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Berliner Vereinsbote · 1896-10-09 · Heft 41 (9.10.1896) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 41 (9.10.1896)
Date
1896-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ich folge dein Aufruf unsres Königs, der die Stimme des ganzen Vaterlandes ist.,; •ich gehe unter .die ,Freiwilligen.“ ״Was ist das für eine tolle Idee! wer hat Dir dies in den Kopf gesetzt!a rief erschrocken der Vater aus, und noch entsetzter schrie die Mutter dazwischen: ״Salme, leid* dies!ihn Gottes willen nicht! das brächte mich unter die Erüe!u Diese Worte vernahmen wir, da wir in das schmucke Bauernhaus traten, welches in dem Dorfe. Battersdorf in der Provinz Sachsen links an der grossen Strasse von N. nach H. stellt, und sich zwar nicht durch Grösse, aber doch durch Nettigkeit, hellen Anstrich, durch blanke Fenster und einen reinlichen Vorplatz vor den übrigen Dorfhäiiserh ׳auszeich.net. Doch wir müssen zuvor, um jene Ausrufe der Bewohner dieses Hauses zu verstehen, ein wenig weiter zurückgreifen, und von den Verhältnissen -ener sprechen. ־ Saline Battersdorf war der Abkömmling einer Familie, lie seit Jahrhunderten in diesem Dorfe, von welchem sie len Namen trug, ansässig war, und allein aus dem jüdischen Stämme■ liier geduldet wurde. Das Dorf gehörte den Grafen von Battersdorf, deren schönes und stattliches Schloss sich nicht weit vom Dorfe mitten unter weitläufigen Garten- und Parkanlagen erhob, während, die Trümmer der Stammbürg einen darüb@r hinausragen den Hügel krönten, und der sonst schon durch Wald, Flur und Bach reizenden Gegend auch einen romantischen Anstrich gaben.!Der jetzige Graf war 1760 geboten, und hatte seine Jugend, nachdem er von einem tüchtigen Hofmeister unterrichtet und erzogen worden, auf mehreren Universitäten und auf .Reisen durch das westliche und südliche Europa Verbracht. Er besass einen lebhaften Geist und ein gefühlvolles Herz. So nahm er sowohl den weltbürgerlichen Geist der französischen Enevklopädisten und Klassiker׳ wie die deutsche Humanität, welche die grossen Dichter und Denker unsres Vaterlandes, damals lehrten und verbreiteten, in sieh auf. Selbst die französische Revolution bestärkte ihn hierin noch mehr, und die •Schreckenszeit• derselben traf ihn noch jung genug, um sie zu verwinden, und sieh durch sie von seiner Freisinnigkeit nicht abirren zu lassen,!)aber kam es auch, dass, während seine Vorfahren keine ,luden, ausser der gedachten Familie, deren Häupter'ihnenals Unterhändler, in Geldsachen ״und bei Kauf und Verkauf dienten, auf ihren Besitzungen duldeten, der jetzige Graf nichts dagegen hatte, als sieh mehrere' Farni 1 len dieses Glaubens in seinem-.״. Hauptdorfe niederzulassen wünschten. Sahne selbst hatte, der sonstigen Gewohnheit der damaligen Juden zuwider, seinen Einfluss nicht benutzt, um dies zu verhindern,׳■ vielmehr freute sich sein frommer Sinn, vielleicht eine kleine Gemeinde zusammen zu bekommen, die ihm es möglich machen würde, den gottesdienstlichen Verpflichtungen in gemeinsamer Andacht recht' oft zu genügen, und ihn des Ungemaches enthübe, zu den hohen Festen immer erst nach der fernen ' Stadt• ziehen zu müssen. ־Aber noch mein-, der' ׳ Graf besass einen einzigen Sohn, und auch ■Saline־■ Battersdort' war mit einem solchen gesegnet. Die Gräfin war frühzeitig gestorben, und da ihr .Gemahl sich nicht entseldiessen konnte, zu einer .zweiten Ehe zu schreiten, bot das Schloss einen sehr einsamen ■Aufenthalt dar, indem es lediglich vom Grafen, seinem Sohne und dessen Erzieher nebst einigen

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