Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1897)
- Date
- 1897-12-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberhemden Reparatur Werkstatt, «40 °״. Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, :Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg־. Neuanfertig\ z. billigst. Preisen. Abholung: frei auch Christbaum genannt wird, wissen sie wohl nicht, und wenn sie‘s wissen, machen sie sich darüber keine Skrupeln. Die Anekdote von dem kleinen Moritz Cohn, der seinen Vater Isidor trägt, ob denn die Christen auch Weihnachten haben, ist sicherlich eben nur eine Anekdote, aber gar nicht so übel erlunden. In der That sollte man es nicht für möglich halten, dass die speziell christlich-religiöse Sitte der Weihnachtsfeier mit seinem Lichterbaum und seiner Bescherung in so überaus ausgedehntem Maasse in jüdischen Familien Eingang finden konnte. Seit Jahren ist gegen diese Unsitte — eine andere Bezeichnung lässt sich schlechterdings nicht wählen - gesprochen und geschrieben worden, hinge wiesen auf das völlig Sinnlose. Unlogische und Inkonsequente, welches in der Uebernalime einer derartigen durch und durch christlichen und unjüdischen Institution liegt. G־ehollen hat es gar nichts, der Unfug ist eher noch grösser geworden. Stärker als alle Logik und Vernunft, stärker als alle Mahnrede und Predigt ist die Unlogik, die stumpfe Gedankenlosigkeit, der blöde Indifferentismus, diese schlimmste aller Krankheiten, welche am Marke des Judentums zehrt, die Assimilationssucht um jeden Preis auf dem Gebiete der Religion, die öde,, blöde, sinnlose und wahllose Machäfferei fremder Einrichtungen und Gebräuche. Diese letztgenannte Thorheit scheint geradezu ein Erbfehler der Juden zu sein. Als sie noch im eigenen Lande wohnten, führten sie den Götzenkultus aller möglichen Nationen und Gattungen bei sich ein, und auch jetzt, wo davon keine Rede mehr sein kann, führen sie — das heisst glücklicher Weise nicht die Juden in ihrer Gesamtheit, aber doch immerhin in nicht unbeträchtlicher Zahl — ganz ruhig und ohne Gewissensbedenken Bräuche und Sitten religiöser Natur, die in ihrer christlichen Umgebung heimisch sind, in ihre Familien ein, fremdes, nichtjüdisches Feuer auf jüdischen Altären. Was mögen jene Juden bei ihrem unjüdischen Thun sich nur eigentlich für Gedanken machen, und wie sollen sie ihren Kindern antworten, wenn diese nach dem Zweck und Grund dieser Feier fragen'? Sollen sie ihnen antworten, wie sie ihnen nach dem Ursprung des Weihnachtsfestes eigentlich antworten müssten: ,,Denn uns ist heute der Heiland geboren u. 8. w.“ Das ist die Antwort, welche christliche Väter und Mütter ihren Kindern geben, die einzige richtige und vernünftige Antwort. Aber der jüdische Vater und die jüdische Mutter können das eben nicht, und thäten sie es, so wären sie eben keine Juden mehr. Oder sagen sie ihnen etwa, dass in jener Zeit die Geburtsstunde jener Religion war, deren Bekenner bis auf den heutigen Tag über Israel so unsäglich viel Leid und Verfolgung gebracht haben? Ein derartiger Bescheid würde in die ganze Feier noch weniger hineinpassen. Aber welche Entgegnung sollten sie auch haben, jene Thoren, als eben die der Nachahmungssucht und Liebedienerei? Aber doch! Man hört jene Kurzsichtigen, wenn man ihnen ihre Narrheit vorhält, gewöhnlich sagen: Es ist doch eine so schöne, harmlose und gemütliche Feier, weshalb sollen wir unsern Kindern diese kleine Freude vorenthalten? Wir aber rufen jenen Verblendeten zu: Bietet das jüdische Leben, das jüdische Gesetz, das jüdische Fest, die jüdische Sitte nicht genug des Schönen und Herrlichen, das auch auf das Kindesgemüt und gerade auf das Kindesgemüt ein wirkt, nachhaltig, lebendig un d rührend einwirkt? Ihr