Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberbemden Reparatur Werkstatt,««- 40. Halspriea^i 20, Paar Handpriesen 26, Leinen-Einsatz m. Einsetzen SO Pfg. BTeaanfertig‘. z. billigst. Preisen. Abholung־ frei. abgeschlossen von seiner Umgebung, sie sind in allen Ländern, die auf Gesittung und Kultur Anspruch erheben, gefallen, und sie werden auch dort fallen, wo noch für einige Zeit das Mittelalter fortlebt. Kerker und Scheiterhaufen, sie sind verschwunden, die Zeit stillen Friedens und behaglicher Ruhe ist für Israel noch nicht angebrochen. Der Kampf gegen Israel, gegen die Personen sowohl wie gegen seine geistigen Güter, tobt auch heute, wenn auch in voränderten Formen, noch weiter fort, die Schlachten auf dem Gebiete des Geistes nehmen noch immer ihren Fortgang. Dass auch in diesem Ringen und Streiten der endgiltige Sieg auf unserer Seite sein wird, daran zweifeln wir keinen Augenblick, und wenn auch noch Jahrhunderte darüber vergehen sollten. Der alte Gott Israels, der die Makkabäer za Kampf und Sieg führte, er schreitet uns auch heute noch voran, auf ihn vertrauen wir und auf seine Lehre, sein Heiligtum bauen wir. Aber nicht in träger Beschaulichkeit, die ohne eigenes Dazuthun alles und jedes von der göttlichen Gnade erwartet, nicht in stumpfer Thatenlosigkeit zeigen wir unser Gottvertrauen. Gott gewährt nur demjenigen seinen Beistand, der sich dessen würdig erweist durch eigenes Wollen und eigene That. Wo Gotteshilfe und Selbsthilfe zu innigem Ganzen vereint auf das Schlachtfeld treten, da ist der Sieg so gut wie gesichert. Zu diesem Kampfe wollen wir uns und unsere Kinder tüchtig und kräftig machen, indem wir immer treuer und fester in unser Judentum uns versenken, denn nur ein glaubenstreues Geschlecht ist reif zu Thaten und Siegen. Die Erinnerung an jene Tage der Makkabäer, sie soll uns stärken und kräftigen zu gleichem Heldenmut, gleichem Glaubenseifer, das heilige Licht der Chanukkalämpchen, es soll hinein leuchten in unsere Herzen und darin entzünden die heilige Flamme jüdischer Religiosität, die erleuchten und erwärmen soll nicht uns allein, sondern nach Gottes Willen und der Propheten Ausspruch die ganze Menschheit. Zur Enquäte. Wir veröffentlichen hiermit folgende eingegangenen Antworten: Hamburg, den 18. Dez. 1897. Geehrte Redaktion! Sie hatten die Freundlichkeit, mir einen Fragebogen vorzulegen, den ich nach bestem Wissen und Gewissen sofort beantworten möchte. Ad 1. Ob auf Grund der 4 Programmpunkte der Zionismus berechtigt ist? Diese Frage kann weder bejaht noch verneint werden. Denn in den 4 Punkten fehlt das zionistische Ziel: Bildung eines Judenstaates. Die Colonisation Palästinas an sich ist ohne den Zionismus der Förderung wert, im Dienste des Zionismus aber in politischer Bedeutung nicht. Ad 2. Eine jüdische Nation giebt es nicht. Wir sind deutsch-nationale Bekenner des jüdischen Glaubens. Ad 3. Die zionistische Bewegung, wenn sie lediglieh die Zwecke der jüdischen Religion fördern möchte, wirkte auf die Gleichgiltigen in Israel belebend; der po- 11 tische Zionismus dagegen keineswegs. Ad 4. Der Einfluss des Zionismus auf den Antisemitismus wäre, dass dieser seine Ansicht: die Juden sind keine Deutschen, sondern das fremde Volk von Canaan, bestätigt fände und sonach eher eine Nahrung seiner verderblichen Pläne in dieser Bewegung erblicken dürfte. Ad 5. Dass das Ziel des Zionismus undurchführbar, halte