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Berliner Vereinsbote · 1896-05-08 · Heft 19 (8.5.1896) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ff A. Breslauer 1;ד vjr^r Wurst־ und Fleischwaaren-Fabrik 1W2) mit Dampfbetrieb *ג^ך) BERLIN W. 30. Potsdamer Strasse 30. Unter Aufsicht -es Berliner Navkinat». Filiale: Lr»rkgrnfen-Strasse Ä4, Loks Lslpzlgsrstrasss. Begründet 1866. Telephon-Anschluss Amt VI, No. 786. In der Berliner Gewerbe Austeilung 1896 wird dem pp. Publikum in meinem Pa villon! vis ä vis dem Alpen-Panorama. in der Nähe der Fisch׳erei-Ausst<*lhmg)'eine mit allen Maschinen der Neuzeit ausgestattete Würstfabrik in vollem Betriebe gezeigt: sämmtliche ausgestellten und zum Verkauf gelangenden Waaren sind in derselben fabricirt. Zweiter Verkaufs-Pavillon an der Ostseite des Neuen Sees, an der Hauptpromenade. In der Special-Ausstellung Cairo befindet sich auch ein Verkauf meiner Wdrstwaaren. Bau-Klempnerei von 8. Friedenstein 4. Eichendorffstrasse 4. Werkstatt für Ga«,- Wasseru. Canalisatian«-Anlagen. Elektrische Installationen. Specialität: Haustelegraphen. Reparatur״ schnell, sauber u. billig. 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Der bekannte Schriftsteller Karl Emil Franzos bat in einem seiner neueren Werke mit vollem Rechte die That- , sache betont, dass es unter den Juden einen wahren Reichtum an Familien-Traditionen giebt. Dazu haben zwei ihnen anhaftende Eigenschaften mitgewirkt: ihr Familiensinn .und ihre Achtung vor den Toten. Um so bedauerlicher ist es, dass dieser Reichtum an Ueberlieferungen wenig in die Erscheinung tritt, weil das, was dei; jüdische Vater dem Sohne von würdigen Vorfahren erzählt, nur sehr selten aufgezeichnet, wird. Um so bedauerlicher, weil wir durch viele wahre kleine Einzelzüge Beweise für Thatsacheii erbringen könnten,י welche von vielen vemrteilsvollen Beobachtern heutzutage bestritten werden und dennoch Thatsacheii sind. Aus sehr vielen jüdischen Familiengeschichten Hessen sich z. B. Beweise für die Anhänglichkeit der Juden an ihr Vaterland schöpfen, Beweise für ihre dankbare Gesinnung und für manche andereKigenschafteti, die ihnen zur Eli re gereieben. Dass die Treue für das Volk, in dessen Mitte es seine Heimstätte gefunden, ein Grundzug der deutschen Juden ist, würde aus mancher Familiengeschichte erkennbar werden und manches Vorurteil widerlegen. Wenn ich es unternehme, ein Bruchstück aus der Geschichte meiner eigenen Familie zu bieten, leitet mich der Gedanke, dass auch in dieser harmlosen Erzählung Bich Aehnliches wiederspiegeln und Manches enthalten sein wird, was durch seine innigen Beziehungen zu dem trauten jüdischen Familienleben und zum Vaterlande freundliche Teilnahme erwecken dürfte. Ich bemerke im Voraus, dass es sich um eine Erinnerung meiner Kindheit handelt und dass die Phantasie des Dichters dem kleinen Familienbilde einen goldenen Rahmen gegeben hat, der vor der Kritik des Historikers vielleicht nicht vollständig bestehen kann. Was ich berichte, ist Wahrheit und Dichtung, weil die Thatsachen ziemlich weit zurückliegen, aber die Tendenz meiner Erzählung entspricht jedenfalls meiner ,ehrlichen Ueberzeugung und die Schilderung der Charaktere aller Hauptpersonen, von denen Einzelne noch in der Erinnerung der älteren Mitglieder der Dresdener Gemeinde fortleben, ist möglichst naturgetreu gehalten. I. Kapitel. r Meine Grossmutter. Zu den freundlichsten Erinnerungen meiner Kindheit zahle ich jene Stunden, die ich bei meinen Grosseltern v«־rlebte, welche ein eigenes Haus in der Rampischen Strasse in Dresden .besessen, an dem ich־ heute noch nicht ohne Rührung vorübergehe. Der geräumige Erker, die hohen Zimmer mit den teils knallroten, teils gross geblümten Möbeln behagten mir weit besser als die engen Stübchen der elterlichen Wohnung in der Schiessgasse mit der selbst nach damaligen Begriffen, höchst einfachen Einrichtung. Des kleinen zierlichen Grossvaters entsinne ich mich nur־ sehr schwach, weil ich noch sehr jung war, als er zur ewigen Ruhe ging. Um so fester steht in meiner Erinnerung das Bild meiner Grossmutter, welche in ihrem 70. Lebensjahre• starb, kurz vor meiner ״BannitzwfV״. welche sie so gern noch erlebt hätte. Julie Judith Le vy war aber auch eine Erscheinung, welche wohl Niemand vergessen hat, der jemals mit ihr in Berührung kam. eine eigentümliche Frau, deren tiefinniges Gemiith unter’einer rauhen Aussen sein׳ schluminerte, die wegen ihrer fast männlichen Energie selbst■' von ihren Kindern und Enkeln mehr gefürchtet als geliebt wurde, die mit Pfennigen geizte, um dann mit ansehnlichen .Summen Gutes zu thun. Sie war streng gegen jede Unart, willensstark bis zur Halsstarrigkeit und doch Unglücklichen gegenüber weich wie Wachs und für vertrauensvolle Liebe ungemein empfänglich. Wenn die hohe hagere Gestalt' in dein ungewöhnlich engen schwarzen oder grauen Seidenkleide, welches sie am Sonnabend oder an Festtagen trug, zur Thür* 11*ת־*inkam, hatte die Erscheinung beinahe etwas׳ Unheimliches, das durch wunderbare grosse grünliche Augen, welche aus -dem von einer bänderreichen Schabbeshaube ׳umrahmten, ■tiefgefürehten Antlitz hervorleuehteten, noch wesentlich erhöht wurde. Aber diese grossen oft recht hart blin kenden grünlichen Augen

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