Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lülode-Baar Guttman Nachf. Landsbergerstr. 66/67. Artikel aller Branchen. ä^T“ Jeder Vorzeiger dieses Inserats erhält 5°/״ Rabatt. Die Wolffsche Ez-Chajim - Gemeinde veranstaltete am Sonntag, den 19. d. eine Chanukahfeier für die Schüler ihrer Religionsschule. Fast 200 Kinder hatten sich mit ihren Angehörigen eingefunden. Nach dem Mincha-Gebet und Anzünden des Chanukablichtes trug eine Schülerin ein auf das Fest bezügliches Gedicht vor, sodann ergriff Herr Rabbiner Dr. Grünfeld jr. das Wort zu einer zu Herzen dringenden Predigt, der er die Bedeutung des festes für das Alter und die Jugend zu Grunde legte. Sichtlich erbaut verliessen die Erschienenen das Gotteshaus. Es war eine herzerheben de Feier, die am 2. Chanukatage in den Räumen des 1״. jüdischen Kindergartens“ Gormannstrasse 3 stattfand Auf Anregung der Frau Elise David fand eine Chanukabescherung statt, bei welcher 91 Kinder reichlich beschenkt wurden. Die Mittel hierzu wurden vom Comite der Ehrendamen, das sich aus folgenden Damen zusammensetzt: Frau Justizrat Rosenheim, Frau Paula Wätow, Frl. Büna Cohn, Fr. Baumeister Fraenkel, Fr. Kayser, Fr. Anna Kristeller, Frau Anna Cohn, Fran Abraham, Frau Emma Wolff, Frau Rosa Meyer, Frau Eva Engel, Frau Emilie Meyer, Frau Sanitätsrat Ehrenhaus, Frau Herzberg und Frau Elise David gesammelt. Nachdem Fräulein Uller, die erste Kinderlehrerin, die Bedeutung des Tages erklärt hatte, führten die Kinder Spiele auf, die sich allgemeinen Beifalls erfreuten. Herr Abraham entzündete hierauf das Chanukalicht und Herr Sanitätsrat Ehrenhaus hielt eine für Kinder und Eltern erhebende Ansprache, welcher die Verteilung der Geschenke folgte. Es ist wieder eine gute edle That geschehen. Den Spendern wie den Ehrendamen für ihre grosse Mühewaltung sei bester Dank! Umschau — Professor Dr. James Israel, der bekannte Berliner Chirurg feiert am 1. Januar 1898 das Jubiläum seiner 25jährigen Thätigkeit atn Kranken hause der jüdischen Geineinde. — Herrn Kommerzienrat Hugo Landau ist vom Könige von Serbien das Kommandeurkreuz des Takowa - Ordens verliehen worden. Berlin. (Die Religion in der Medizin.) In der ״Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ veröffentlicht Herr Geheime Med.־ Rat Prof. Dr. A. Eulenburg folgende Betrachtung: ״Von eigentümlichen Gedanken muss man erfüllt werden, wenn man die erste Annoneenspalte der letzten Nummer eines unserer grössten medizinischen Fachblätter übersieht. Da findet man unmittelbar hintereinander Inserate folgenden Inhalts: 1) Die Direktion der Diakonissenanstalt in Kaiserswerth sucht einen Assistenzarzt evangelischer Konfession. 2) Gesucht ein junger christlicher Kollege, der sich bei einem vielbeschäftigten Spezialarzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten zum Specialisten ausbilden möchte, 3) Dr. B. L. in Berlin such sofort einen Assistenten (Jude). 4) Assistenzarzt (katholisch) gesucht für das Hospital der Schwestern vom heiligen Kreuz zu Düsseldorf. 5) Evangelischer Arzt gesucht zum 1. Januar 1898 für einen Ort bei Magdeburg, 2000 Seelen — hoffentlich sind unter den letzteren keine katholischen und jüdischen. 6) Zuverlässiger Kollege, Christ, wird für bequeme uud angenehme Landpraxis zunächst als Asistent, dann zur Vertretung gesucht. — Diese durch ein Spiel des Zufalls vereinigten sechs Annoncen, in denen alle bei uns denkbaren Spielarten vertreten, — intra muros peccatur et extra! — geben doch recht viel zu denken. Wie weit scheinen wir von jener geschmähten Zeit mittelalterlicher Intoleranz entfernt zu sein, in der Juden als ärztliche Beistände christlicher und islamitischer Fürsten, ja der Päpste sogar fungieren durften! Jetzt scheint sich auch nach dieser Richtung hin die so vielgerühmte moderne Spezialitätenteilung herrlich zu offenbaren. Wenn zu der Scheidung durch allerlei wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Sekten in der Medizin auch noch eine derartige konfessionelle Sektenscheidung hinzukommt, dürfen wir uns ja mit der Zeit auf recht angenehme Zustände gefasst machen.