Mannheim
Compact Memory

Berliner Vereinsbote · 1896-06-12 · Heft 24 (12.6.1896) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3019627-3019682-3019704--167-3020611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zu unseren! Bericht, über ״die Einweihung des Lehrlingsheims in Pankow“ in No. 21 des Berliner Vereinsbote erholteil .wir'folgende Zuschrift, die wir in ihrem Wortlaut wiedergeben wollen. Herr Rabbiner Dr, M ay bäum führte in seiner damals gehaltenen' Ansprache ans. dass die jüdischen Handwerker.״ wenn das Handwerk nicht schnell• zu grossen Erfolgen führt, dieses an den Nagel hangen. Ich erlaube mir. hierzu zu bemerken, dass dieses doch, nur in beschränktem Masse zu trifft. Ich habe z. B. einen Schneider kennen gelernt, welcher bei Gründung seines Geschäftes vor 25 Jäh- ' reu es sich zur Aufgabe gemacht hat, ausschliesslich gute Arbeit zu liefern. Dank der strengen .Heellität und ausgezeichneten. Fachkenntnis, sowie dadurch, dass er nur beste Stoffe in deutschen und englischen Fabrikaten in grosser Auswahl auf Lager hält, und endlich dadurch, dass er sowohl bei der kleinsten Reparatur, wie bei dem feinsten Salon-Anzug die gleiche Sorgfalt verwendete, ist es ihm c ׳hingen, sich einen grossen Kundenkreis zu ־erwerben.- Er hat bewiesen, dass auch der jüd. Ha* *ulwerker bei gutem Willen im Stande ist. seinen Platz auszufüllen. Ich stehe .nicht an. den Mann namhaft zu machen, es ist der S< hneidermoister Algx Lub 1־anc'zyk, Friedrichstrasse 105b.! ׳׳-rselhe ge ui esst bei seiner Kundschaft solches Vertrauen, ׳lass er ,.immer• weiter empfohlen wird. ' L. B. Das für den Verkehif ־ in Berlin überaus nützliche Berliner Verkehrs-Lexikon, 40 Pf. (Ve1T% von Max Schildberger), ist soeben erschienen und enthält•., ehren knapjjfcn. kurzen und deshalb sehr willkommener F ו fh rei* durch die Berliner Gewerbe-Ausstellung mit Plan. Wir können dieses zuverlässige Taschenbüchlein nicht genug ein- })fehlen, denn es Gr von einer erstaunlichen Reichhaltigkeit und orientiert über die nicht mehr zu entwirrenden Verkehrslinien in Berlin in vorzüglicher Weise. Von besondeffer , Wichtigkeit ist die klare Zusammenstellung der Eisenbahn-Fahrpläne im Vorort- und Fern- Verkehr und der Dampfschifffahrt in und um Berlin. I)y8 Büchlein ist fmentbehrlicli im liaiis. '(,ornptoir und bei Ausflügen. Im Olympia-Kiesen-Theater bewährt sich das grosseAusstellungsstück:': The Orient als ein Zugstück ersten Ranges. Allabendlich ist der kolossale Kaum bis alifs letzte Plätzchen gefüllt. Es ist aber auch Gross4u׳tiges, was hier geboten wird. Ballets, Wasserschauspiele, circensischM Künste wechseln miteinander ab, das Auge wird schier geblendet von all den Herrlichkeiten, besonders erwähnt seien die wunderbaren Aufzüge, bei denen weder an Mühe noch an Opfern gespart ist. cDn jeder Einzelheit des Stückes ist so viel geleistet, jede Scene istytüs ins kleinste Detail hinein ,mit solchem Cnick einstudiert, dass das Ganze bei den Zuschauern einen unvergesslichen Eindruck hinterlässt. Mit der Eröffnung des Olympia - Theaters ist Berlin um eines jener grossen Institute reicher geworden, welche viel dazu beitragen, ihm den Stempel einer echten Grossstadt aufzudrücken. Die Symbolik im Vereihsleben wird nach althergebrachter gewiss berechtigter Md schöner Sitte bei allen Festlichkeiten cultiviert. Hierzu dient in erster Linie auch das Anlegen eines besonderen Vereins-Abzeichens, in welchem das eigentliche Wesen, die Ideen des Vereins, symbolisiert wird. Die Wahl derselben gehört zu den Funktionen des Vorstandes, dessen Angehörende aus rein praktischen Gründen (wis z. B. der Kassierer als uervus rer um) auch noch ihr besonderes '״Amt״ dem allgemeinen Abzeichen hinzufüge.n Bei billigster Beschaffung derselben pflegt man aus dem Erlös auch stets einige Pfennige für die Vereinskasse zu sparen. Die Angabe einer nach jeder Richtung hin leistungsfähigen Quelle wird daher für die Leser unseres Blattes von Interesse sein. Es ist dies• die/Gravier-Anstalt von H. Guttmann, Graveur, Brunnenstr. 9, welche Vereins-Abzeichen sowie Stempel Zls besondere Specialität fabrizirt und,wie uns versichert wird, mit Ratschlägen und sinnreichen Mustern Reflectanten sich gern zur Verfügung stellt. -——1■:;—^- V.