Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1896)
- Date
- 1896-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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als die Schande des Jahrhunderts gebrandmarkt worden ist für alle Zeiten. Aber auch abgesehen von dem ethischen Moment dieser antisemitischen Missgeburt möchte ich noch zur Erwägung anheimgeben, ob die 'Förderer dieser culturfeindlichen Bewegung nicht direkt dem Bestreben der Regierung entgegenarbeiten dadurch, dass sie die Reihen jener Unzufriedenen, die der gesellschaftlichen Ordnung eine andere Richtung zu geben bemüht sind, vermehren helfen, indem sie durch fortgesetzte Rücksichtslosigkeiten eine Menge loyaler Bürger zwingen, diejenigen aufzusuchen, mit denen sie das Schicksal der gemeinsamen Verfolgung teilen und zur gemeinen Abwehr naturgemäss sich verbinden. Was bleibt in der That ihnen anders übrig? Wir haben aber den Antisemitismus ein Erbstück* der Jahrhunderte genannt, der im Verlauf derselben verschieden in die Erscheinung trat, bald relativ mild, bald aber auph in Begleitung jener entmenschten Gräuelthaten und unerhörten Martern, deren der Vandalismus nur fähig war. In Betracbtung der Frage aber, wie und wo er entstanden, fällt mir ein, dass ich vor Jahren irgendwo etwas gelesen habe, was mir mit Rücksicht auf die Untersuchung dieser Frage der Erwähnung wert ist, und das ich, soweit mein Gedächtniss mir treu geblieben ist, hier wiedergebe. Wir wissen erfahrungsmässig, dass Kinder, wenn sie einen ihnen fremdartig erscheinenden Knaben in ihre Schule eintreten sehen, denselben mit Blicken betrachten, in denen etwas Lauerndes und Verstecktes liegt, nicht darum, weil sie ihn für schlecht halten, sondern weil sie in ihm einen andern sehen, als sie selber sind. Diese ängstliche Reserve ist erklärlich und entspringt einem gewissen natürlichen ■Rechtsgefühle; sie schwindet entweder oder artet zum Hasse auff, je nachdem Einflüsse für die eine oder andere Richtung wirksam sind. Wenn beispielsweise der Lehrer, in welchem das kindliche Gemüt den verkörperten Begriff aller Vollkommenheiten zu sehen pflegt* dieses Vertrauen missbraucht, und den fremden Knaben durch Neckereien und Zurück- Setzungen dem Spotte preisgiebt, so wird es nicht lange dauern, in diesem Verhalten des Lehrers das Signal der Verfolgung zu erblicken, den armen Knaben zum Spielball ihrer Launen zu machen, ihm dies und jenes noch anzudichten und zuletzt von der Wahrheit der angedichteten Fehler sich überzeugt zu halten. Ganz so haben die Völker die Juden betrachtet, als sie sie bei sich haben eintreten sehen: mit befremdlichen Blicken der ausserordentliehen Ueberraschung darüber, dass sie anders waren als sie selbst, und dass die ganze Art und Weise ihres Lebens und ihrer Sitten, ihres Denkens und Handelns nicht die ihrige war, warteten sie auf jenes Signal des Lehrers in der Schule, um ihrem Verhalten jenen Fremdlingen gegenüber Ziel und Richtung zu geben. Und es ward von Zeit zu Zeit gegeben, so oft die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse es als nützlich erscheinen Hessen. Wir sind seit Decermien wieder der Spielball dieser unlautern Instincte des vornehmen und geringen Pöbels, lasset uns aber allen denen* die uns zu vernichten trachten und def Mümling sind, unsere Existenz höre bald auf, dadurch ein thäWbhes Dementi geben, dass wir die Kraft unserer Solidarität zum verstärkten Ausdruck bringen, indem wir allesamt uns bestreben, unbekümmert und unentwegt das zu pflegen, was der vornehmste Inbegriff unsers Bekenntnisses ist und die Menschheit zu ihrem höchsten Werte emporhebt: —die Nächstenliebe. —- Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag» den AI. August in allen Synagogen abends lljA Uhr. Sonnabend» den AA. Angutt in der alten Synagoge morg. 81/2 Uhr* in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. Predigt: Vorm. 10 Ubr: N011 e Synagoge, Herr Rabbiner I)r. Weisse. Ingendgottesdienst: nachmittags 4 Uhr: Käiserstr. Synagoge, Herr Rabbiner I)r. Rosenzweig. Adendgottesdienst 7 /4 Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen morgens 672 Uhr und abends 672 Uhr. Synagoge: ״Beth ZioirBrunnenstr. 