“ Sedlatzek c/a Freiherrn von Mirbach. Vor der achten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsrats Reinicke wurde die Beleidigungsklage des Besitzers und Verlegers des ,,Deutschen Generalanzeigers“, Karl Sedlatzek, wider den Oberhofmeister der Kaiserin Freihern von Mirbach in der Berufungsinstanz verhandelt. Wegen eines im ״D. Generalanz.“ erschienenen Artikels ״Judengeldsammler für Kirchenbauten“, der schwere Beleidigungen gegen Freiherrn von Mirbach enthielt, war s. Z. der Schriftsteller Schwennhagen als Verfasser zu einem Jahre, Sedlatzek zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Als Frhr. v. Mirbach in dem Hauptverhandlungstermin als Zeuge vernommen wurde, hat er Jas Treiben des ״General. Anz.“ scharf gegeisselt. Sedlatzek hatte gegen Freiherrn von Mirbach deshalb die Privatklage angestrengt, das Schöffengericht hatte jedoch am 23. Sept, d. J. den Angeklagten freigesprochen, weil es die Aktivlegitimation nicht für geführt erachte, dem Angeklagten den Schutz des 4j 193 zubilligte und seiner Versicherung glaubte, dass ihm die Absicht einer persönlichen Beleidigung des Privatklägers fern gelegen und er nur das Bestreben gehabt habe in nachdrücklichster Weise eine mögliehe Klärung der ganzen Angelegenheit herbeizuführen. Der Gerichtshof sprach dem Kläger zwar die Aktivlegitimation zu, kam aber aus dem übrigen im Vorerkenntnisse ausgeführten Gründen wiederum zu kostenpflichtiger Abweisung des Klägers. Jetzt wird das Kammergericht in Anspruch genommen werden. In der israelitischen Erziehungsanstatt Ahlem, die Knaben für Landwirtschaft, Gartenbau und Handwerk vorbereitet, fand die diesjährige Chanuka-Feier, sowie die bei dieser Gelegenheit von hiesigen Damen veranlasste Besehenkung und Bewirtung der Zöglinge, Montag nachmittag 4 Uhr in der Aula der Anstalt statt. Da zahlreicher Besuch dieser Feier zu erwarten und zu hoffen war, so hat die Strassenbalmgesellschaft an jenem Nachmittage für eine regelmässige Omnibus Verbindung zwischen Limmer und der Anstalt in uneigennütziger Weise Sorge getragen. Nordhausen. Die ,,Nordhauser Ztg.“ schreibt: ,,Gesinnungslumperei muten antisemitische Blätter den Bewohnern des durch den grossen Brand betroffenen Dorfes Brotterode zu. Nach der Meinung der Antisemiten soll die Einwohnerschaft von Brotterode .,all die christliche Hilfe“, welche dem < )rte nach dem Brande zu teil wurde, zu schätzen wissen und bei der nächsten Reichstagswahl dies auch kund geben, d. h. antisemitisch wählen. — Die Antisemiten sind wirklich in ihren Mitteln recht wählerische Leute!“ — — Wie sollen die Brotterode!׳ für die gewiss auch von jüdischer Seite geleistete Hilfe danken, dis ja bei jeder öffentlichen Kalamität in grossherziger Weise gewährt wird? Plön. Der Seminarlehrer Baer in Uetersen, der als einer der Führer der deutsch-sozialen Reform-Partei im Ö. Schleswig-Holsteinischen Wahlkreise bei der Reichstagswähl 1893 eifrig für den antisemitischen Kandidaten agitierte, ist nach Verübung eines Sittlichkeitsverbrechens heimlich geflüchtet. Baer hat sich nach dem ״PlönerWochenblatt“ diese* Verbrechens an einem dreizehnjährigen Schulmädchen, welches in seinem Haushalt als Laufmäd-