Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1896)
- Date
- 1896-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Garantierte Auflage 5000 Exemplar »׳"יו Hostzeitungs-Liste 978. für die jüdischer! Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag, wird allen Mitgliedern der Vereine gratis׳ zu gestellt, und liegt in allen jüdischen Hotels und Restaurants aus: Bezugspreis für Nichtmitglieder 1 Mark vierteljährlich. — Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaiserstrasse 39 40. Nummer 43. Berlin, den 23. Oktober 1896. II. Jahrgang. WMwjr bitten höfl. um geil. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaiserstr. 39 40 reklamieren. Eis wäre ein ,grosser Fehler, •wenn man an Iw Innen wollte, dass solche ■Ansichten nur vereinzelt verkommen, Noch eine Kundgebung in Sachen: Gründling einer jüdischen Mädchenschule in Berlin W. Verehrliehe Redaktion! Sie können das Verdienst für sieh in Anspruch nehmen, mit dem Artikel: ״Eine jüdische höhere Mädchen״ schule für Berlin W.44 eine Frage angeregt zu haben, die das allergrösste Interesse her vor ruft, und seitdem das Tagesgespräch in denjenigen Kreisen bildet, die zunächst bei der Durchführung, der Idee in Betracht kämen: die jüdi sehen Bewohner des Westens. , . Wer mit Aufmerksamkeit!sieht und hört, wie in diesen Kreisen Ihr• Artikel aufgenomn 1 en und beurteilt wird,'■der wiiii sich recht geteilter Empfindungen nicht erwehren können undleider zu der Anschauung gelangen müssen, dass Ihre so vorzügliche Anregung wohl kaum eine Aussicht auf Erfolg haben dürfte, sofern Sie dieser Anregung nicht in besonderer Weise Nachdruck verschaffen. (lewiss leben auch im Westen Juden, die treu au ihrem Glauben fest!!alte 11 und ihn bethätigen, indes zumeist sind das ältere Personen, die bei der Errichtung einer Schule nicht in •Frage kommen, weil ihre Kinder dem schulpflichtigen Alter längst entwachsen sind. So wertvoll deren Svmpatien auch sein mögen, bei der Durchführung Ihres Vorschlages kommen doch nur die Eltern schulpflichtiger jüdischer Mädchen in Betracht und gerade in diesen Kreisen des Westens herrschen auf religiösem Gebiet meistens so traurige Zustände, dass Schreiber dieser Zeilen sich garnieht verwunderte, als er bei der Unterhaltung init einer Dame über Ihren Artikel und auf* seine Ausführung, dass besonders die Mütter die heilige Pflicht haben, im Sinne Ihres Artikels zu wirken, voller Entrüstung zur Antwort erhielt: ״Das fehlte noch! Wir erziehen unsere Kinder doch nicht für die Zeit der Judengasse, die doch wohl für immer vorüber ist. Das moderne Zeitalter legt uns die Pflicht auf, unseren Kindern die Wege zu ebnen, jede religiöse Schranke und Grenze muss abgetragen und verwischt werden.u wer die ״modernen14 Anschauungen unserer Glaubensgenossen des Westens kennt, wird zugeben müssen, dass der oben citierte Ausspruch den Seehmzustand grosser Kreise wiederspiegelt und ein charakteristisches, tief trauriges Zeichen ist es, dass ■besonders unter den Frauen so viele Gegner der Unterweisung ihrer Kinder 111 der jüd'isehen Religion anzutreffen sind. Mir sind Fälle bekannt..;wo jüdische Väter, die das Glieder besucht und sieh jüdisches Wissen angeeignet haben, die grossen Vereinen vorstehen, welche die Interessen jüdischer Gemeindend tglied er verfechten, für Vormehrung von Synagogen und Religionssclndon, für Hebung des jüdischen Bewusstseins und des .sittlichen Standes unserer Ghnibensgenosseii, für Verbreitung der jüdischen Sittenlehre und Verwirklichung jüdischer Ideale etc. etc. thätig sind, die dennoch aber ihre Kinder am christlichen Religionsunterricht der Schule teilnehmen •lassen, weil es die ״modernen44 Mütter wünschen. Wenn das möglich ist seitens■ der Väter schulpflichtiger Kinder, die noch ihre Zugehörigkeit zum Judentum -durch rege Thätigkeit für die Interessen desselben pfl*e:j ׳ bekunden, dann ist die bang«) Frage wohl berechtig!: was ist von dem Nachwuchs solcher Eltern erst zu erwarten, 3denen die heiligsten G iiter unseres Bekenntnisses verschlossen geblieben und denen die Zugehörigkeit zum Judentum eher eine Last ist? Eine Besserung erscheint nur möglich, wenn (Ile jüdische Gemeinde an die Errichtung einer •höheren jüdisehen Mädchenschule herangeht. Sie, Herr Redakteur, sollten veranlassen, dass binnen Kurzem eine grosse Versammlung im Westen abgehalten werde, in welcher diese Frage zu diseutieren und eine Resolution zu fassen wäre, worin die Gemeindeorgane um Realisierung der Id«׳c angegangen werden. Was Frankfurt mit seiner höheren Knabenschule leistet, müsste Berlin mit einer höheren Mädchenschule doch mindestens gleichfalls leisten können, und^es wäre von grossem Interesse festzustellen, welchen Standpunkt die Gemeindeorgane zu dieser Anregung einnehmen. Dr. B . . . .