Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1896)
- Date
- 1896-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich bin so lange ihr hehrer gewesen, ich werde es auch ferner setzi, da Deine Frau nun einmal mit Gouvernanten keinen Frieden halten kann?*■ v ' ..Kann sie überhaupt Frieden halten?־־ fuhr Benihard. hastig auf; ..hat sie nicht schon gleich nach der Hochzeit meinen einzigen, guten Bruder so erzürnt, dass .er geschworen hat, tue wieder seiiien Friss über meine .Schwelle zu setzen?״ ,,Lass' doch, lassv doch, Bernhard*, bat leise, fast wimmelnd Mer '.״bleiche, junge Mann und wandte siehxab, .,sage Mathilde, Deiner FrauJ dass sie sich beruhigen möge, de brauche nicht das Opfer zu bringen von einer 0011־ vorn ante Laune abzuhängen — wie sie es .nennt- - ׳ mein Böslein soll des Morgens bei der Mama Glavierspiel lernen und St rümpfe stricken, ״—und am Nachmittag besucht mein kleiner . Student ihren alten Professor/* Der Scherz stimmte wenig zu seinen sclunerzvertieften Mundwinkeln?. Einer unwillkürlichen Regung folgend, schlang Bernhard beide Arme um den schlanken Leib seines Bruders und tief aufseufzend sank sein schwarzgelockter, vollbärtiger Kopf auf dessen schwer atmende Brust: ״Josef, ich beschwör' Dich, was quält Dein Herz? Ich häb der seligeh Mutter, der unvergesslichen, auf dem Sterbebett geschworen, Dir, dem so viel Jüngeren, Mater und Mutter zu ersetzen. Bis zu meiner Heirat gab es nie einen fremden Gedanken zwischen uns, wir waren im echten Sinne Gottes, ־b) Novellen aus dem jüdischen Familienleben. Berlin 1889. Druck und Verlag von EmiJ Streisand. ORNATE für Rabbiner, Prediger, Cantoren, Richter u. Rechtsanwälte etc. liefert in allen Preislagen zu soliden und festen Preisen ' G. Herbert. Berlin sw., 5. Alte Jacobstrasse 5. Telephon‘Anschluss Amt IV, No. 1255 Gegrümbu. 18*26.; Gustav Silberstein Tapezierer u. Decorateur Eigene Gardinen-Wasch u. Spann-Anstalt. BERLIN O. Wallnertbeater-Strasse 16. Uebernahme,sämtlicher Dekorationsarbeiten bei Umzügen. 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Du, Du allein kannst.die Bitterkeit■ unTunes Herzens in süsses Vergessen wandeln — reich‘ mir Deine Hand und vergiss und vergiob meiner Frau, der Mutter des Kindes, welches Du so sehr liebst, -lass sie in unbedachtet ׳Laune Deinen jugendlichen Ehrgeiz gekränkt.** Josef wand sich unter seinen flehenden Worten wie unter 'zerfleischenden .• Ge isselhieben - abwehrend,, •entstellt׳' vor Jammer und Schmerz, suchte er sich aus den zärtlich umschlingenden ,Armen seines Bruders zu befreien, .doch dieser hielt ihn in ungestümem Verlangen desto fester umseid urigen.״ ״/Nein, nein, so entkommst Du mir nicht'*, rief rasch von mildester Zärtlichkeit zum jähesten Zorn übergehend der sanguinische Mann, und das pochende Blut färbte seine Stirne llüsterrot, ich will wissen, weshalb Du mein Weib hassest, denn Du hassest sie . Du vergiebst ihr am Jom Kippur*) Jmr äusserlieh; da Du meinem, ihrem Hanse fern bleibst, hast Du nicht mit dem Herzen vergeben. Was hat sie Dir gethan, ich muss und will’s wissen. ich haje das BechU dazu.u .,Bei Gott, Bernhard, mach ein Ernte,ich^anrds, ich kanns Dir nicht sagen/* Bernhard stiess ihn unsanft zurück, dann erschrocken über seine Rauhheit,.brach• er in heftiges Schluchzen aus: EJosef, Josef, kannst Du mir das anthun, Josef, mein ein- '*) Versöhmmgstag.