Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1896)
- Date
- 1896-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gar einen vollständigen Verfall zu verhüten, kann wirksam nur eingetreten werden, wenn dem Hilfsbedürftigen vorschussweise ein Darlehn gewährt und die Rückzahlung durch Gestattung von Ratenzahlung erleichtert wird. In dieserWeiso wirkt der Verein seit sein em nunmehr 50jährigen Bestehen, tausenden kleinen Gewerbetreibenden und Hand- ״werkern hat er geholfen und sie vor Verarmung geschützt. Die Ansprüche an den Verein jedoch werden durch die Ausdehnung der jüdischen Gemeinde immer grösser und es würde noch weit mehr Gutes gethan werden können, wenn die Zahl der Beitrag zahlenden Mitglieder sich vergrösserte, denn wenn je ein gutes Werk der Unsterstützung wert war, so darf dieselbe sicher für diesen Verein in Anspruch genommen werden. Unser Appell an die verehrten Leser geht dahin, sich möglichst zahlreich beim Vorsitzenden des Vereins, Herrn Oscar Rathenau, Bendlerstrasse 26, als Mitglied anzumelden* auf dass die segensreiche, im Dienste des Humanität und der Menschenliebe aufgebaute Thätigkeit der Vereins, zu einem gedeihlichen, erfolgreichen Fortbestehen auch in —kommender Zeit geführt werden kann. Mit einen! Vorträge über ״SinnesWahrnehmungen und Sinnestäuschungen“ gehalten von Prof. Dr. Mendel fand der diesjährigen Vortragscyclus des ״Vereins zur Unter- Stützung Jüd. Gelehrter“ einen würdigen Abschluss. Auch diesmal war -die Aula bis aufs letzte Plätzchen besetzt und das dankbare Publikum folgte bis zuletzt mit vollem Interesse den allgemeinverständlichen Darlegungen. Zunächst erklärte der Vortragende die Erscheinungen und Ursachen des Sehens und die Reizerscheinungen, sowohl natürliche als künstliche, die z. B. das Erblindetsein hervorrufen und das Sehen von Farben. Farbenblindheit kann unter .Umständen eine grosse Gefahr mit sich bringen, z. B. wenn ein Lokomotivführer von dieser Krankheit betroffen wird* da ■das Stadim der Farbenblindheit sehr schnell eintritt, so ist eine oftmalige Untersuchung sehr geboten. Redner verbreitete sich sodann über die Thatsache des Sehens nur eines und zwareine8 aufrecht stehenden Bildes mit zwei Augen und erklärte die Art des Zustandekommens des Gesammt- Hildes. Alles, was wir sehen, ist durch die Vermittelung der Sinne in uns gekommen. Es ist ein alter Satz, dass nichts in unseren Gedanken ist, was nicht hinein gekommen ist durch die Sinne. Von dem normalen Zustand der Sinne zn dem abnormalen übergehend, unterschied der Vortragende zunächst drei Arten von Vorstellungen, welche durch eine Ideenassociation hervörgerufen werden: Vorstellungen, welche ähnlich, solche, welche im Contraste und solche, welche gleichzeitig auftreten, oder unmittelbar aufeinander folgen; auf Grund dieser Ideenassociation ergeben sich die Wahrnehmungen. Aber es giebt nun Zustände, in welchen diese Association nicht zur Geltung kommt, wo sich die Wahrnehmungen mit einander vermengen ohne Gesetz, und diese Zustände kennen wir unter dem Namen der Sinnestäuschungen. Hervorragend ist hier derZustarCd des Traumes; feiner die Hallucinationen, durch eine Reihe von Giften, welche der Mensch sucht, um sich in dieser Sinnestäuschung Erholung zn verschaffen nach des Tages Leiden und Sorgen. Diese Gifte sind nach den Ländern verschieden, bei uns ist es der Alkohol, im Orient das Opium, in Indien der Gaschisch. Redner führte verschiedene Beispiele an, woraus hervorging, dass die Ursache des Genusses bei den Völkern derselbe sei, nur die Art und die Wirkung sich ändern könnte und ging dann über zu den Betrachtungen, ob man im nüchternen Zustande Hallucinationen haben könne. Er erinnerte aii den Dämon des Sokrates, welcher ihn warnte oder ihm zuredete, Sokrates selbst beschrieb diesen Dämon als eine wirkliche Stimme, die er hörte und der ihm, wie er meinte, von den Göttern auf den Weg gegeben worden. Ferner Luther auf der Wartburg, der dem Teufel, den er leibhaftig zu sehen wähnte, das Tintenfass an den Kopf warf. Auch die Stelle aus Goethe’s Schriften ist interessant, wo der grosse Dichter von einem Traum erzählt, wo er sich selbst auf einem gleichen Pferde entgegen geritten kommen sah. Man müsse übrigens unterscheiden, zwischen Hallucinationen, Visionen und Illusionen. Redner erwähnte, dass sich viele Erscheinungen, die aus der alten Zeit berichtet werden, auf Hallucinationen oder Visionen einzelner Personen zurückführen lassen. Die Sinnestäuschungen führen uns 80 in eine ganz neue Welt, die der Welt der Realität nicht entspricht. Doch ist es eigentlich nicht richtig, von Sinnestäuschungen zu sprechen: Die Sinne täuschen nicht, sondern unser Geist täuscht die Sinne, die ja selbst auf festen physiologischen Gesetzen beruhen. Nach dem launig endenden Vortrage lohnte das Publikum den grossen Gelehrten mit reichem Beifall. Auch dankte Namens des Vereins der Vorsitzende Herr L. Stein für das Opfer, das der so viel beschäftigte Herr Professor dem Verein gebracht. Einen ausführlichen Bericht über die segensreiche Thätigkeit des ״Vereins für jüd. Krankenpflegerinnen zu Berlin“ bringen wir in der nächster Nummer. weine כעיר ש־< פסח ■ herbe und süsse, sowie MT!Cognac und Bordeaux_ in verschied. 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Zu^ Vermeidung vwT Unregelmässigkeiten in der Zusendung des ״Berliner Vereinsbote“ bitten wir die verehrt Vereinsvorstände und Mitglieder um die durch den Umzug notwendig gewordene Berichtigung der Adressen. Reclamationen sind möglichst bald in unserem BUreau, Kaiserstr. 39|40, anzubringen. כשד שיי* פסה Herbe .und süsse Nngarweine, Roth-, Mosel- und Rheinweine, sowie Liqueure in den vorzüglichsten Qualitäten. Engros. Detail. . __ Telephon Amt HI, No. 161. כשד h. euuu. Inhaber: I. Kretschmer. Spandauerstrasse 57. Restaurant u. Frühstücksstube• Verkauf ff. Fleisch- und Wurstwaaren. Zu beiden Sederabenden nehme Anmeldungen schon von heute an entgegen. Sämmtliche Pessach-Waaren. Schneidergesellen, der dauernden. angenehme Arbeit findet, suche per sofort. H. Cohn, Schneidermstr., CuNhavenerstr. 2, Bahnhof Thiergarten. hHbta M. Rosenthal« »W- Restaurant Kiinigstr. 31. Amt VII 1874. Gustav Silberstein Tapezierer u. Decorateur Eigene Gardinen-Wasch u. Spann-Anstalt. BERLIN O. 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