ich für selbstverständlich. Mit Hochachtung Ihr ergebener Rbr. Dr. Leimdörfer. Prediger am Isr. Tempel. Zu 1. Meines Erachtens hat der Zionismus keine Existenzberechtigung, er ist eine durchaus anachronistische Erscheinung und bedeutet einen kulturellen Rückschritt. Zu 2. Für uns Deutsche ist die Anerkennung einer jüdischen Nationalität ausgeschlossen, wir haben nur eine Nationalität, nämlich die deutsche. Zu 3. Der Zionismus kann auf das Judentum nur einen nachteiligen Einfluss ausüben, er ist geeignet, utopisehen Phantasievorstellungen Eingang zu verschaffen und hier und dort Hoffnungen zu machen, welche sich niemals erfüllen werden. Er muss daher im Interesse des Judentums bekämpft werden. Zu 4. Dass der Zionismus mittelbar die antisemitische Bewegung zu stützen geeignet erscheint, unterliegt keinem Zweifel. Zu 5. Die zionistischen Ideen sind, soweit sie auf die Errichtung von Ackerbaukolonieen in Palästina gerichtet sind, durchführbar, im übrigen aber undurchführbar. Dr. Ludwig Fuld, Rechtsanwalt in Mainz. Der Zionismus ist meines Erachtens eine durch und durch utopische und für uns Juden geradezu gefährliche Richtung, der ich direkt feindlich gegenüberstehe, weil von den Zionisten etwas erstrebt wird, worüber die Geschichte zur Tages-Ordnung übergegangen ist und weil überdies, wenn ich mich theistisch ausdrücken darf, damit die Wege der Vorsehung gekreuzt werden, die mit den Juden nach meiner Auffassung etwas ganz anderes im Auge hat. Wir Juden sollen und müssen unter allen Nationen zerstreut sein, weil wir als Träger des Humanitätsgedankens über beschränktem Nationalismus und Chauvinismus stehen und dafür den Völkern als lebendige Repräsentanten dienen sollen, dass der Mensch seine feste Aufgabe in der sittliehen Vervollkommnung und nicht in nationalen Zankereien zu suchen hat. Wenn wir durch unser ״Exil“ zur Verwirklichung dieses Ideals und zur Einigung der gesamten Menschheit, zu einer Verschmelzung unter der Fahne der allgemeinen Menschheitsreligion, selbst als Märtyrer, beitragen können, so ist unsere Mission eine gesegnete. Das ist mein Zion, und in diesem Sinne bete ich das bekannte herrliche - Gehet, das ich ungern entbehren möchte, das aber überflüssig wäre, wenn das Programm der Zionisten in Erfüllung ginge, ln dieser Beziehung geht es mir wie Lessing mit der bekannten Wahl zwischen der reinen Wahrheit und dem Trieb nach Wahrheit. Das Streben nach Erforschen der Wahrheit bleihe für den Menschen das feste Ziel, die reine Wahrheit kann er ja nie erreichen, weil immer wieder neue Probleme in einer Kette auftauchen werden, je weiter die Forschung dringt. Analog verhält es sich mit dem Programm des Zionismus. Es ist mir zu materiell, realistisch, banausisch und zerstört alle meine Ideale. Ich vertraue auf die ausserhalb des menschlichen Begriffsvermögens stehende, allwaltende Vorsehung, auf den Genius der Menschheit, dass diese uns doch einmal diejenigen Wege führen werden, welche wir gehen müssen, um zu dem oben angedeuteten Ziele zu gelangen. In ganz vorzüglicher Hochachtung Chausseestr. 85, den 10. Dez. 1897. Dr. A. Pagel, Privat-Dozent. Vereinsschau. ©riginal*Berichte des ״Berliner Vereinsbote‘', Central-Organ für die jüdischen Vereine. Am 7. d. M. fand in der Vereinigung ״Judas’s Töchter“ (gegr. 1895) in kurzer Folge bereits der 5.Vortragsabend statt, an welchem Herr Rabbinats-Caüdidat Julius Cohen