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Berliner Vereinsbote · 1896-10-23 · Heft 43 (23.10.1896) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Bin ich nicht ebenso verpflichtet, eine Stiefmutter zu fetten, wenn sie mich schlecht behandelt hat, weil sie das Weib meines Vaters ist? Jetzt, in der. Zeit der Gefahr, wo unser Vaterland, denn das ist es doch, am Rande, des Abgrundes steht, dürfen wir nicht, fragen, wie es uns behandelt habe, oder wie es uns behandeln werde, wir müssen ihm bei springen, wir müssen das hochste daran setzen, um es retten zu helfen! Dann wenn die Sonne der Freiheit über dasselbe aufgegangen, wenn der Jubel des Sieges durch alle Gaue tönt: dann wird es Zeit sein, wieder an uns zu. denken, vor die Throne zu treten, und zu sprechen: Sehö% Die Arme Juda’s sind noch nicht erschlafft, das Schwert der Makkabäer zu führen, und wir haben mit unserem Herzblut unser Anrecht an der Freiheit besiegelt.“ Dbr Vater, der mit Staunen den beredten Worten seines sonst schweigsamen Sohnes gelauscht hatte, war in Nachdenken versunken. Dann aber begann er wieder: ״Gut. mein Sohn; ich will das nicht bestreiten, obgleich es mir noch nicht einleuchten will. Ich gebe nicht gern eine teure Ware hin, ehe man mich nur um den Preis gefragt hat, und wenn ich im voraus glaube, der Wert wird niemals bezahlt werden. Die Jugend ist anderen Sinnes und hat vielleicht Hecht. Mögen also immerhin in den erbitterten Krieg, der in der Kürze anheben wird, auch die Söhne der Juden mitziehen, wöget! sie sich tapfer beweisen und uns Ehre erwerben. Du aber bedenke, dass Du der einzige Sohn Deiner alten Eltern bist, und das ist doch etwas anderes. Du bist, jetzt schon unsere einzige Stütze, und wenn Du fortgingest, müsste ich den grössten Teil meiner Geschäfte aufgeben. Ich kanns nicht mehr. Und wenn Du, ich muss es aussprechen, so wehe mir auch dabei um’s Herz ist, nicht wieder heimkehrtest, dann würden .ich und Deine alte Mutter bald an den Bettelstab kommen, wie es *schon beinall der Fall war, ehe Du aus der Stadt zurückkamst. Ich sage Dir damit doch nur, was Du selbst weisst. Und wenn der Krieg auch hierher kommt, und er wird beinah zuerst hierher kommen, und alle Deine Schrecken über unsere friedliche Gegend bringt, wer soll uns beistehen?11 Jetzt'war es an Daniel zu schweigen. Das Zucken, das über die Muskeln seines Gesichtes flog, die Farben, in denen dieses schnell wechselte, die Thräne, die sich in den Augenwinkeln zerdrückte, verrieten genugsam den Kampf, der in seiner Seele vorging. Endlich ergriff er die Hand seines Vaters und sprach mit anfangs zittender

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