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Berliner Vereinsbote · 1896-07-31 · Heft 31 (31.7.1896) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Du gehst zu weit, ehre mein Schweigen oder Du stürzt uns alle iivs Unglück/‘ Einen Moment sch.wankte der heissblütige Mann in Zaudern und Zweifeln, dann stürzte er auf die Mesusse*) an der Thür zu, '1legte die Hand darauf und keuchte mühsam unter dem allzugrossen Gefülilsdra-ng: .,So lang’ soll mein unschuldig Kind verflucht sein, bis Du mir die Ursacli’ gesagt.*‘ " .; /' ־ Entsetzt, empört und ,doch voll gramvollen Mitleids, .1 umschlang Josef den über sein tolles Beginnen selbst zu j spat ernürhtorten Bruder. Dieser taumelte wie ein Trunkener auf den niedrigen Divan und schloss besinnungslos die Augen. Hasch und sicher ergriff Josef ein Verbamfzeug und öffnete ihm, den Aermel sicher zurückschiebend, eine Ader. Dunkel und in dicken Tropfen (pioll das Blut hernussiokernd. dann rann es in hellem Bogen«, unaufhaltsam 4 nach. —- Bernhard war gerettet. Josef küsste dessen verblassten Mund und fasste dann sanft die regungslose Hand:, ,,Deine Gewaltthai zwingt mir das Siegel des Geheimnisses von den Lippen. Deine Schuld siüd^lie Folgen. So ertrage denn wie eilt Mann, was Dein Wille' herauf beschworen. Sch Hesse die Augen und höre eine kurze Geschichte, welche Dir mehr sagen wird als ein Goständniss — und wenn Du alsdann Arm in Arm mit mir in Dein Haus gehen willst — so folge :ich Dir ja. ich folge Dir." — 5 ' '—ך~—ך־״־־־״ ׳ ,/ , ■ ' i * Die zehn Gebote ander Thiirpfoste. Bernhard sah ihn angstvoll an: ״Nein, nein, Josef, ich. will es nicht wissen, es war Unrecht von mir“. flüsterte er, aber Josef schüttelte traurig sein schweres Haupt: ״Du hast es beschworen, es ist z€ spät.“ Sei ruhig, und höre: ״Zwei Brüder lebten in Liebe und Eintracht mit einander. Der Jüngste, fast noch eu71Kna.be,' hatte mit Auszeichnung sein Universitätsexameu bestanden, als er ן bei Verwandten in Berlin ein schönes, junges Mädchen kennen lernte, eine eiten dose Waise, die in der Abhängigkeit von einer alten mürrischen Base, eben kein beneidenswertes Leben führte.־ Sie gewahrte bald die heisse Liebe, welche das junge Herz des Knaben erfüllte - welches Mädchen j weiss nicht, wenn es geliebt wird — und als er, hingerissen von ihrer Anmut und Schönheit, seine reine, unvergängliche Liebe gestand, erwiderte sie ihm, «lass auch er ihr nicht gleiphgiilfSg geblieben, verstehst Du, Bernhard, sie sagte nicht, dass sie ihn liebe. Aber der junge Träumer glaubte es dennoch. Blicke sprechen ja auch eine Sprache ־! und was that er?. Er schrieb seinem älteren Bruder:. ,,Ich schicke Dir״* eine elternlose Waise, welche bis jetzt ein I schweres Loos zu tragen hatte. Erleichtere e» ihr, gieb ן dir Obdach und '׳Schutz, sie wünscht bei unserer alten Sarah die Wirtschaft und das Kochen, zu lernen. — — — Ja weiter schrieb־ er nichts, das war seine Schuld, aber er schämte sich in seiner Herzensunsehuld hinzuzufugen: ״denn ich betrachte sie als meine Braut und Dein Haus als ein Heiligtum, welches meinen Schatz treulich liütöt."' ״ ־Du seufzest Bernhard“, unterbrach Josef sich, imelan-j cholisch lächelnd, ״ja, ja, war ein gar idealer th|jrichter' Junge. Sein guter Bruder pflegte Oft zu sägen, \^enn er langsam, ־mit offenen Augen nicht sehend, dähürkam, wie weiland des biblischen Josef?s Bruder: ״Seht dort /kommt dbr Tpäumer her.;׳ — Und weisst Du, wie die Geschichte . endete? Das Dämchen hatte gut rechnen gelernt, .sie sagte sich also, dass!ler;bartlose Junge nicht älter als' siö selbst: sei, ujud ihr noch einige Jahre Geduldsprobe bevorstände״ ehe ef sie unter die Chnppe*) führen könnte.* Wozu warten? ־ . ÖL*) Trauhmimel.

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