10 Vermietung der Plätze in unserer Synagoge an Wochentagen: Früh 8, Abends 6-8. \L Heimannsohn, Vorsitzender. Synagoge der Gemeinde ״B’ne B’rith“ Grüner Weg 19. Vermietung der Plätze findet statt, bei Julius Abraham, Grüner Weg 108, Z. Alexander, Gr. Frankfurter st r. 102, H. Müller, Andreasstr. 47. A. Lewin, Andreasstr. 14. Ausserdem in der Synagoge werktäglich Vorm. 7—872 Uhr, Nachm. 5—7 Uhr. ״y ר״ה״ וי Festgottestet unä Predigt / im Festsaal Gr/ Frankfurter Str. 74, mit anerkannt guten Kräften. Innegehabte Plätze werden auf zeitige Anmeldung bis zum 15. August reserviert. Vermietung der Plätze daselbst. Der Vorstand. ךו'3^׳ CoDcertbaas ךי״ך‘״ 48 Iaeipzigerstr&Bse 48. Festgottesdienst mit Begleitung der Orgel und Predigt. Billets b. Xiudw. Riesa, Stralauerstrasse 83. am Molkenmarkt. Telephon Amt V. No. 1296. Wie alljährl. findet auch in diesem Jahre zu den hohen Festtagen Gottesdienst und Predigt in dem grossen Saale ״Königshof“, Bülowstrasse 87, statt. Das Vermieten der Plätze in unserer neuerbauten Synagoge Linienstr. 197 findet täglich nachmittag von 4 bis 7 Uhr und Sonntags vorm, von 10 bis 12 Uhr statt. Der Vorstand des Vereins ״Ahawas scholaum“. *tss לרא&ו חשבד! ז'י*ם Festgottesdienst u. Predigt im Buggenhagen’sclien Saal am Moritzplatz unter derselben bewährten Leitung wie im vorigen Jahre. Billets'beiBrandmann & Bock, Alte Schönhauserstr. 30 und im Cigarren-Laden von Herrn C.Meyer neben Buggenhagen._, Festgottesdienst u. Predigt mit anerkannt guten Kräften in Stein’s Festsälen, Rosenthalerstr. 88 am Hackeschen Markt. Vermietung der Plätze daselbst und bei A. Fitzer, KL Alexanders!!-. 3. Jüd. Lesehalle und Volksbibliothek. Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: Wochentags 1—4, Sonnabend 2—5. Sonntag 10—2, Talmud-V erein. Der Gottesdienst in unserer Synagoge Oranienburgerstr. 64 beginnt: au Wochentagen Morgens 6l/4 Uhr i Freitag Abend 772 Uhr Abends 63/4 ״ Sonnabend Morgens I. 672 מ Talmud-Vortrag 7 יי II. 97? ״ I Vortrag 12 Mincha I. 1 Uhr. II. V/2 Uhr. Die Erneuerung der vorjährigen Platzkarten und Vermietung freigo worden er Plätze finden werkt äglich in erwähnter Synagoge nach dein Früh- und Abendgottesdienst durch Herrn Prager sowie in dessen Wohnung Alte Schönhauserstr. 30 von 1—3 Uhr Nachm, statt. Verein für Arbeitsnachweis. Xläster-Str&sae 44. Fernsprecher 5, 3366. Geschäftsstunden 9—1 und S—6 Sonntag tO—12. Kaufleute aller Branchen, Arbeiter, Handwerker, männlichen und weiblichen Geschlechts, erhalten durch unseren Verein vollständig kostenlose Ver- Mittelung. _ Per Vorstand. Firmen-Schilder-Malerei von A. Berkheim, Dragonerstr. 18. Niederlage der Silberwaarea-Fabrik von Lazaruß Posen Wwe. Hoflieferant Sr. Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotlia BERLIN W., Unter den Linden 5 (Hotel Bristol.) Uerxivrtpe nicht! "WW kann Allen zugerufen werden, weiche an Lieht, Rheumatismus, an Arankheiten des Magens, Darmes, der Blase, Galle und der Nieren leiden. Unsere ärztlich empfohlene BvlastrooLsnIntt - B ehandlung hat sich auch bet frischen und vhrenisehen Arankheiten der Männer und Frauen, bei Nerven und Häutlriden. allen Folgen schlechter Blutmischung bewährt. Ver gesund werden, wer gesund dlsihen will, sindet in unseren Oeilfactoren die Keisstrevkenlutt Behandlung sv R. V. 8utf> u. 0. G. R. 5»-)747'4s, die Wasserheiiadthsilung, modern eingerichtet, das Inhalatorium für rttmungs- und Brustorgane, die Ahth. 1. medicin, Bäder s>pecialität Moorfalz, Moorlauge u. Iodsalzbäder), alles, was die moderne Hv-rotherapie u. physikai. Behandlungsweisen bieten können. Herren u. Damen- Abrheilung geöffnet von 3 -3. TJmarianum. Gr. Lmmburrerftr. 2V (am l^ackeschen Markt, Bahnhof Börse.)