-■■ .y '--- Chemische Waschanstalt, Färberei Garderoben-Reinigung. Wasch-Anstalt für Gardinen, Stores, Decken. Teppich-Naniguns»- «nd. Klopf Anstalt. Fabrik: BERLIN N., Brunnenstrasse 73. 15 eigene Annahme-Lokale in Berlin. Sie spielte des Abends auf dem Piano und er stand׳ im Garten, das Haupt am ein eh Baum gelehnt —träum versunken. Er war ja der" Einzige,, der die 'Sprache ihres Herzens verstand, der die Gefühle nachempfand, die sie in ihr Spiel verwob, der mit innerem Auge die ätherischen Gestalten sali, diOMis ihren Fingern und den Tasten _ emporschwe'bend, die Lüfte in lythmisclien Reigen durchschwirrten. Es war in der Dämmerung. •Tiefschwärze Wolken stiegen vom Westen empor wie grimme Riesendracdnoi und verschlangen den Rest sinkenden Tages. Dumpf grollend rollten Donner und hallten wieder von den Bergen. Es zucken Blitze, Regen strömt stürzend nieder. Und in dieses Wntgebnyise tosender Eiemente dringen wie im Wettstreit des Pianos dröhnende Akkorde. Sie fühlte, dass er aucl.1 heute am Baume lehnte, trotz des stürmenden Wetters, und ihr Herz trügt© sie nicht. Sie sprang vom Sesse^• auf und ihr Auge bohrte sich Mur elf 8 Dunkel, suchte sein Antlitz, das schwarzlockigvm-' rahmte, suchte sein blitzesleuchtendes' Auge, suchte ver-' ge blich. •* > -■־ ־ ׳ Da zuckt ein Blitz auf — .plötzlichkurz, Ihre Blicke hätten sjch getroffen ... Ein winziger Moment, und doch die - Ewigkeit- .unendlichen Glückes . ... < », ich Thörin. ich fyähnte, ja ich wähnte, dass ich ewig die- Seele seines Liebes, ewig die Seele seines Lobes wäre, ich wähnte, doch ach, sein- Lied ist dahin, dahin seine Liebe!.’•Fin Abgrund 'furchtbar,, miüberjbrüeklich, schneidet d^- -Hart, vom Gestern. ׳ VZ*eigen seid ihr, Blitze des.Zornes,“ so sang er damals, «loch sie schloss ihmcden Mund mit schwellenden Lippen ihn. küssend, küssend. . ♦ Wozu Worte?! Nur Küsse׳ sin«! die Sprach,©, geheimnis-!lüsternde Sprache der Liehe. ״Doch was soll «las Sinnen, was sollen mir die schmerzia hen Erinnerungen . . . Die Rosen sind verblüht — Die Dornen sind, geblieben, \md zerstechen mir's Herz.“ , * v, ■ - ' ■ ' f ■ יי ״Mirjam“ drang es zu ihren Ohren leise, ״Mirjam“ eine Stimme weichen Flehens ergebener Liebe. Sie bebte zusammen, doch wagte sie nicht aufzuschaueny denn Sie bangte, dass ein Traum sie narrte, dass Fiebers fahtasien ihr die Sinne täuschten. ״Mirjam“, klang es wieder — leise flehend. Er stand hinter ihr. Sie wandte sich um und sank in seine Arme. 'Er führte sie in's Zimmer zurück, zum Divan, leise das Lied singend: ר Zeugen seid ihr Blitze, Blitze des Zornes. Doch nicht wie ehedem hemmte ein Küsseschwall das Lied. Nein — ihre Hand deckte seine Lippen . . . . eine kleine, weisse, kalte Hand. Und durch die Finger seiner Hand, die seinen Mund umschloss, drang in Mirjams Herz wieder flehend der Ruf: "״Mirjam,־ Mirjam, was ist Dir?“ Sie antwortete nicht, sie weinte.! ״Mirjam, kam diese Wehmutsstimmung über Dich ,weil ich Deinem Spiel nicht lauschte? “ ״Ist das nicht ein Zeichen erstorbener Liebe? “ 0״ nein doch. Nicht erstorbener Liebe. Es waren fremde Lieder, fremd meinem Denken, fremd meinem Fuhlen. “ . - ״Und warum das?“ ״Weil —- ja weil ein neuer Geist über mich gekommen, yin Geist, den Dein Spiel nicht kennt, ein Geist, der mich in seine Fittige riss und mächtiger ist als Deine Lieder, mächtiger als die Liebe.“ ,,Und ist das nicht ein Zeichen erstorbener Liebe, wenn Dein Sinnen mir umhüllt ist, wenn andere Gedanken, andere Empfindungen Deine Seele durchzittern, dass unsere Seelen nicht ineinander klingen, wie die Seelen einer gleichgestimmten Harfe??“ 0״ nein, Mirjam. Der Geist, der mich in seine Fesseln zwang, ist nicht geboren in der Welt unseres gemeinsamen Liebeslebens —er kam von aussen — aus der Ferne!" ״Doch warum kam dieser Geist nicht auch über mich?“ ״Weil die Liebe sich selbst liebt. Ich habe dien letzten Rest meiner Kraft gesammelt, um Dir zu verbergen, dass ein anderes Liebesfühlen meine Seele erfüllt. Ich hatty den Mut, nicht, dir ins Auge zu schauen, zu sehen, wie Deine Wangen erzitterten, erbleichten; denn ich fürehtete, ich könnte meines Himmels Sterne verlöschen.“.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.