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Berliner Vereinsbote · 1896-11-13 · Heft 46 (13.11.1896) · page 4

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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(Fortsetzung.) ,.Damit wir es nur kurz vermelden, am zweiten Tage nac!1\diesen Unterredungen erhielt Salme von seinem Sohne, der eines Geschäftes halber über Land gegangen war, einen Brief aus T,? worin er ■ihm anzeigte, dass er dem Drange seines Herzens nicht mehr Gewalt hätte anthim können, über die Grenze gegangen sei, und sich nach T. begeben habe. Er beschwor seine Eltern, ihm zu vergeben, und dem allgütigen Lenke! der. Geschicke zu vertrauen, der ihn glücklich zu ihnen zurückführen werde. Auch zu Hause könne ihm, wenn Gott wollte, ein Leides geschehen, und im Kriege Kugel und Schwert vor ihm vorüberfahren. Er werde vierundzwanzig Stunden in T. warten, ob ihm seine Eltern etwas an Kleidungsstücken und Baarschaft zukommen lassen wollten, dann werde er jedenfalls nach Breslau wandern, .tun sich einkleiden zu lassen. In dem Briefe lag auch ein Schreiben an Rosa, der er ewige Treue gelobte, indem er sie in Laben und Tod als sein unter dem Segen Gottes sein ihm verlobtes Weib an sehen werde. Er batsie, sieh seiner Eltern in ihrem Leide anzunehmen und ihnen eine treue Tochter zu sein. Dereinst werde er mit Gottes Hilfe zu ihr zurückkehren, und es solle die Aufgabe seines Lebens sein, ihr all' die Liebe und Treue reichlich zu vergelten. Die alten Eltern waren wie angedonnert; solches hätten sie sich von ihrem Sohne nicht vermutet. Dem Schrecken folgte die Wehklage, und das Schreien uud Heulen def alten Leah erfüllte das ganze Haus. Sie wunderte sich daher über das gefasste Wesen Rosa’s, die einen solchen Schritt DaniePs vorausgesehen hatte, und bei reichlichen Thränen doch ruhig blieb und den Eltern Trost zu sprach. Freilich waren ihre Bitten, dem Sohne zuvergeben, anfangs fruchtlos, aber die tiefverletzten Eltern richteten sich dann doch allmählich an der Kraft des Mädchens auf. Einige Stunden waren in Jammer und Schmerz vergangen, da war es die alte Mutter zuerst, welche zu ihrem Manne trat und ihn fragte, was er nun zu thun gedenke. Salme antwortete kurz uud barsch: Sie möge dem Daniel seine Lumpen zusammenpacken, er wolle eine massige Summe, wie er sie besässe, beilegen, das möge sie ihm durch einen Boten nach T. schicken, und dann solle man ihm mit dem ungehorsamen Sohne nicht mehr kommen. Eine solche Antwort war gerade geeignet, der Leah ihre ganze Kraft und Würde zurückzugeben. ״S0?u rief sie mit etwas zorniger Geberde aus, ״Du willst Deinen einzigen Sohn in seiner Bedrängnis verlassen. Was hat er denn gethan? Ist er etwa auf ein Vergnügen oder eine böse Lust aus? Ist er nicht etwa wie ein Held, da er, von seinen Eltern zu schweigen, für die er doch seine Liebe genugsam bewiesen, seine Braut verlassen hat, um sich den Flinten und Schwertern der Feinde gegenüber zu stellen? Gewiss hat es ihm Gott in das Herz gegeben, und da konnte er freilich nicht anders. Nein, mein Sohn soll wenigstens nicht ohne den mtttterliehen Segen dahingehen. Ich will mich morgen früh auft, machen, und zu ihm eilen, und ihn noch einmal an mein Herz drücken, sei es auch ganz allein. Dann wird es ihm leichter werden, in die blutige Schlacht zu gehen, wo Gott ihm seine schützenden Engel zur Seite stellen wird.44

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