Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Behrens 28 Kaiserstrasse 28. ich weites es ■besser:■ ,,Onkel Kuben-,tt hat sie mir gestanden, ,.so laug ich!Om־, muss ich Emil und seine Eltern lieben, obgleich ich ihm «auf ewig .entsagt habe. Es war nicht eim‘ .stürmische- Leidenschaft die uns verband, es war stille, sanfte .Freundschaft, weh he keiner Wandlung fähig. Ich bin überzeugt, Emil ist ebenso unverändert in seinen, Gefühlen für mich als ich für ihn, und wir würden, ohne uns gehören, zu dürfen, in reiner (Lescliwisterliobe neben einander bestehen können. Ob ־■ich' mit diesem ^geklärten Otduhl, welches alles irdische ..Bedürfnis abgestreift hat, in den Tempel gehen drrf?u so sagte Veilchen.u ,,Und ich sage, Herr ’Ruhen,“ rief Herr Stern, und höherer 01auz leuchtete ans s«־i! 111־ klugen Augen, ״sie darf in dem Tempel gehen, sagen Sie ihr, sie darf es. In diesem Sinne darf sie den .lugendfreund ewig liehen, ohne dass ihr Vater zürnt, und sagen Sie ihr, ein Mann, der zwar noch nie. ־eine Silbe mit ihr׳ gewechselt, sie aber dennoch warm und innig liebe, und sich sympathisch׳ angezogen fühle von dem sanften Gesicht und dem süssen, schmerzverklärten Ausdruck ihrer Züge, würde es als das höchste Glück seines Lebens betrachten, wenn er das sanfte Veilchen aus dein steinigen Boden des Vaterhauses in sein eigenes gelugtes Gärtchen verpflanzendürfte. Ja Rüben, weder die stolze Rosenkönigin Le ah, noch die prächtige Lilie Betty, haben meine Sehnsucht erweckt, wohl aber das herzige, stille Veilchen.“ Rüben sprang;auf, und ehe Herr Stern wusste, was er wollte, küsste er ihn auf beide Wangen, dann schüttelte er traurig den Kopf: ״Sie■ •verlässt'ihre Grossmutter nicht, mein lieber, guter Stern." seufzte er, aber, Herr Sttzsn deruh igle ihn; ..Die nehmen wir mit und Veilchen — — - da. sah er einen goldenen Schimmer hintef'"'"den Oleandern., er erkannte Le ah’s seidenes Gewand und schwieg. Dann/ als der Schimmer sich ׳verlor, huschte Rüben selig lächelnd in's ■Hinterhaus, wo Veilchen mit der Kranken hauste, und kaum war er verschwunden, so stand auch schon die schöne Frau ,Rosalie vor dem vermissten - Gaste. Lächelnd und unbefangen lobte er den :hübschen Anbück des Sees, und Frau Rosalie beruhigte sich, als sie die galanten Worte, die feurigen Blicke des verehrten Mannes, sich wieder ihrer Lieblingstochter, der schwarzgelockten Schönheit, zuwenden sah. Am Abend fehlte Veilchen bei der festlichen Tafel: die alte Grossmutter war plötzlich erkrankt. Herr Samson fuhr mit seinem Gast auf einige Tage über Land, um einen grossen Kornkauf abzuschliessem - Als sie zurückkamen, war die Grossmutter tot. ״Gott Lob." sagte Rüben, ״Sie und mein Veilchen sind von ihrem Leid erlöst." Samson ging in’s Hinterhaus, dort trat seine Tochter ihm entgegen: ״Vaterherz", sprach sie sanft, und reichte ihm die feine blasse Hand, ,,Grossmutter ist zuletzt völlig bei Verstand gewesen und hat gesagt, dass Du im Recht gewesen bist. Sie hat Dich gebenscht?), Vater, und als ich ihr das ״Schma Jsroel" gesprochen, hat sie mich so gut, so klar angesehen, Vater, und hat laut ..Amen" gerufen. Dann war sie hinüber." Samson schluchzte, Veilchen küsste seine Hand: ״Und wenn Dü mir vergeben willst, Vater* so geh’ ich morgen mit, Dir in die Synagoge, und wir bestatten unsere gute Tote zusammen." Sie hielten sich umschlungen und ihre Seelen feierten das wal\re Versöhnungsfest! —- — — *) gesegnet.