Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Westpreussens mit Pflichttreue, Eifer, Liebe und Frömmigkeit das Amt eines Lehrers und Vorbeters bekleidet, er sowohl wie seine würdige Gattin sind in den weitesten Kreisen als Muster jüdischer Frömmigkeit und Bescheidenheit geschätzt und geehrt. Eine grosse Anzahl von Kindern, Enkeln, Urenkeln und sonstigen Verwandten trugen dazu bei, das schöne Fest zu einem wahrhaft herzerhebenden zu gestalten. Die religiöse Feier in der Synagoge des Verein ״Ahawas Scholaum11 legte ein beredtes Zeugnis dafür ab, wieviel Liebe und Verehrung das hochbetagte Jubelpaar sich erworben, denn das geräumige mit Tannengriin , Topfgewächsen und Blumen auf das herrlichste gezierte Gotteshaus vermochte die Zahl der Festteilnehmer nicht zu fassen. Mit brennenden Kerzen und unter Chorgesang wurden die ehrwürdigen Alten von dem Vorsteher der Gemeinde zu ihren Plätzen geleitet. Hierauf hielt Herr Prediger Dr. Stein eine Ansprache, in welcher er in formvollendeter und inhaltreicher Weise einen Rückblick auf das reichgesegnete, wahrhaft fromme und jüdische Jubelpaar warf. Zahlreiche Glück- und Segenswünsche wurden ausserdem dem greisen Paare in seiner Wohnung noch zu Teil. Der Wohlthätigkeits- und Synagogenverein ״Norden“, dessen Gotteshaus der Jubilar fast täglich besucht, ernannte denselben zu seinem Ehrenmitglied und wird am nächsten Sabbat in seiner Synagoge, Schwedterstrasse ‘248. zu Ehren des würdigen Gortatowskyschen Ehepaares gleichfalls eine würdige Feier veranstalten. Hamburg. Herr Rechtsanwalt Dr. Fuchs, Vorstandsmitglicd des ״Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens״ hielt am 8. d. M. vor mehr als 1000 Zuhörern in Hamburg einen Vortrag über die Ziele und Zwecke des genannten Vereins, der mit grossem Beifall aufgenommen wurde. Mehrere hundert Anwesende traten noch an demselben Abend dem Central-Verein als Mitglieder bei. Vereinsschau. Original ■Berichte des .,Berliner Vereinsbote“, Cent-ral-Organ für die jüdischen Vereine. Literarisch - Gesellige Vereinigung. Am Sonnabend den 11. d. M. fand in den Armin-Hallen der erste öffentliche, diesjährige Vortrag verbunden mit Gesellschaftsabend statt, an welchem sich ca. 100 Personen beteiligten. Herr Dr. Brody referierte über das Thema: ״Die Lieder der Liebe in der hebräischen Literatur“ und verstand es, in klarer, verständlicher Weise die Entwicklung und das Emporblühen der jüdischen Poesie vortrefflich zu schildern. Er verglich die Werke der beiden grossen Dichter Meiiribn Esra und Jehuda Halevi und beleuchtete ausserdem die Dichtkunst der Araber zu der der Juden in ebenfalls interessanter Weise, wie überhaupt das ganze Thema als vollkommen durchgearbeitet und erschöpft durchdacht bezeichnet werden muss. Reicher Beifall und allgemeine Auerkeunung sowohl von Seiten der Gäste, wie der Vereinigung lohnten die Ausführungen des Herrn Referenten. Nach dem Vortrag wurde das gemütliche Beisammensein durch Tanz eröffnet, und nicht lange währte es, so war der auf den Vergnügungen der Literarisch-Geselligen Vereinigung stets heimische, fröhliche Ton bald gefunden. Die Kaffeepause gestaltete sich ganz besonders schön und amüsaut■, zumal von Seiten einiger Gäste, wie einiger weiblicher Mitglieder in liebenswürdigster "Weise für Vorträge verschiedenster Art trefflich gesorgt wurde. So verstrichen denn die Stunden in friedlichster Stimmung und schönster Harmonie. Erst in früher Morgenstunde trennte sich die grösste Zahl der Beteiligten mit dem Stempel der Zufriedenheit auf dem Gesichte. C. Im ״Verein für Arbeitsnachweis“, begründet von den Berliner Bnai-Briss Logen, fand am 13. d. M. im Büreau, Klosterstrasse 44, unter Leitung des Vorsitzenden. Herrn Eugen Rosenstiel und unter Assistenz des Herrn Oberamt mann Ludwig Cohn eine Versammlung zur Konstituierung •ines "Damencomites