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Berliner Vereinsbote · 1896-11-20 · Heft 47 (20.11.1896) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dann entband er sie mit gehobener Stimme aller Satzungen der Religion, so lange sie die Waffen für das Vaterland trügen, niemals jedoch der Pflichten. <h׳r Menschlichkeit- und der Gerechtigkeit, die sie auch gegen den Feind, zu üben hätten: niemals sollten sie ihre Waffen mit dem Blute Unschuldiger Uder um Pardon flehender Feimle bedecken, niemals bösen Gelüsten nachgeben, und den Uebermüf des Siegers ebenso wie Feigheit und Schwäche im Kampfe fliehen. Und hierzu erteilte er ihnen den priesterliehen Segen. Darauf zog der Oberst seinen Degen, und indem sie־ alle, im Kreise sich . herumstellend, die Finger der rechten Hand nach diesem hinstreckten.'sprachen sie laut die Worte des Eides ihm nach. Jetzt kamen sie sich wie geweiht zum bevorstehenden Kampfe vor, und wussten sich guter dem besonderen Schutze der' göttlichen Vorsehung.״ Nicht lange wahrte es, so zog der Freiherr von Liitzow alle seine Streitkräfte zusammen, um seine denkwürdigen Streifzüge bald iii das Innere von Schlesien, bald bis nach Mecklenburg, und zu!* brandenden Küste der Ostsee hinauf zu beginnen, einzelne französische• Detachements zu überlallen, den Rücken des Feindes unsicher zu machen, hinter ihm das anfstehende Volk zu organisieren und die junge Mannschaft zu bewaffnen, -die dem Feinde zugefülfrten Vorräte wegziiuehmen oder zu zerstören; und unser Djaniel hatte bald Gelegenheit genug, das erste Schlachtfiehejr zu bestehen und seine Waffenproben abzulegen. Er bewährte sich überall: immer mutig voran, ausdauernd, wo e|s zu stehen galt, und mit seinen Gefährten den letzten Bissen und den letzten Trunk teilend, über* keine Strapaze murrend, und durch gute Gesinnung imd Heiterkeit zur allgemeinen Aufmunterung beitragend. Oft freilich musste die Fnsstruppe dahinter Zurückbleiben, wenn der feurige Reiterführer zu schnell undxzn weit voraneilte. Aber mit Heberbietung aller Kräfte gelangte auch sie zur rechten Zeit immer auf dem Kampfplatz an, um an den immer neuen Lorbeeren teilzunehmen. Daniel wurde nach wenigen. Monaten von den Offieieren ausgezeichnet und avancierte nach einem blutigen Gefechte an der Braunscliweiger Grenze zum Unterofficier. So glücklich' ihn das machte, insbesondere um sich hinzusetzen, es seiner Braut und seinen Eltern zu melden, noch dazu, da er diesen Rang <iurcl1 Bravour, nicht aber mit seinem Blute errungen hatte, denn der Gott des Krieges hatte ihm bis jetzt immer beigestanden, dass er mit wenigen Schrammen und Beulen davongekommen, so wurde ihm dennoch seine Freude in etwas vergällt, Er hatte sich bei seinem Hauptmann* als Unterofficier ordonnanzmässig vorzustellen, und timt dies nach Brauch und Schick, Als er in das Zelt desselben ein trat, fand er eine lustige Gesellschaff von Offi eieren um eine mächtige Bowle, unter welchen sich auch Graf Roderivh befand. Kaum hatte

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