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Berliner Vereinsbote · 1897-12-17 · Heft 51 (17.12.1897) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Prämiiert Dresden 1874. Prämiiert Berlin 1879. Hirsch’*1“ Schneider-Akademie Gesrttndat 1SS». 24000 Schüler ausgebildet. Berlin C., Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlehranstalt der Welt Am 1. und 15. jeden Ifonate beginnen die neuen Kurse in allen Abteilun* gen der Herren-, Damen- und Wfieche-SchneWerel, sowie im Skizzenzeichnen und HandaiawlssenechaUen. Pertecte SnsbUdunn zu Direktricen, Zuschneidern u. Konfektionaren. Absolut sicherer Erfolg wird garantiert. Nach absolviertem Kursus kostenloser Stellennachweis. Prospekte gratis. Anmeldungen baldigst erbeten. Die Direktion. DampfWäseherei ״Sport“ Inhaber: Max Jaroezynski. -S. B&effenbachstr. 33. — Tel. A. IV, 44-8.- Haus-, Leibnnd Tischwäsche sowie ganze Aussteuern, Princip: Sauberste Ausführung. Grösste Schonung. Prompteste Lieferung. MUSIK zu Hoehzeits- ״.Vereinsfestliehkeiten etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Sehmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. über ״ Ursprung und Entwicklung der Sage vom ewigen Juden“ sprach. Mit wankendem Schritt, mit weissem. wallendem Barte, so begann der Redner, schreitet eine hohe Gestalt von Ort zu Ort, von Land zu Land. Jahrhunderte hat er an sich vorüber eilen sehen, doch er kann den Tod, die endliche Ruhe, die er sucht, nicht finden. — Ahasver, der ewige Jude! So lebte er im Volksmunde, der die sagenhafte Gestalt des ewigen Wanderers mit einem sich immer mehr erweiternden Kranz von Phantasiegebilden umgab. Die Entstehung der Sage führte der Vortragende auf das Jahr 1228 jetziger Zeitrechnung, zurück, wo sie in England ihren Ursprung fand und sich dann über alle Länder verbreitete. Am kräftigsten entwickelte sie sich in Deutschland, wo sie viele Dichter, wie Lenau, Chamisso, Carmen Sylva, zum Gegenstand ihrer Behandlung machten, die an künstlerischer Gestaltung und Mannigfaltigkeit der Auffassung fast eine eigene Literatur für sich bildet. Den Höhepunkt hierin erreichte bisher Robert Hamerling in seinem Epos ״Ahasver in Rom“, welches die Zeit des Nero zum Schauplatz seiner Darstellung hat. Hier verkörpert der ewige Jude den ewigen, d. h. immer lebenden, strebenden und ringenden Menschen, das Prinzip des zeitweise ruhenden, dann aber mit. desto unaufhaltsamerer Kraft dahinschreitenden Kulturfortschritts. "Wohlverdienter Beifall lohnte den Vortragenden, welchem auch seitens der Vorsitzenden, Fräulein Ranft, der Dank der Vereinigung abgestattet wurde. Letztere machte sodann die Mitteilung, dass am 25. d. M. nachm. 4 Uhr im ״Hotel König von Portugal“, Burgstr. 12, ein Chanuka- Kinderfest stattfindet, welchem um 8 Uhr die Clianukafeier für Damen und Herren sich anschliessen wird. Das Festprogramm ist ein der Würde des Tages entsprechendes und Herr Redakteur E. Flanter hat die Festrede hierzu übernommen. (vergl* Annonce.) ״Vereinigung Monbijou.“ In der am letzten Donnerstag stattgehabten Versammlung wurde die Diskussion über ״die augenblickliche Bewegung im Judentum“ fortgesetzt und beendet. Die Zahl der erschienenen Mitglieder und Gäste war so gross, dass der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war. Wenn wir nun über den Gesamteindruck der beiden Diskussions-Abende berichten sollen, so können wir nur wiederholend sagen, dass dieser ein äusserst wohlthuender war. Wenn es auch hier und da einmal stürmisch werden wollte, im grossen und ganzen herrschte doch der Ton vor, den wir in ״Monbijou“ gewöhnt sind. Wie von einem Mitgliede der Vereinigung erklärt wurde, war auch die Diskussion nicht entriert worden, um Stellung ״für“ oder ״gegen“ den Zionismus zu nehmen, die Vereinigung will vielmehr stets bemüht sein, ihren Mitgliedern und Freunden Gelegenheit zu geben, auf neutralem Boden sich über diese und ähnliche Fragen auszusprechen bezw. sich Aufklärung