Thoren, warum sucht Ihr in der Fremde, warum entlehnt Ihr fremdes Feuer und fremdes Licht, wo das Judentum selber Feuer und Licht, Freuden und Genüsse, Erbauung und Erwärmung in reicher und überreicher Fülle bietet? Wollt Ihr Euren Kindern Freude bieten, gerade in dieser Zeit, nun so entzündet vor ihren Augen die Chanukalichtlein, erleuchtet und erwärmt sie an dieser jüdisch-religiösen Flamme, erzählt ihnen von jenem Heldengeschlecht der Makkabäer, erzählt ihnen von jüdischein Glaubensmut, jüdischer Opferfreudigkeit, von Gottes Hülfe und Beistand. Führt die jungen Herzen ein in den Bund unserer Religion, lehret sie das Judentum erkennen und lieben! Dann thut Ihr ein wahrhaft gutes Werk an Euch und Euren Kindern! So aber seid Ihr blind und taub, schändet Euch und Euer Judentum, bringt religiöse Verwirrung in Euer Haus and Eure Familie, legt in Eure Kinder den Keim zum künftigen Abfall und macht Euch vor allen Dingen in den Angen Eurer christlichen Umgebung nur lächerlich. Ja, wenn es noch bei dem Lächerlichmachen bliebe! Wie nun aber einmal die Dinge liegen, liegt in solch gedankenlosem, läppischen Thun geradezu eine Beleidigung und Verhöhnung des Christentums oder wird doch wenigstens als solche vielfach empfunden. Dass die Gehässigkeit der Antisemiten auf diese Weise geradezu herausgefordert wird und noch dazu ganz ohne Not, beweist ein einziger Blick 111 die antisemitische Presse. Es wäre vielleicht gar kein so unebener Gedanke, wenn man allen denjenigen, welche in ihren jüdischen Häusern den christlichen Weihnachtsbaum aufstellen, einige derartige Ergüsse saft.igster Art ins Haus schicken würde. Möglicherweise richtet der Holm des Feindes da noch etwas Gutes aus, wo die Liebe des Freundes bisher nichts gefruchtet hat. Wie um ihr Gewissen zu beschwichtigen hört man wohl in dem oben genannten Kreisen: Das Weihnachtsfest ist eigentlich gar kein christliches Fest, es ist nur die Feier der altgermanischen Sonnenwende, und auch der Weihnachtsbaum ist gar kein christlich-religiöser Brauch, sondern eine uralte germanische Volkssitte.“ Es soll nicht bestritten werden, dass auch in Gelehrtenkreisen vielfach diese Meinung besteht, die wildeste Richtung des Antisemitismus, die auch bereits das Christentum zum jüdischen Plunder geworfen hat, stimmt mit dieser Ansicht sogar überein. Wir haben jene Frage nicht zu untersuchen. Gleichviel ob wahr oder nicht wahr, thatsäohlich ist das Weilmachtsfest zu einem christlichen Fest geworden, zu einer Feier der Christenheit, mit der religiösen Weihe der christlichen Religion umgeben, und ebenso verhält es sich auch mit dem Weihnachtsbaum. Wer trotz alledem jenes fremde Feuer anzündet auf dem jüdischen Altäre der jüdischen Familie, der begeht, ob mit oder ohne seinen Willen ist gleichgültig, einen Frevel am Heiligtum. Ob er nun aus gedankenloser Gewissensträgheit oder mit bewusster Feindseligkeit unheiligen Brand anzündet, die Sünde an sich und seinen Kindem, die Sünde gegen die Religion und Gottes Gebot, die Sünde gegen den Geist des Judentums und damit die Verantwortung vor Gott und der Geschichte kommt über das Haupt des Schuldigen! Zur Enqu§te sind uns ferner nachstehende Schreiben zugegangen: Mannheim, den 14. Dezember 1897. Geehrter Herr Redakteur. Auf Ihr Circular vom 5. d. M. beehre ich mich zu erwidern, dass ich die zionistischen Bestrebungen in jeder Hinsicht für verfehlt, utopistisch und verderblich erachte. Die Gründe sind von berufener Seite, namentlich durch die fortschrittlich jüdische Presse so überaus eingehend und überzeugend erörtert worden, dass ich mich auf die summarische Erklärung beschränken darf ich bin ein absoluter Gegner des Zionismus. Hochachtungsvoll und ergebenst Simsen Bensheim ()bei rat.