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Berliner Vereinsbote · 1896-05-22 · Heft 21 (22.5.1896) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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fF A. Breslauer % Wurst- und Fleischwaaren-Fabrik *MS mit Dampfbetrieb BEftLIN W. 30. Potsdamer Strasse 30. Unter Anfstcht de» Kerliner Kaddinat». Filia](-: Markörafen^Strksie 34, Eeke Leipzigerstrasse. Gegründet 1866. i Telephon-Anschluss Amt VI, No. 786. In der Berliner GeWeHres Austeilung 1896 wird dem pp. Publikum in meinem PaviUdfi: (vis ä vis dem Alpen-Panorama, in der Nähe der Fischerei-Ausstellungjeine mit allen Maschinen der Neuzeit ausgestattete Wurstfabrik in vollem Betriebe gezeigt: sämmtliche ausgestellten und zum Verkauf ge- 'langenden Waaren sind in derselben fäbricirt. Zweiter Verkaufs-Pavillon. an cl&r Ostseite des Neuen Sees, an der Hauptpromqnade. ln der Special-Ausstellung Cairo befindet sich auch ein Verkauf meiner Wurst waaren. Die Erzählung meiner Grossmutter. Von Alphon.se Levy. . (Fortsetzung.) ״Simon, ich weiss, dass Ihr Euer treues Weib verloren habt und denke, Ihr tragt diese Prüfung mit Gottergebenheit. Macht Euch auf weitere Prüfungen gefasst. Ihr .könnt ohne schwere Lebensgefahr nicht länger mit Eurem Knaben hier verweilen. Rafft Eure wertvollsten Habseligkeiten rasch zusammen und folgt mir durch die Gartenthür in das Pfarrhaus. Dort seid Ihr zunächst sicher, wenn auch nicht auf lange. Eilt, zögert nicht, die Zeit drangt!“ .״.Gott im Himmel; was ist denn geschehen?“ ״Fasst Euch! In T . . . ist eine blutige Judenverfolgung ausgebrochen. Die Häuser Eurer Glaubensgenossen, von denen mehrere erschlagen wurden und die meisten flüchteten oder verborgen sind, stehen in Flammen. Euer Häuschen blieb durch, seine ..versteckte Lage und wohl auch durch die Nähe-des Pfarrhauses, verschont. Ihr könnt aber nicht bleiben. Euer Bruder Samuel, der zu den Opfern dieses Tages gehört, hat sein Hab und Gut wütend verteidigt und vor Seinern Tode viele seine Angreifer so zugerichtet, dass Ihr bei Eurer Aehnliehkeit mit Eurem Zwillingsbruder Euch nie wieder in T .. . sehen lassen könnt. Zerreisst Euer Gewand nicht, Simon! Ihr werdet es weiter brauchen. Was der Herr schickt, muss man geduldig tragen. Er wird Euch eine neue Heimat geben, wenn Ihr diese ohne Eure Schuld verliert. Starrt mich nicht so geistesabwesend an! Denkt, an Euer Kind, für das Ihr leben müsst. Komm Wolf! Drüben habe ich schöne Bilder für Dich; Dein guter Vater kommt uns schon nach.“ Eine Stunde später sitzt Simon, das schlafende Kind auf seinem Schooss, im Zimmer des Pfarrherrn diesem gegenüber und hört, wiederholt sein Einverständnisse mit Kopfnicken bekundend, in ruhigerer Stimmung den Vorschlag des Pater Gabriel an, in der kommenden Nacht mit seinem Kind T... heimlich zu verlassen und über die sächsische Grenze zu flüchten. .,Ihr verkauft mir Euer Häuschen“, sagte der milde Pfarrherr, ,,für. achthundert Gulden. Ich würde Euch gern mehr dafür geber^ wenn ich mehr hesässe. Aber ich kann doch noch etwas für Euch thurn ich will Euch ein latei- 'nisehes Empfehlungsschreiben, oder richtiger ein Zeugniss mit geben, dass Ihr als das unschuldige Opfer einer frevelhatten ■Verfolgung Eure Heimat verloren habt und des Mitgefühls sowie der Unterstützung jedes guten Christen wert seid! Jeder rechte Priester wird Euch dann in Böhmen wie in Sachsen vor dem Schlimmsten zu schützen suchen. וו י« bloch . Chemische Waschanstalt, Färberei Garderoben-Reinigung. WascH-Anstalt für Gardinen, Stores, Deeken. Teppich-Ueinls<m-»- und Klops-Anstalt. Fabrik: BERLIN N., Brunnenstrasse 73. 