zu verschaffen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich zu diesen Diskussionen eine grössere Zahl von Zionisten einfand um für ihre Sache einzutreten und wie zuerst Herr stud. Zlocisti so verstand es diesmal Herr Referendar Dr. Friedemann vorzüglich, das Wesen und die Ziele des Zionismus zu erklären, ihm schlossen sich an die Herren Lewy, Estermann, Goldmann, Bambus, Nacht und Spinner. Gegen den Zionismus sprachen die Herren Schriftsteller Wohlberg, stud. Levv, Diamant und in geradezu fascinierender Rede Herr Dr. Moses, dem zugleich der Dank für die vorzügliche Leitung der Diskussion gebührt. Im ganzen traten 18 Redner auf, zehn Freunde, acht Gegner des Zionismus. Bemerken möchten wir noch, dass sich alle Redner für die Kolonisation Palästinas aussprachen. ״Die Frau in der jüdischen Literatur“ lautete das Thema, über welches am Montag Herr Dr. G. Karpeles in der Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen ״Judas Töchter“, Vorsitzende Frau C. Behrend, vor einer zahlreich versammelten Zuhörerschaft sprach. Dass es schon in der grauen Vorzeit Frauen gegeben hat, welche sich mit der Literatur befasst haben, so führte der Redner etwa aus, geht aus der Thatsaehe hervor, dass Lieder von Mirjam und Deborah uns bis auf de» heutigen Tag erhalten geblieben sind: Lieder wie jenes, in dem die auch historisch festgestellte Thatsaehe der Offenbarung besungen wird, wie das Siegeslied der Deborah. welches das erste Lied der Weltliteratur geworden ist. Und dass die Frau schon zu jener Zeit als Herrin des Hauses eine hervorragende Stellung eingenommen hat, ersehen wir aus dem Esches Chajil (Sprüche), welchem noch Schiller einige Tausend Jahre später Stoff za seiner ״Glocke“ entnommen hat. Auch in der nachbiblischen, talmudischen Zeit hat es an hervorragenden Frauen in Israel nicht gefehlt. Allgemein bekannt ist ja die Gattin des Rabbi Meiir und Beruria. Und dass im Mittelalter die Thränen- und Blutströme unseres Volkes durch die Länder flössen, als die Leiber unserer Ahnen überall Feld und Flur bedeckten, da war es wiederum die jüdische Frau einerseits und das Band unserer Religion andererseits, welche den wesentlichsten Anteil an der Erhaltung des Judentums hatten. Aus der Zeit des 12.—14. Jahrhunderts sind als Talmudistinnen zu nennen: Golce Mores, Boss Laheg und die Tochter Jehuda ben ha Levv8: ausser diesen eine gewisse Litte aus Regensbürg. Bekannt sind ferner Sarah Kopia ׳Venedig 1586) und Rosei Fischeis, von welch letzter uns eine) Psalmen- Übersetzung, welche noch vor der Zeit Anthero fertiggestellt worden ist, ein Manuscript erhalten ist. So hat die Frau zu aller Zeit in der jüdischen Literatur eine Rolle gespielt und als in unserem Jahrhundert die Religion und damit auch das jüdische Familienleben in vielen Häusern zu schwinden begannen, da erstand dem Judentum in England in der Person der Lady Judith Montefiore eine Frau, die durch die Vorzüge ihres Charakters, Geistes und Herzens bestimmt war, einen ersten Platz unter ihren Zeitgenossinnen einzunehmen und vor allem, und das ist das erfreulichste, begeisterungzündend und thatenzeugend auf die kommende Generation einzuwirken. Schon beginnt der gefährliche Indifferentismus wieder überall zu schwinden, schon fängt das Judentum wieder an, sich auf sich selbst zu besinnen und wie die jüdische Frau zweimal die Errettung ihres Volkes herbeigeführt hat, 80 wird sie sich auch das dritte Mal ihrer Aufgabe bewusst sein und dazu beitragen, der jüdischen Religion die Stellung wiederzugeben, die ihr gebührt, die der Weltreligion. Lebhafter Beifall lohnte die glänzenden Ausführungen, und während der Vorstand dem Redner dankte, erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde die Sitzung geschlossen. Einen Bericht Ober den ersten diesjährigen öffentlichen Vortrag in der ״Literarisch-Geselligen Vereinigung:‘ vom 11. d. M. bringen urir in Nr. 52.

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