Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3019627-3019628-3019678--874-3020364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mode-Bazar Guttman Nach! <wmy Landsbergerstr. 66/67. »-Artikel aller Branchen. _WM- •Toder Vorzeiger dieses Inserats erhält 5% Rabatt. 1 den verschiedensten Seiten boigesteuert war, zum Teil Gebrauch«- und Luxusgegenstände von nicht unerheblichem Wort. Erst gegen Morgen endete das schöne Fest, das dem trotz seines kurzen Bestehens bereits recht segensreichen wirkenden Verein sicherlich einen recht bedeutenden Ueberschuss gebracht haben dürfte. Zu seinem l. Stiftungsfest am vergangenen Sonntag, den 5. Dezember, hatte uns der Theaterverein ״Mephisto“, dessen Mitglieder jüdische junge Leute und Damen sind, ins Louisenstädtische Concerthaus geladen. Wir haben natürlich nicht erwartet. \\ olzogens köstliches Lustspiel: ״Die Kinder der Excellenz״ so gut aufgeführt zu sehen, dass an die Leistungen der Darsteller der Maassstab einer ernsten Kritik angelegt werden könnte. Wir können jedoch nicht umhin zu erklären, dass die Vertreter einzelner Rollen recht achtenswerte Leistungen boten. Die Damen Erl. Valerie Bär als alte Excellenz, Erl. Ehlert als Asta und Erl. Therese Schreiber als Trudi gaben ersichtlich ihr Bestes. Herr Leo Löwin, dem die schwierige Darstellung des Vorm an n an vertraut war, erzielte stürmische Lacherfolge. Eine vorzügliche Leistung bot als fescher Dragoner- Lieutenant Herr Georg Leyser, dessen Können weit über das Dilettantenmässige hervorragte. Auch die Inhaber der anderen Partieen gaben sieb alle Mühe eine einheitlich gute Gesamtleistung zu Wege zu bringen und wenn wir auch manch einem der Darsteller anmerkten, dass sein Können mit dem Wollen nicht gleichen Schritt halten konnte, so war dennoch der Erfolg dm־ Aufführung ein guter, und das zahlreich erschienene Publikum gab seinem Dank durch reichlich gespendeten Beifall Ausdruck. Der Aufführung ging ein von Herrn Leo Löwin, der Vorsitzender des Vcreins ist, in warmen Worten verfasster Prolog vorauf, in dem als Personen des Vereins ״Mephisto־־, die heitere Muse (Thalia) und ernste iMelpomene) figurierten. In der vorigen Nummer unserer Zeitung brachten wir eine Mitteilung das hundertjährige Bestehen der Miets- und Untorstützungsanstalt der jüdischen Gemeinde Chebrath Jcscharim betreffend. Der richtige und vollständige Xam<־ der genannten Institution lautet jedoch : ״MietS-UntersUitZlings- Anstalt der jüdischen Gemeinde Chebrath ohel Jeschorim“. Wir stellen das hiermit richtig. Umschau. Berlin. Einen neuen sehr beredten Beitrag zu dem Kapitel der Gleichberechtigung bietet der soeben erschienene nächstjährige ״Kunze Kalender für das höhere Schulwesen Preussons“. Wie wir demselben entnehmen, haben von den zwölf Provinzen sechs lOstpreussen, Pommern, Hannover, Schleswig-Holstein. Westfalen, Rheinprovinz) nicht einen einzigen jüdischen Gymnasiallehrer. Insgesamt sind an den höheren Lehranstalten Preussens mehr als 50< י<י Lehrer angestellt; darunter befind׳-n sieh 55 jüdische Oberlehrer resp. Professoren, nicht, einmal l auf 100. Von diesen 05 gehören 20 — also mehr als ein Drittel —- den beiden jüd. Lehranstalten in Frankfurt a. M. an: von den übrigen 55 sind 20 an den Berliner städtischen Schulen angestellt (auch in diesem Jahr findet sich in Berlin nicht ein einziger jüdischer Oberlehrer an einer königlichen Anstalt), so dass auf das gesamte übrige Preusson 15 entfallen. Von diesen 15 sind 0 an städtischen Gymnasien resp. Realgymnasien angestellt (J in Breslau am Johannes-Gymnasium, 3 in Frankfurt a. M., 1 in Frankfurt a. O., I in Magdeburg), 1 an einer gemischten, 5 an königlichen Anstalten,(2 in Posen, je 1 in Tliorn, Bromberg, Erfurt — in letzter Stadt nach lojähriger Hilfslehrerzeit!) Alle diese Anstellungen sind mit einer Ausnahme in früheren Jahren erfolgt; in den letzten Jahren ist einzig und allein die städtische Verwaltung Berlin, unbekümmert um den ״Zug der Zeit“, fortgefahren, auch jüdischen Hilfslehrern eine feste An- Stellung in ihrem Berufe zu gewähren. An den Berliner städtischen Schulen sind, wie bereits bemerkt, 20 Oberleb rer angestellt. 