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Berliner Vereinsbote · 1896-10-23 · Heft 43 (23.10.1896) · page 2

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Hiermit sehli essen wir die freie Aussprache über die wohl zur Genüge erörtert♦* Frage. In der nächste!! No. unseres Blattes bringen wir einen Artikel, der unsorn Standpunkt gegenüber dieser Angelegenheit kennzeichnen soll. Unter der besonderen Rubrik, ״Meinungsaustausch“ gewähren wir gern joden! Raum, der in dieser oder irgend einer andern unsere Glaubensgemeinschaft betreffenden Angelegenheit, das Wort ergreifen will. Die Bestattung des Justizrat Meyer Levy. .,äuge vor der festgesetzten Zeit bedeckte eine schier unabsehbare Reihe von ׳■Gefährten die Weissen- L seer Chaussee, die zurr! jüdischen. Friedhof führt. Die Pferdebahnen konnten nur einen kleinen Teil derjenigen fassen, welche teils aus Neugierde den Bei- 's e t z m 1 gs fe i e 1־ i i e li keiten beiwohnen,teils aus aufrichtigem Mitgefühl dem so jäh aus dem Beben' Geschiedenen das letzte Geleit geben wollten. Nur mit grosser Mühe gelang es ♦len VAstehern der ׳Beerdigung«- kommission und den; Inspektoren mit Hilfe zahlreicher Gendannen soweit freien Raum zu schaffen, dass die Angehörigen des Verstorbenen der *'Leiche bis in die ■ Gebetshalle folgen konnten. Nur einer kleinen Anzahl Personen wurde der Zutritt gestattet, und erst als die draussen Harrenden durch ■ Schläge an die Thüron und laute■ Rufe die Andacht gewaltsam zu stören ׳drohten, w urdeu die Eingangsthüren zur-Kuppelhalle geöffnet. Nachdem die, Angehörigen um die von Kränzen bedeckte Bahre Platz genommen und der Synagogenchor einen Trauergesang an gestimmt hatte, trat Rabbiner Dr. Maybaum zu Häupter, des Sarges und begann wie folgt: ״O schauet her und sehet: Giebt es einen .grösseren Schmerz als den rneinigen, welchen der Herr *mir ersonnen und angetlian hat am Tage seines Grimms!“ Diesen Text aus den׳ Klageliedern des Jeremia legte der bekannte Kanzelreduer der Leichenpredigt zu Grunde. Nur kurz sei hier der Gedankengang der eindrucksvollen Rede wiedergeben. Dr. Maybaum pries den Familiensinn des so jäh durch Mörderhand Dahingerafften; er schildert die Zerstörung dieses glücklichen Familienlebens, den furch Haaren . Schmerz der Witwe und der Kinder. Aber diese innige Hingabe des Verbliyj!gnen an die Familie war nur ein Ausfluss seines unbeugsamen Sinnes für Rechtlichkeit. Dieser weithin bekannte und geschätzte Anwalt war kein Formul ist: ihm war das Recht keine leere Rede. Die ,Gerechtigkeit zu üben und das Recht zu stützen, war für ihn ein Herzensbedürfuis, das sein Blut in Wallung brachte. Der Redner sprach dann von dem schrecklichen, noch ungesühnten Morde. Er eriTnrerte an die Stelle im V. Buch Mosis, in welcher die Häupter■ der Gemeinde 'aufgefordert werden, ■hinauszugehen.,,"und Zeugnis dafür abzulegen, dass sie unschuldig seien an dem vorgossegen Blute eines Erschlagenen. ״Ist unsere Zeit unschuldig an diesem Blute? Die Entfachurig des Interessenkampfes, die Aufwühlung der Leidenschaften in den Massen, die Aufstachelung der Begehrlichkeit, welche schon in den Herzen der Jugend Platz greift — wer wollte sie : alle nicht mitverantwortlich machen für diese grausige. That? - In versöhnenden Worten mit der Aufforderung an die Familie und Freunde, die Prüfung als von Gott gesandt hinzunehmen, klang die herzbewegende Rede aus. Hierauf sprachen für die Berliner Anwaltschaft Herr Gell. Justizrat Lesse, der die grosse Arbeitsfreudig-, keit des Verewigten, dessen Thatkrfrft und Herzensgüte herverhob, und ■der ■'.Geh. ■justizrat Vvilke sprach noch einige herzliche Worte, worauf ein Chörgesang die Feier beendete. Von Söhnen, Schwiegersöhnen und Berufsgenossen wurde der Sarg nun zur Gruft getragen, die sich in der Reihe der Ehrengräber befindet. Nach wenigen Minuten bedeckte die Erde die irdischen Heberreste eines Mannes, dessen wir Juden als eines Grossen ■in Israel gedenken. Friede seiner Asche. Ehre seinem Andenken! Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den23 (Oktober mallen Synagogen abds.,5 Uhr. Sonnabend, den 2 L Oktober in der alten Synagoge in01g. 8l/2 ׳,. Uhr. in den (ihrigen Synagogen morgens 1) Uhr. Predigt Vorm. 10 Uhr: Neue Syn. Me1T .Rab.Dr. Stier. Kaiserstr.- Synag. Herr Rah. Dr. Maybaum. Iugendgottesdienst Nachmit. 4 Uhr Alte Synag. Herr Rabbiner 01* Weisse Abendgottesdienst 5 Uhr öd Min. Gottesdienst an den Wochentagen Alte n. Kaiserstr.-Syn. morgens 7 Uhr: 'Nene und Lindonstr.-Syn.!110rg. 7J/2 Uhr. Abends in allen Syn.!1/, Uhr. Vereinigung jüdischer Frauen | und Mädchen | Juda’s Töchter | Mittwoch, den 28. Oktober, Abends HR, Uhr, 1 im Hotel Münchener Hof, | Spandauerstr. 1113 l Versammlung, j Vortrag d. liqrrn pr! Holzmann j j über; ״Dis Neubelebung der I hebräischen Sprache. ן Geschäftliches. Geselligkeit.! Damen sind a. Gäste willkommen« j ♦ Humanitäts-Verein ״Gewul tauw“ ♦ Zu Gunsten der Gustav-Michaelis-Stiftung findet am ♦ Donnerstag, 29. Oktober ♦ im Alexanderplatz-Theater eine ♦ Aufführung der Lessing'schen Dichtung ♦ ״Nathan de!* Weise44 ♦ zu ermässigten Preisen mit anerkannt guten Kräften, statt. ♦ Preise der Plätze: Orchester-Löge..8 Mk. — Pan ן net-Loge ׳♦ ♦ 2,50 Mk. — .Parterre-Loge2 Mk. -.Orchester-Sitzpl. 1,50 Mk. ♦ — Fauteuil A. 1,25 Mk. — Fauteuil B. 1 Mk. — Parquet 0,75 Mk. Parterre 0.60 Mk. — Mittel-Parterre I 0,50 Mk ' ■'< ♦ Mittel-Parterre II 0.40 Mk. — Seiten-Parterre 0,40 Mk. — Numerirter Platz 0,30 Mk. Billets sind heim Unterzeichneten Vorsitzenden .11. sämmtlichen ׳ ♦ Vorstandsmitgliedern z. liab. Gustav Michaelis, Winterfeldstr. 34. ♦ Juda’, Töchter Alte Vereinigung, gegründet 1895. Dienstag, den 27. Oktober, Idtterarischer Abend in unserem Vereinslocal, Neue Königstrasse 26 (Königssäle). Damen als Giiste sind herzlich willkommen. Der Uorstand Frau M. Sachs.;Israelitische Synagogen.-Gemeinde j Adass Jisroel.! Gottesdienst in der Synagoge j Gipsstrasse 12a. Freitag, den 20. Okt. Ab. 4,r>״ Uhr, Kon nah. d. 24. Okt., Morg. 8 Uhr, Jngendgottesdienst 8 Uhr. An den Wochentagen: Morg. 6 72 ■Uhr, Abends 4!/2 Uhr. Zum Besten der Vereinskasse. ■ Zu dem am Sonntag, d. 25. d., in den Festsälen Brunnenstrasse 15 statt!. Tanzkränzchen verb. mit Vorträgen und IJeberrascliungen, Untre 75 Pf., ladet zur Teilnahme ein Das Comite des Synagogen-Vereins Beth-Zion. Jtld. Lesehalle and Volksbibliothek. Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: Wochentags 1—4, Sonnabend 2—5. Sonntag 10—2. Israelitischer Fortbildungs-Verein ״Montefiore.“ Unser v - ־ MT XII. Stiftungsfest lindet am Sonnabend, den 31. Oktober er«, im Blauen Saale des Grand-Hotel Alexanderplatz statt und sind Eintrittskarten hierzu bei Herrn Sally Struck, Neue Friedrichstrasse 59 zu haben, Beginn präoise 9 Uhr. Das Cömit4. TO Unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats. j Empfehle meine prima Fletsch- und Wurst waren. Aufschnitt. Pr. pdorbriicher Gänse. Stets frische jWaare zu soliden Preisen. Telephon-Amt 7, No. 4575. Jacob Löwenstein, 0rün״rw«g118•

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