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Berliner Vereinsbote · 1896-03-20 · Heft 12 (20.3.1896) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Empfehlenswerte Handwerkerfirmen. Bäcker. Damenschneider. Decorations-Maler. Jalousie-Fabrikant. S. Joseph .Grenadierstrasse 17. N. Cohn Weissenburgerstrasse 20. A. Süsskind Steinstrasse 11. Julius Tobias .Blumenstrasse 37. Klempner. Glaser. Max Lehmann Mendelsohnstrasse 11. Tischler. J. Markus Grenadierstrasse 26. L. Rabau Klosterstrasse 13. Stabennnd Schildermaler. J. Schick Grenadierstrasse 42. H. Friedenstein Eichendörfstrasse 4. chneidermstr. u. Repar.-Werkst. 0. Löwenstein Strelitzerstrasse 3. Uhrmacher. Barbier-, Friseura. Heiigehüife. A. Rabau Blumenstrasse 3. Vergolder. A Blumenreich Chorinerstrasse 73. H. Strauch Münzstrasse 23 a. Herrehschneider. J. Loewenthal Grenadierstrasse 12. Schuhmacher. Wattenmacher, M. Baum Lothringerstrasse 109. Tapezierer. M. Marcus Münzstrasse 11. M. Händel Lothringerstrasse 46. M. Lichtenstein Dragonerstrasse 31. Contor und Werkstatt. Erzählung aus dem jüdischen Familienleben von Alplionse Levy. In dem Bänkcontor von Moritz Colin in Amsterdam stehen an einem schönen Sommertage zwei junge Männer an einem Doppelpult, über ein Contocorrent gebeugt, dessen Dichtigkeit Beide eingehend zu prüfen scheinen. Dabei zeigt das südländische Gesichtdes einen jungen Mannes einen tiefernsten Ausdruck, die hochgewölbte Stirn ist etwas gefurcht, dichte schwarze Brauen beschatten grosse meergrüne Augen und eine feingeformte bleiche Hand streicht wiederholt die fast blauschwarzen Locken des Haupthaares zurück, welche immer wieder nach vorn fallen. Zu diesem jugendlichen Buchhalter bildet der neben demselben stehende Sohn des Hauses einen eigentümlichen Gegensatz; obgleich kaum ein Jahr älter, hat er "doch alles Jugendliche beinahe abgestreift. Di© Figur ist allerdings tadellos, wie der aus einem der ersten Londoner Magazine stammende Anzug, aber das blonde Haupthaar ist bereits stark gelichtet; die Gesichtsfarbe ist ungesund; die Augen sind matt und umrändert und können das Pince-nez nur selten entbehren. Um den Mund, den ein kleines Schnurrbärtchen ziert, spielt jedoch ein gutmütiges Lächeln. ״Bis auf eine Differenz von hundertundzehn Gulden bei den russischen Loosen ist alles richtig. Ein ähnlicher Irrtum war schon bei der letzten Abrechnung von Cahen d'Anvers in Paris entstanden, weil dieses Haus die Rubel anders anrechnet, als es an der Amsterdamer Börse Usance ist. Ich werde den Posten sogleich dementsprechend um* ändern.“ ״Was Sie für einen hellen Kopf haben, Dö Costa, ich wäre darauf nicht gekommen und hätte dann der Lappalie wegen von meinem Vater hübsche Vorwürfe bekommen, als ob unsereiner an einem solchen schönen Tage nicht etwas Angenehmeres treiben könnte, als sich mit Zahlenreihen herumzuplagen! Sagen Sie, De Costa, wollen Sie mit mir heute Abend einen Spazierritt machen? Sie sind ja ein trefflicher Reiter und Ihr Rappe ist ein herrliches Thier!“ ״Das Pferd, das ich am vorigen Sonntage im Parke ritt, ist nicht mein Eigentum, sondern das meines Schulfreundes, dem es Vergnügen macht mir Reitunterricht zu geben. Er hatte mich gebeten, so lange er durch Unwohlsein selbst am Ausreiten verhindert war, den Rappen zu benutzen. Sie kennen ja den Besitzer; es ist Fernando Mendez.