statt, welches sich aus Vorstandsmitgliedern verschiedener Frauenvereine zusammensetztfund dem folgende Damen beigetreten sind: Frau Dr. Maybaum, Frau Sarah Guttmann, Frau Stern, Fräulein Lipschütz, Frau David, Frau Jenny Guttman, Frau Helene Cohn, Frau Natalie Cohn, Frau Weber, Frau Guttentag, Frau Rosalie Gerling, Frau Feibusch, Frau Jacoby, Frau Amalie Rosenstiel. Die Aufgabe dieses Comites wird insbesondere darin bestehen, sich den Interessen der sich meldenden weiblichen Arbeitnehmern zu widmen, ferner soll es Fürsorge übeil für die Lehrmädchen, damit dieselben nicht nur in ordentliehen Lehrstellen untergebracht werden, sondern auch durch dauerndeAufsicht zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Ferner aber sollen die Comitedamen die Tendenzen des Arbeits- Nach weis-Vereins hineintragen in ihre Frauen-Vereine, um eine Wechselwirkung zu erzielen, damit die weitere Oeffentlichkeit von dessen philanthropischen Bestrebungen mehr Kenntnis erhält, und das Interesse an dem Verein für Arbeitsnachweis verallgemeinert wird. Es wurde allseits anerkannt, dass durch die Bestrebungen des Arbeitsnachweises eine heilsame Reform der Wohlfahrtsbestrebungen mit der Zeit zu erwarten ist; denn nichts kann die Armut mehr eindämmen, als wenn unterstützungsbedürftige Familien arbeitsfähig gemacht und in Arbeitsstellungen untergebracht werden. Oft wird dies allerdings nur sehr schwer zu ermöglichen sein, insbesondere, wo es sich um unfähige und bereits im vorgerückten Alter stehende Personen handelt, doch muss dann der Hebel bei der künftigen Generation, bei den Kindern angesetzt werden. Die Thätigkeit des Damencomites soll Anfang Januar 1898 beginnen und zwar werden an jedem Wochentage in den Nachmittagsstunden von 4—61/^ Uhr mehrere Damen im Büreau, Klosterstr. 44 anwesend sein, um den weibliehen Persönlichkeiten, die sich hilfesuchend an den Verein wenden, mit Rat und That dienlich zu sein, soweit es sich um Unterbringung in Stellungen handelt. Der Arbeitsnachweis-Verein hat in den letzten Monaten einen ausserordentlichen Aufschwung genommen, da sich täglich Handelshäuser und Fabriken in grösserer Zahl an den Verein wenden, um von dort ihr Personal zu beziehen und daher viele Arbeitslose untergebracht werden, der Verein verspricht sich von dem nunmehr ins Leben gerufenen Damencomite eine weitere Förderung, und es ist zu wünschen, dass auch die andern jüdischen Frauenvereine, welche noch nicht in dem Comite vertreten sind, sich diesem baldigst anschliessen möchten, damit ein gemeinsames Wirken aller stattfindet. Der ״Miete-Hilfs-Verein“ hielt am 20. d. M. im Saale der Gesellschaft der Freunde seinen letzten diesjährigen Vortragsabend ab. Herr Georg Engel las einiges aus seinem Werke vor. Eine am Meeresstrande sich abspielende Novellette machte durch ihre tieftragischen Accente auf alle Anwesenden einen bedeutenden Eindruck, vielen Beifall fanden auch die andern Nummeen der Vorlesung, eine im Chronikenstyl des Mittelalters abgefasste Monographie über das Küssen und der letzte Akt des der Feder des Vortragenden enstammenden Märchenspiels ״Hadassa“. Im höchsten Masse würdig und feierlich verlief die am 19. Dezember vom Verein ״Mathilde“ in Cassels Hotel veranstaltete Chanukabescherung armer Kinder. Rabbiner Dr. Oskar Lipschütz hielt eine ergreifende Ansprache. Der religiöse Teil der Feier wurde von allen Anwesenden in tiefer Andacht aufgenommen. 12B Kinder wurden alsdann mit warmer Winterkleidung beschenkt und es war eine Freude, die glückstrahlenden Gesichter der Kleinen zu sehen. Vorträge der Kinder teils in Poesie, teils in Prosa, schlossen sich diesem Akte an, der einen thatkräftigen Beweis echt jüdischer Wohlthätigkeit darstellte. Der Beschenkung schloss sich ein solennes Souper an, das die Mitglieder des Vereins bis Mitternacht gemütlich vereinigte