Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1896)
- Date
- 1896-10-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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N o v e 11 e v o n E in m y R o s s i.; (Schluss. .! .,Denken Sie. mein Herr“, fuhr Rüben fort, er hat hielit mehr mit seiner Tochter gesprochen, und sie auch nicht mehr mit ihm zu reden gewagt. So ist, es bis z1,1 ,,Jom Kippur“*) gegangen. Am Eref Jom Kippury) j— wir waren alle bei der letzten Mahlzeit, tritt er zu Veilchen und umarmt sie sanft., der gute Mann: vVeileheideben, mein Herz, willst Du mit Deinem Vater In die Synagoge gehen?“ fragt er und »eine Stimme zittert vor Jammer und Weh. Veilchen hing weinend an seinem Hals: ״Vater, Vater, eh kann nicht heucheln und lügen, ich kann die Liebe nicht aus meinem Herzen reissen, sie ist darin‘ geboren und damit gewachsen, sie ist uns von unsern Müttern vererbt, so lang ich lebe, muss ich Emil lieben.u ״Emil! Emil!“ stöhnte Samson, ,,Gott, wie hart strafst Du mich für meine Schwäche, warum half ich damals nicht mit Stumpf und Stiel die Freundschaft ausgerottet, nun wird sie zum zweiten Mal mein Fluch!“ Und er packte Veilchen. und schüttelte sie heftig. GrossmiMter riss ihn zurück und Veilchen schwankte und fiel in meine Anne: ״Du hast Dein Weib gemordetV schrie di§ zürn sprühende Greisin, ״Du wirst auch ihr Kind füllten,tt ■'Samson taumelte zurück. ״Komm, wir wollen sein Haus verlassen, er hat mii&sehon einmal die Thür gewiesen, wir wollen gehen, ehe e!*uns hinaus wirft. Komm, lass den Mörder Dein HA Mutter, .und heirate Deinen Emil, Deinen Christen,“ verhöhnte sie den unglücklichen Vater. :חי Versöhiוungsfest. f! Am- Vorabend des Versöhn uiigsfeste*.-. Und Gott vergeh' ihr die Sund'. sie beginnt, am heiligen Frei Jom Kippur, in Al ein schrecklichen .Aufruhr der Herzen, ihm. zum Spott das Lutherlied zu. singen. r Samson war in dem־ Augenblick kein. Mensch, er war der Dämon des, Jähzorns. Mit einem Tigersprung.''stürzte■ er sich auf die Greisin sie sank auf die Knie. ״Ja. ■ Du Teufel in, Du sollst mein Maus verlassen.“ tobte, er schäumend vor Wuth und Zorn, ״aber nicht, mit dem yer- Ihmliteu Lied auf den Lippen sollst Da eines frommen Juden Haus verlassen. Sprich,“ ׳ befahl ' er. ״sprich mir nach: ״Höre Israel, der Herr unser Gott, ist ein .einziger, ewiger Gott, gepriesen sei sein Karne in Ewigkeit! Amen!“' Sie hing an seinen Blicken,, fest, unverwandt, aber kein J.aut kam über ihre Lippen.׳ Da schlug er sie, schlug sie mit der Faust, vergeh' ihm Gott, und sie sprach es nach, Wort für Wort. Dann schlug sie eine grässliche Lache auf und wiederholte es noch einmal, und noch •ein-■ mal, und immer wieder -— die arme Frau war wahnsinnig geworden!“ Ruhen legte den Kopf stöhnend in die Hände, Herr Stern erschauerte in dem kühlen Luftzug, der über die niedrige Mauer vom See her. pfiff.- ״Sie liat das Haus nicht verlassen,״ fuhr Ruhen endlich fort, ״und Veilchen hat Emil Schmidt geschrieben, dass ihr Platz fortan am Krankenbett der uuglückJb'heu Grossmutter sei' — sie gab ihn frei. Sie hat auch . ferner unten am Tisch gesessen und ist nicht .in die Schul*) mitgegängen, auch dann nicht, als Le ah die Verlobung Emil Schmidt*» mit einer grossen Sängerin bei Tisch er- ' zählte, auch dann nicht' als dessen Heirat stat!gefunden, und er mit seiner Frau' auf weite Reisern ging. Die \\ eit, glaubt, dass sie sieh nicht von der Kranken trennen kann, * * :) Synagoge.