15 eigene Annahme-Lokale in Berlin. Am Dienstag,, den 19. Mai fand die Eröffnungsvorstellung int Olympia lUesen-Theater statt. ״The Orient", ein Austattungsstück mit Ballet von Bolossy Kiralfy erinnert lebhaft an die Zeiten des verflossenen Victoriatheaters, nur dass die Pracht der Costfirne und die blendenden Lichteffecte jenes weit überstrahlen. Wenn män bedenkt, was Berlin in ähnlichem Genre schon bietet, so muss man zu der Ansicht kommen, dass das neue Unternehmen einen schweren Kampf haben wird, um auf die Kosten zu kommen. Jedoch Hach dem Eindruck zu sehliessen, den man gestern gewonnen, ist wohl anzunehmen, dass die Berliner und nicht minder die hier weilenden' Fremden in hellen Schaaren nach der Magazinstrasse pilgern werden. Besondere Furcht, keine Plätze Zu bekommen, brgfiicnt niemand zu haben, denn das Theater fasst 8000 Personen. ° Plr Unserer heutigen Nummer fliegt eine Beilage der Heilanstalt ״Timarianum“ bei, auf welche wir die verehrten Leser besonders aufmerksam machen. Nun geht zu Bett und sucht. Kraft im Schlafe. Ihr werdet sie zu der weiten Wanderung brauchen; Ihr hättet auch den Wein nicht verschmähen und Euch nicht mit Milch und Brot begnügen sollen! Bedenkt, dass Ihr morgen Nacht fort müsst. Meine alte Brigitte ist zwar gehorsam, aber länger als vierundzwanzig. Stunden wird sie es doch kaum verschweigen,, wem das Pfarrhaus Schutz gewährte. A'tof* schlaft wohl!“ Mit heissen Dankesworten scheidet Simon in der nächsten Nacht von seinem edlen Lebensretter und wandert, sein Kind und einige Lebensmittel tragend, hinaus in die Ferne, seine Schritte rasch nordwärts lenkend. Die offenen Landstrassen möglichst vermeidend, sucht er auf Waldpfaden den ■Weg zu der hochgelegenen Grenze zu gewinnen, was ihn! nach längerer Zeit gelingt. Gezwungen, den dreijährigen Knaben stundenlang zu tragen und nur von Brod und Milch zu leben, den einzigen Nahrungsmitteln, die Simon in einsamen Bauernhöfen für wenige Kreuzer erhält, fühlt er bereits bei dem׳ Betreten des sächsischen Bodens seine Kräfte vollständig erschöpft. Trotzdem wandert er mit seinem Kinde auf einem Waldwege weiter bis er zu einer Lichtung kommt, wo er todtmüde Halt macht, ein mitgeführtes starkes Wollentuch auf einen vom Sturm, umgebrochenen starken Stamm wirft und sich mit dem Knaben darauf niederlässt, um der Ruhe zu pflegen. Wie lange diese Rast dauert, er weiss es nicht, denn nicht der Schlaf, sondern eine tiefe Ohnmacht hat den armen Mann umfangen, dessen Kräfte vom Kummer um den Verlust der Gattin und der Heimat, von der langen Wanderung bei ungenügender Nahrung und von der Sorge um die Zukunft aufgezehrt sind. Der bewusstlose todtenbleiclie Mann und das vor ihm knieende weinende Kind bilden eine rührende Gruppe, welche das Erstaunen einer sich derselben nähernden vornehmen Jagdgesellschaft wachruft. Die derselben voranschreitenden, von einem alten Förster geleiteten beiden adligen Jagdjunker befragen den schluchzenden Knaben um Namen und Herkunft, während der alte Waidmann dem Ohnmächtigen Stirn und Brust mit Branntwein einreibt und ihm auch einige Tropfen einzuflössen sucht. Dabei findet der Förster auf Simons Brust die für den Verkauf seines Hauses erhaltene Summe und das ■Empfehlung^*־״ schreiben des mildherzigen katholischen Pfarrherrn. Inzwischen ist auch die übrige Jagdgesellschaft herangekommen. Während der alte Förster noch immer um den längsam zum Bewusstsein Erwachenden beschäftigt ist, und Jagdjunker von Heygendorff das sich vor der Meute fürchtende Kind zu beruhigen sucht, überreicht Jagdjunker von Gersdorf ehrerbietigsf einem mit ernstem Blick herantretenden Herrn das Schreiben des Pater Gabriel, welches

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