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Berliner Vereinsbote · 1896-05-08 · Heft 19 (8.5.1896) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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VICTORIA ZU BERLIN. DIRECTION: BERLIN S.W., LINDEN-STRASSE 20 21. Ver8icherung8be8t»nd der Leben■-I .״ . .. ■ Getammtreserve ult 1894 Versicherung« - Abteilung ein- Ai1«rhpch8t■ Mark 88,391,513. Hchliosslieh der Volks-Versicherung oß c״ Geaamratactiva ult. 1894 ca. Mark 400,000,000. I 26־ Sepfcmb. 1853. Mark 95,422,991׳ LEBENS-VERSICHERUNG UNFALL-VERSICHERUNG ״ ״ . ״״ . . mit Rückzahlung aller entrichte! mR Prämien-Befreiung im, Prämien und Gewinn-Betheiligu ״Invaliditätsfalle. Dividende pro 1894 3P/*<Vn. Agenturen und der Direetion. Porlin S.W, 6, Jerusalemerstrasse 6. Gustav Silberstein Tapezierer u. Deeoräteur Eigene Gardinen-Wasch u. Spann-Anstalt. BERLIN O. Wallnertheater-Strasse 16, ' Uebernahme sämtlicher Dekorationsarbeiten bei ,Umzügen. Reparatur-Werkstatt. Leiteste — Special-Fabrik tu!■ ' Eisschränke, Sidits. Küeknmöbel. A w<P f Aflfsc&euer- Tische. Waschtische. Eismaschinen. Waschfässer etc. p Möbel-Fabrik Berlin, Leipzig־er־St1\ 114. D. & B. 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(Ausmen: die Zärtlichkeit, meiner vornehm-stolzen <4 ross mutt־ er für mieh hatte wohl nur den Grund, dass sie an mh״ nicht dieselbe׳ ängstliche Scheu• wie an den Andern waln־nahm. ,Trotzdem hat sie mich oft heftig ausgescholten, mber ihr Groll hielt nie lange ans. Als .sie an meinem nennten . Geburtstage ׳ durch Krankheit verhindert wurde,' ein Geschenk für; mich zu kaufen, lind ich die mir dafür angebotenetr beiden blanken Thal er mit der bündigen Erklüru.ug zurück wies, daks ich nur von meinem Väter Geld vndnneiji <1 ürf״ und wölb*, 'war sie auch erst, bitterböse׳; ghdrj! darauf strich sh* mir aber wie^ler lächelnd die Löcken zurück mal küsste mich zärtlich. Mein kindlicher Stolz hrpte ihr gefallen, wie sie später zu meinem Vater 'sagte, welejletn ,sie 'daiin ihei ülhtzlet׳ gab, uni .;mir. die• ״illustrirte Xatnrgusc׳hiuhte von Stein14 5$11 kauten, die ich mir längst gewünscht׳ jiane. .. . . ' ■ '* . ־!l r plüt־ .na Ost♦ ׳11־ Kinder haben e i n ein' ausgeprägten Schönlautssinn und.s0׳ bewunderte ich die hohjeitsvolleGrossmutter, diu; ihm■!‘! ■!01 Altar' Spujeii׳ ehemaliger grosser Schönheit z»*igt»\ Stmidanlang konnte• ich auf dem Taburett von ihrem St p hie sirxan^ ihren Erzählungen ׳aus :der Zeit der französis♦ 1s!;1Okkupation lauschen, oder ihr in kindlich-offener ül>aj* meine kleineren Erlebnisse in der Schule benelitan Nun wurde im Jahre 1847 eine grossartige Pestalozzi- Fm< ן in der Weis♦־ begangen, dass alle Schulen ihre besten Sii!;gor arm*inem grossen Gesangskonzert teilnehmen lieSsen. walehes im ih.1hwsga.rian in Dresden-Neustadt. unter Leitung du י; ()!*jilieus-pitig* jitaii Müller abgehalten wurde. Der Chor, in welchem ich als der allerjüngste Sopranist mitwirkte, stand unter der besondereil Leitung des späteren Kantors an der Dresdener Annenkirche, Volkmar Schurig. Auf meinen dringenden Wunsch hatte mir mein Vater eine V schwarzrotgoldene Fahne gehäuft, die ich in dem längen Zuge mit grossem Stolze trug, deren Schaft aber im Palaisgarten während einer Konzertpause von fremden Knaben zerbrochen wurde, die grünweisse Fahnen besassen und sich über meine ״Demokratenfahne44 ärgerten. Den Kummer, den ich darüber empfand, glaubte ich meiner Grossmutter mitte den zu dürfen.־— aber da kam ich schön an! Kaum hatte ich ihr mein Leid geklagt, da stand sie so heftig von ihrem Stuhle auf, dass sie mich bald umgeworfen hätte; die grossen Augen funkelten zornig und in ziemlich reinem Hochdeutsch, das sie immer sprach, wenn sie böse war, schrie sie mich an: ״Dir ist recht geschehen 1 Auf Deinem Bücken hätten sie die Fahne zerschlagen sollgn! Ein; Enkel von Beb Wolf Trczka hat kein schwarzrotgoldenes Ding zij tragen; das werde ich auch Deinem Vater sägen! Zu ihm hat Beb Wolf nicht umsonst ׳noch ganz zuletzt ״gesagt: Geb mir Acht auf das Jüngele! Nun erzieht er ihn schwarzrotgold, zum Demokraten! Das sind ja schöne .Geschichten!u Allen meinen Mut zusammen raffend, stotterte ich: ״Aber Grossmiitter! wir Juden haben doch allen Grund für Freiheit,; Gleichheit und Brüderlichkeit uns zu begeistern und die sind .unter' diesem Banner zu findend4 Erstaunt blieb die Grossmutter vor mir stehen, fasste mit eisernem Griff meine Schulter und sagte dann im härtesten Ton: ״Ich will f)eine abgelaus(fhte grüne Weisheit nichts Du verstehst ja noch gar nicht, was solche' Redensarten׳' bedeuten. Die rechte Freiheit haben wir, wo Gesetz und Ordnung herrschen; die Gleichheit aller Menschen ist nicht, , Gottes Wille, sonst hätte er die Menschen nicht so ungleich geschaffen; Brüderlichkeit soll nur zwischen edlen Menschen herrschen! Wie oft hat man sich aber zu niedrigen und schlechten Zwecken verbrüdert!44 *. ' t ' . ____1 ' (Fortsetzung, folgt.) •־־ *

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