Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ihre ganze Seele, die lohende, verzehrende Liebesgliit, ihr ungestümes Sehnen hatte sie in der Töne wirbelndes Spiel ergossen - denn nur zu seinem Herzen wollte sie sprechen . . zu seinem Herzen .... ,,Hast Du denn garnicht zugehört?u fragte sie mit1 bebender Stimme ... Er regte sieh nicht. Glutröte stieg in ihr auf . . die zarten Lider ihrer träumerischen Augen zitterten auf•:, und nieder. ״Was• ist. Dir, David?'׳ ruft sie erschreckt. ,,Was ist Dir?*4 — Dein Auge flammt blutigrot und, Deine Wange ist weiss, weiss wie Kalk! Du bist doch nicht krank!a — Hastig presste er die Worte hervor, als fiele ihm das Sprechen zur Last: ..Ach nein doch — gesund wie Immer.“—״ Er stand vom Stuhle auf und ging . . wankte durch's Zimmer. Aber bald sank er erschöpft auf dem Divan nieder* das bleiche, leidende Gesicht zur Wand gewendet. Sie blickte ihn. fragend an, . . ängstlich, todängstlich fragend. Dann erstarrte ihr Blick, als dämmerte in ihr selbst die Antwort auf. Sie fühlte wie es in ihr . aufstieg. , *du ungewisses etwas, dos sie peckte .. . . mit scharfen Krallen packte. Immdr klarer ward ilir's. es 'hat .siVh ein Fremdes in dir traute/Harmonie ihres besoohuidon Li«׳h.>sgliickes geschlichen. /Ihr wars, als sälm sie so ine Liebe ins Grab steigen: und dieses bohrende Schmerzgefühl zerpresste ihr den Busen, dass er keuchend nach Atom ringend - auf und nieder flog und die hemmende Gewandüng zu durchreissen drohte. Nervös nestelten ihre Eingor im Haar, dass die׳ Spangen sich lösten und don woissen Nacken herab . . dunkle Locken wallten . . ״Sag doch, was ist Dir?״ .- oder hat Dich nein Spiel verletzt?“ .- ,,Lass doch. Du hast gut' gespielt, sehr gut,״ antwortete er kält und missmutig und ohne tasndm Lippenzu regen . . r ..Warum also?“ -׳,.- - I Keine Antwort. ״Weisst Du noch?“ begann siewehmutsleise. .,mint gab es Tage“ — Sie . j konnte, den Satz nicht vollenden.. Thränen quoTen ihr aus den Augen und perlten die 'Wangen herab . . . die leidgebleiohten. Sie stand auf und ging zum Balkon hinaus und dort: stand sie und blickte auf das Funkeln und ' Leuchten ■ und Blitzen der Sterne, auf den Mond, der ----- ein einsamer Wanderer am Firmament aus der Mülle ׳dunkler Wolkeil hervorlugte, blickte min ummhleiertem Auge zum Himmel empor — a. 1 ldaeh ts versunk<*n wir־ in. stummem' jGbet . . . ׳ Und Bilder verrauschter Tage stiegen in ihrer K*־.־h* auf. Einst gab es Tage . . sie sind dahin, dahin aut' ewig. ׳ Zerstoben ist der goldige Traum. Dass doch alles-hienieder! ersterben muss . auch diö Liebe — Blumen welke!), Farben bleichen, Töne verhallen und die armen Men sehenherzen werden gebrochen, wie elende Scherben׳. Und doch mag mein Herz.nicht lassen von Träumen, von Träumen, geschwundenen, Glückes. . / . Es war ׳ einmal. Es war ein linder Frühlingstag, als ihre Herze'jti sich fanden, im Lenzes weben. j