4 an Gymnasien, 5 an Realgymnasien. 1 an einer Oberrealschule, 10 an Realschulen. Von den im Jahre 180יי vorhandenen jüdischen Hilfslehrern sind 2 angestellt worden, i an einem Gymnasium (was seit Michaelis 1877 nicht geschehen ist), 1 an einer Realschule. — Die deutsch-soziale (antisemitische) Reformpartei hat für die letzte Legislaturperiode des Reichstags ihre altbekannten Anträge auf Verbot der Judenein Wanderung und Verbot des Schächtens wieder eingebracht. — Ahlwardt giebt jetzt eine wöchentlich erscheinende Zeitung unter dem Titel ״Das deutsche Schwert“ heraus. Möge er sich dabei nur nicht schneiden! — Wegen Beleidigung eines vor Gericht vernommenen Sachverständigen batte das Schöffengericht seinerzeit den Redakteur der ,,Staatsb.-Ztg.“, Dr. Bachter, zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt. In dem bekannten Prozesse, in dem die Blute Kelly Kneebs den Mittelpunkt bildete, war auch der Besitzer eines Reitinstituts, Dr. Beermann als Sachverständiger vernommen worden. Die ״Staatsb. Ztg.“ hatte ihre Verwunderung hierüber ausgesprochen und hervorgehoben, dass dieser Sachverständige einer aus ״Pferdejuden“ und .,Rosstäuschern•• zusammengesetzten Familie angehöre. Das Schöffengericht hatte geglaubt, einen vor Gericht vernommenen Sachverständigen nachdrücklich gegen solche Beleidigungen schützen zu müssen. Bachler legte Berufung eilt und hatte im Termin mehrere Beweisanträge gestellt, die aber vom Gericht abgelehnt wurden. Die Berufung wurde verworfen. ( nsere Leser sind durch die Tagespresse genügend orientiert über die traurigen, völlig zerfahrenen Verhältnisse in Oesterreich. Als die Regierung gegenüber der Obstruktion im Parlament schliesslich sich gar keinen Rat mehr wusste, musste Badeni mit seinem Ministerium notgedrungen demissionieren. Darob grosse Befriedigung unter den Deutschen, Wut und Enttäuschung unter den (1zechen. Das czechische Pöbel machte zunächst in Prag förmlich Revolte, unter dem Schlachtruf ,,gegen Deutsche und Juden“ kam es zum blutigen Aufruhr, Empörung, Raub und Plünderung, wobei natürlich die Juden am schwersten büssen mussten. Diese Szenen in ganz derselben Art wiederholten sich auch in andern böhmischen Orten. Dass der Aufstand sich gegen Deutsche und Juden richtete, ist im höchsten Grade bezeichnend und lehrreich. Es geht allen antisemitischen Lügenmärchen zum Trotz aus dieser Thatsache mit unwiderleglicher Beweiskraft hervor, dass in den schweren Kämpfen in Oesterreich, wo auf der einen Beite Deutschtum und Kultur stellen, auf der anderen Seite Slaventum und Unkultur, das Judentum ganz genau wo,'88, wo sein Platz ist, auf der Seite der Kultur nämlich, und grade dann erst recht, wenn dieselbe vergewaltigt und unterdrückt wird. Der Instinkt des Pöbels hat dieses Mal das Richtige getroffen, wenn er seine Wut gegen die Juden kehrte. Damit der blutigen Tragödie aber auch das Satyrspiel nicht fehle, seien zwei gleichzeitig erschienene Pressstimmen wiedergegeben, die sich auf die brutalen Vergewaltigungeu beziehen, denen neben der deutschen vornehmlieh auch die jüdische Bevölkerung Prags von Seiten der Tschechen ausgesetzt gewesen ist: Staatsbürgerzeitung am 2. Dezember, Abendausgabe: ״Bemerkenswert ist hierbei, dass die Tschechen die Parole ansgaben: ״Gegen Deutsche und Juden!“ Das ist ein neuer Beweis für die von uns schon oft erhobene Thatsaelm. dass die Juden durch ihre Deutschheuchelei (so lange notabene die Deutsehen in Oesterreich die führende Nation waren) dem Deutschtum arg geschadet haben. Wir zweifeln aber gar