütterung schrieb er den Seinen die Feierlichkeit, mit welcher er in Verbindung mit einigen fünfzig Kameraden von jüdischer Abkunft aus verschiedenen Regimentern zu gleicher Zeit zum Fahnenei de vorbereitet wurde. Er, wusste .nicht warum? aber sie wurden auf. Nacht« elf Uhr zur Synagoge beordert, wo sie, von einem Oberofficier und mehreren Unterolficieren geführt, in das nur schwach beleuchtete Heiligtum eintratmi, und sich vor der heiligen Lade aufstellten. Der Rabbiner, ein noch kräftiger Greis mit wallendem Silberbarte, trat langsam ein, von einigen Gemeindebeamtou begleitet, bestieg 'die Stufen zum heiligen Schrein, und hielt, wenn auch 'nicht mit reinem Deutsch, doch aus tiefbewegtem ׳ Herzen eine