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Berliner Vereinsbote · 1897-12-17 · Heft 51 (17.12.1897) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 51 (17.12.1897)
Date
1897-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Berliner Vereinsbote. (Aentral-Argan für die jüdischen Vereine J^erling• Erscheint: Jeden Freitag:. Mit der Beilage ״Israelit. Familienblatt.“ Postzeitungs-Liste 1012. Bezugspreis: Für Berlin vierteljährlich Mk. 0.75, für auswärts Mk. 1,00. Redaction, Expedition und Annoncen-Annahme: Berlin NO., Elisabethstrasse 59 a.! Fernsprech-Anschluss Amt VII. No. 4662. In&ertionapr eie: Die viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Bei Wiederholung Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Nummer 51. Berlin, den 17. Dezember 1897 III. Jahrgang. Nachdruck nämmtlicbar Artikel nur unter voller Quellenangabe gestattet Die Redaktion. Chanuka. Nun leuchten wieder mit ihrem freundlichen Scheine die Chanukalichter in Israels Häusern und Israels Herzen, nun ertönen wieder Jubelhymnen und Dankespsalmen. In unserer Erinnerung tauchen wiederum die Schatten der Vergangenheit auf, Bilder aus längst entschwundenen Zeiten treten vor unsere Seele. Gräuelscenen wilder Tyrannei und despotischer Unterdrückung und Lichtbilder hehrer (Glaubenstreue und todesbereiten Opfermuts. Judentum und Heidentum, ein Kampf der Schwerter und der Legionen, und im innersten Kern doch kein Kampf um äussere Güter, um staatliche Selbständigkeit, sondern auf der einen Seite die griechisch-syrische Welt mit ihrem entarteten Götterglauben, ihrer Afterphilosophie, ihrer zur Selbstverständlichkeit gewordenen Unsittlichkeit, auf der andern Seite das Judentum mit seinem starren reinen Sittlichkeitsprinzip, seiner unerbittlichen Selbstzucht, seinem erhabenen für heidnische Begriffe undenkbaren und unfassbaren uralten Gottesideal. Nicht sowohl die Menschen zu knechten war des Syrerkönigs Bestreben, als über den Geist des Judentums zu triumphieren. Hätte Antiochus Epiphanes sich daran Genüge sein lassen, die weltliche Herrschaft über die jüdische Nation wie einen rocher de bronce zu stabilisieren, das Volk, das an Abhängigkeit und Unterwerfung unter dem harten Druck der Zeitumstände längst sich gewöhnt hatte, hätte sich auch unter dieses Schicksal gebeugt und kein Makkabäergeschlecht wäre aufgestanden, um mit Waffengewalt einen Streit um die politische und staatliche Präponderanz zu fuhren. Als aber zum politischen Druck der moralische und religiöse sich hinzugesellte, als heidnischer Uebermut mit frecher That Israels Heiligtum entweihte, als Götzendienst und Meuschenvergötterung von Israels Bekennem gefordert wurde, da war die Langmut unserer Ahnen erschöpft, da wuchs der Unmut zur Riesenlawine heran. Ein Priestergeschlecht, unter dem Namen der Makkabäer und Hasmonäer noch heute in unser aller Gedächtnis, das Lob Gottes im Munde und das Schwert in der Faust, unternahm den Kampf, der aussichtslos erscheinen musste. Und siehe da, nicht der Starke und Mächtige trug den Sieg davon, sondern der Machtlose und Niedergebeugte, wie Spreu vor dem Winde zerflog Taktik und Strategie vor der alles überwindenden, alles vor sich niederwerfenden Macht religiöser Begeisterung undUeberzeugungstreue. Das Heidentum lag am Boden, das Judentum hatte obgesiegt, aus dem verwüsteten und entweihten Tempel erklangen wieder die Lobes- und Dankespsalmen, die einst David gesungen zum Preise des allerhöchsten Gottes. Soweit der Verlauf der Geschichte, die hier zu erzählen nicht notwendig sein würde, wenn unser gegenwärtiges Geschlecht nicht gar so unwissend wäre in der Geschichte seines eigenen Volkes, seines eigenen Glaubens. Israel besitzt die Tugend der Dankbarkeit; wer immer in sein entbehrungsreiches verdüstertes Dasein einen Schimmer der Freude und Hoffnung hineintrug, darf sicher sein, iu der dankbaren Erinnerung auch der spätesten Geschlechter einen Ehrenplatz zu behaupten. Unvergesslich, nimmer erlöschend ist darum in die Tafeln der Geschichte jenes Heldengeschlecht der Makkabäer eingegraben, auch die Erinnerung an die entarteten Sprösslinge eben desselben Hasmonäergeschlechts lässt um so heller erstrahlen das Gedächtnis jener Edlen, die einst in schwerer Zeit Heil und Rettung brachten der bedrängten Gemeinde Jakobs. Und dennoch sagen wir wiederum mit dem Psalmisten: ״Vom Ewigen ist jene That geschehen, zu wunderbar ist sie in unseren Augen.a Wäre unser Gott nicht mächtig gewesen in unsern Vätern, sie hätten niehts ausgerichtet gegen jene Gewalten der Finsternis, wären sie in den Kampf gezogen um äusserer Güter, äusserer Macht, äusseren Ansehens willen, nie und nimmer hätte der Erfolg ihre Schritte begleitet. Aber Gott selber zog aus mit ihren Scharen, weil um seinetwillen, zu seiner Ehre, um seines Namens und seines Heiligtums willen der Kampf geführt wurde. Und wo Israels Gott ist, da ist auch Sieg, Heil und Rettung. Nicht zum ersten Male und nicht zum letzten Male zur Zeit der Makkabäer richtete sich die Feindschaft einer ganzen Welt gegen Israel. Wer möchte es unternehmen, die unübersehbare Reihe von Verfolgungen und Vergewaltigungen bis hinein in die allerjüngste Vergangenheit aufzuzählen? Wer zählt die Thränen. wer die Märtyrer, die um Gottes und seiner Lehre willen in den Tod gingen? Verfolgung, Austreibung, Hass. Neid, Verachtung, Kerker und Tod, die ganze Stufenleiter menschlicher oder vielmehr unmenschlicher Pläne und Absichten, sie waren gegen das Judentum gerichtet. Und wenn auch in allen diesen Kämpfen und Leiden Israels Söhne und Töchter nicht mehr nach Makkabäerart die Waffe führten gegen ihre Peiniger und Quäler, wenn sie auch in stummer Resignation und stillem Dulden den einzigen Widerstand suchten, der Sieg blieb doch bei ihnen! Alle Völker sind eingegangen zur Ruhestätte, Israel aber ist geblieben bis auf den heutigen Tag, hat überdauert alle Zeiten der Tyrannei und wird nicht untergehen, solange sein Gott lebt in seiner Mitte, solange die Lehre lebt und blüht inmitten seiner Bekenner. Die äusseren Schranken, die ehedem den Juden

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