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Berliner Vereinsbote · 1896-08-21 · Heft 34 (21.8.1896) · page 1

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wöoliontlicho Auflage 6000. h׳ostzeitungs*Liste 978. für die jüdischen Vereine ßerlins. Erscheint jeden Freitag, wird allen Mitgliedern der Vereine gratis zugestellt, und liegt in allen jüdischen Hotels und Restaurants aus. Bezugspreis für Nichtmitglieder l Mark vierteljährlich. — Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Kaiseratrasse 39/40. Nummer 34. Berlin, den 21. August 1896. I. Jahrgang. Für den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich. WWW- Wir bitten' höfl. um geil Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit iu der Zusendung wolle man in unserem Bureau Kaisers«!•■ 39/40 reklamieren. __ ׳__ Eine Ferienbetrachtung. von H. E. sozialpolitischen Interessen, wie sie sonst inmitten der noch kaum..-, verrauschten grossen Zeit der siebziger Jahre last .plötzlich und unvermittelt in Scene ging, mit durchleb: (Fortsetzung.) Schon im grauen Altertum vertrat Amalek dem von der Sklaverei Egyptens eben befreiten Molke auf seiner Wanderung nach dem Lande seiner Verheissung, den Weg, um es zu vernichten, und mehr als tausend Jahre spater war es wiederum ein Nachkomme jenes Volkstammes, war es Ham an. der in der hohen und mächtigen Stellung eines ersten Würdenträgers im Staate unter Beifügung von 10000 Kikar Goldes vom Könige , die Erlaubnis sich erwirkte, seinen ererbten Judenhass befriedigen und mit diesem im Lande zerstreut wohnenden* Stamme nach Gutdünken verfahren zu dürfen. Die ganze Taktik seines Vorgehens stempelt ihn als ersten und echten Antisemiten, als das Prototyp eines Judenhassers, das mustergiltig blieb für alle Zeiten und bis auf unsere neueste Zeit in hohen und vornehmen Kreisen vielfach würdige Nachahmer fand. Um sein persönliches Rachegefiihl gegen einen Juden zu befriedigen, wirft er seinen Hass auf alle und verleumdet die Gesamtheit; 0,' Human verstand sich auf die Verleumdung, sein Mittel hat sich als mustergiltig- erwiesen und wird heute mutatis-mutandis nicht nur von «len gewohnlichen Antisemiten mit Erfolg angewendet, sondern auch von jenen, welche gleich Haman die Macht ihres hohen Amtes und ihrer gesellschaftlich einflussreichen Stellung missbrauchen: nur ist zu unterscheiden, dass mit dem Antisemitismus der gewöhnlichen Volksschichteil in der Hauptsache die niederen Motive der Ausbeute des mobilen Kapitals, als, dessen Vertreter das Vorurteil gewöhnlich den Juden gelten lässt, sich verbinden, während der Antisemitismus der sogenannten vornehmen Gesellschaft noch den politischen Hass erkenn entlässt und das Bestreben, den Juden als Spielball für irgend einer! ihrer Launen oder als Sündenbock für ein verfehltes social politisches Kunst- .Stückchen in Reserve zu halten, um eventualiter die dernoustrativ bedürftige Volksmasse auf ihn zu lenken und für irgend welche politische Liebereien gefügiger zu stimmen. Dem reflexionsfäliigen Leser, der die Geschichtspliase einer so unnatürlichen und fast gewaltsamen Verschiebung der hat. wird es klar sein, dass alle jene Hetzereien und Agitationeu, Anfeindungen und Verdächtigungen gegen eine Religion*׳- richtung, deren Angehörige im dem grossen Kampfe gegen den Erbfeind Deutschlands nicht, minder beteiligt Waren, als ihre christlichen׳ Kameraden, nicht einen Mann wie Stöcker zum Vater haben konnten, jenen Bofprediget-, dessen Wahrheitsliebe so schlecht die Probe bestand und 'sprichwörtlich■ ׳geworden ist, und der'■ sich trotz alledem und alledem zum Staunen der ganzen civilisiorten Welt in seiner Vertrauensstellung an einem Hof erhalten konnte, an dessen Spitze das hehre Menschenbild jenes Heldenkaisers stand, dessen Namen man nur mit den .Gefühlen der wärmsten Liebe und Ehrfurcht, der Hochachtung und innigsten Verehrung nennt; und Wer war's, dessen mächtige Hand ihn selbst dann noch über Wasser gehalten,׳ als längst bekannt geworden war. dass er sich Dinge hat zu .Schulden kommen lassen, die ihn für das Amt eines Hofpredigers, unfähig machten und für die persönliche .Freiheit eines jeden ׳ andern■ sogar verhängnisvoll hätte werden können? Es bedarf wahrlich keines allzugrossen Scharfsinnes, den Namen jenes Mächtigen ׳zu erraten und darum, lieber'Leser, mag ich ihn nicht weiter* nennen: aber auszusprechen drangt es mich, wie schmerzlich ich es bedaure. einen ..Stöcker in Beziehungen zu jener* grossen und glorreichen Zeit■ zu wissen, welche mit durchlebt zu haben, sich jeder glücklich preist, einer Zeit, in welcher der Name jenes priesterlichen Agitators wie eine schrille Dissonanz immer wieder hinein-, klingen wird, die jeden wahren •Patrioten auf•' das!mangenehmste berühren muss und Wünsche •nahelegen müssen, deren Inhalt; zu erraten ich gleichfalls' dem' Loser überlasse. Das Verdien*},' jener Glanzepoche der neuesten deutschen Geschichte diese Schattenseite als Relief mit heigegeben zu haben. Ist fürwahr kein beneidenswertes und eine Thatsaehe, die der objective, später«* Geschieht*- sehreiber als ein Kriterium für die Beurteilung der persönlichen Charaktereigenschaften aller derjenigen wird be~ trachten müssen, die mehr oder weniger mit einer* Bewegung in Verbindung standen, die aus hohem fürstlichen Mund«*,

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