“ ״Der? Nun der schlaffe Mensch wird auf dem göttliehen Thier lange nicht die Figur machen wie Sie, feuriger Portugiese! Er hätte wahrlich nicht den Mut gehabt, den durchgehenden Pferden unserer Equipage, wie Sie, in den Zügel zu fallen und dadurch meine Schwester Anna vor grossem Unheil zu bewahren. Eigentlich sind wir doch schrecklich undankbare Menschen! Meine Schwester und ich haben Ihnen noch kaum gedankt und Papa hat• Urnen seit dem letzten Sonntage noch kein freundliches Wort gesagt. Das thut mir persönlich sehr leid.“ Mit diesen Worten drückt der junge Bankier dem über und über errötenden Buchhalter die Hand. In demselben Augenblicke überbringt der Portier des Hauses dem letzteren ein duftendes Billet und gleichzeitig einen mit Bleistift beschriebenen offenen Zettel. Nach Durchsicht des Zettels verlässt De Costa glutrot das Contor und geht in den Vorhof, wo seiner ein etwa siebzehnjähriges, ärmlich aber sauber gekleidetes Mädchen wartet, nach der unverkennbaren Aehnlichkeit eine Schwester des Buchhalters. Die Beiden begrüssten sich herzlich, ohne zu bemerken, dass der junge Julius Cohn durch das grosse Glasfenster neugierig und bewundernd den Besuch mustert. ״Ist etwas zu Hause vorgefallen, Esther, das du den weiten Weg aus der Judengasse bis hierher gemacht hast? Nichts? Nun, desto besser, was hast du für ein Anliegen?“ ״Ich hatte Angst, lieber Paul, Du könntest wieder vergessen, dass heute Freitag ist und wieder zu unseres lieben Vaters Verdruss bei dem Kidusch (dem Segensspruch am Sabbat-Eingang) fehlen. Du weisst. Vater quält sich die ganze Woche für das tägliche Brot, aber der Sabbat ist seine höchste Lust. Dich aber, seinen ältesten Sohn, dabei zu vermissen ist Wermut in seinem Freudenbecher!“ ״Aber liebe Schwester, es war ja nicht so böse gemeint, aber ich habe doch auch andere Verpflichtringen. Weil ich das Glück hatte, in der jüäichen־ Gemeindeschule die Aufmerksamkeit der Vorsteher auf mich zu ziehen und dadurch eine Freistelle in dem Lyceiim zu erlangen, bin ich durch meine vornehmen Mitschüler in ganz andere Kreise gekommen wie Ihr. Wenn ich die Einladungen benutze, die mir jetzt vielfach zugehen, ist das auch in Eurem Interesse. Meine Stellung hier im Hause Moritz Cohn ist ja ganz gut, aber sie trägt nicht genug, um Etwas für Euch zu erübrigen, und sie bietet ■mir nicht die .geringste Chance für die Zukunft. Sieh', da habe ich schon wieder eine Einladung, vielleicht wieder von Fernando Mendez, der mir eine bessere Stellung schaffen will. Du erlaubst?“ Damit erbricht er das duftende Billet und *wird blutrot, als er die darin enthaltenen Zeilen überfliegt. Hastig verbirgt er das Briefchen in der Brusttasche und wendet sich wieder zu seiner ihn scharf beobachtenden Schwester. ״Esther, Du musst dem Vater-erklären, dass ich auch heut Abend nicht kommen kann. Eine Angelegenheit von hoher Wichtigkeit nimmt mich in Anspruch. Ich bin Dir sehr dankbar, dass Du hierher gekommen bist, liebe Schwester, und es mir dadurch ermöglichst^! en Vater über mein Ausbleiben zu beruhigen. Ich werde dafür morgen den Tempel besuchen und dann bestimmt zu Euch kommen.“ Dem Mädchen traten Thränen in die Augen; siedrückt dem Bruder stumm die Hand und eilt tief betrübt hinweg. (Fortsetzung folgt.)

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