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Berliner Vereinsbote · 1896-10-02 · Heft 40 (2.10.1896) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 40 (2.10.1896)
Date
1896-10-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Er wand sich die langen Flechten um die Hand und flüsterte: ״Nicht wahr, Veilchen, wir sind so aufgeklärt, dass dieses schöne Haar nicht der starren Formel des Gesetzes zum Opfer ׳fällt..: diese schönen Zauber־־ •laden, die ein so starkes Netz um mein Herz gesponnen." ״Wie Sie es für Recht halten", eutgegnete resigniert lächelnd das herzige Veilchen, und wenn der Vater es zugiebtA — .- ״Ruhen, der Verräter, hat den Schidach*) gemacht", sehalt heftig Leah, ׳ als Herr Stern, nach kürzer Zeit urn Veilchen anhielt, ״er hat ihm gesagt, dass, sie der Grossmutter Erbin istu, und der schlaue Kaufmann macht ein besseres Geschäft mit Veilchen als mit uns.a * Fräulein Leah irrte. Herr Stern hätte Veilchen auch ohne jedes Vermögen geheiratet; er■ wusste, dass er in ihre Hände sein und seines Kindes Geschick vertrauensvoll legen durfte. ׳ Er war übrigens so galant, auch die schönen ׳ Schwägerinnen mit den reichsten Geschenken zu überschütten, und sie hingegen so klug, gute Miene zum bösen Spiel zu machen sie liebten ihre Schwester Veilchen plötzlich ganz ausserordentlich. Herr Samson lebte noch lange genug, um sein liebes Veilchen im fremden Erdreich blühen und gedeihen zu sehen. Bei seinen Besuchen deckte die Stirnhaube das seidene Haar, •welches stets ihres' Mannes Kleinod war. Nach Samsons Tode ging Rüben zu Stern’s, wo er bei Geschäften half, die herzigen Mädchen auf die Promenaden begleitete, und die Jungen mores lehrte. Betti Samson heiratete einen Vetter des Herrn Stern, und auch Leah brauchte nicht lange die unterbliebene Heirat zu beklagen. Ein ' russischer Edelmann, welcher sie im;'Ostseebad Doberan kennen lernte, verliebte sich in ihre strahlende Schönheit und bot ihr Herz und Hand. Ihr Vater war ja tot — und. Russland• weit; so Lrat sie zur ‘christlichen Religion über, und heiratete den . russischen Grafen. Welche Wonne für ihre Mutter, die ׳ nur noch von der Frau Gräfin ■Tochter sprach. , מAber;־Mama“, meinte einst Herr Stern, als <0*.•die Erinherung Revue passieren Hess, Sie waren ja damals so sein׳ empört!, dass' mein Veilchen einen Christen heiraten wollte, und Graf Soltikoff ist doch auch ein Christ.^ Frau Rosalie kräuselte *verächtlich den noch immer hübschen Mund. ,.Aber lieber Stern, •ein deutscher Klavierlehret־ und ein russischer Graf. Welch׳ Vergleich! ״Glauben Sie, dass der Rang einen Unterschied in der Religion macht?“ lächelte der also Belehrte. Frau Rosalie aber sprach von den Triumphen, welche ihre Tochter, ״die׳ Frau Gräfin4 auf den .kaiserlichen Höftesten feierte und blieb die Antwort schuldig. ״Uebrigens“, führ Herr Stern fort und drückte <lie - Hand seiner Frau, .,hat. der deutsche Klavierlehrer sieh zu dem Rang eines ersten Künstlers emporgeschwungen, und wenn Sie, liebe Mama, das kleine Fest, welches ich in einigen Tagen gebe, mit ihrer Gegenwatt beglücken wollen, können׳ Sie sich überzeugen, dass ich es mir zur höchsten Kim* rechne, den Herrn Professor Schmidt meinen Freund zu nennen.a Frau Rosalie empfahl sich, um bei Betty aufmerksamere Öhren für die Erfolge der Frau Gräfin zu finden. H׳-r1 Stern gab ihr das Geleit. Kuben aber nahm die Hand Veilchens und drückte sie an sein Herz: ,,Bei alledem, mein liebes Veilchen, ist, es doch gut, dass der Vater es nicht 'mehr erlebt hat", seufzte er, und. seines Lieblings nasse Augen bestätigten seine .. Ansicht. '*) Heirat.

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