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Berliner Vereinsbote · 1897-12-10 · Heft 50 (10.12.1897) · page 5

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I MUSIK zu Hoehzeitsu.Vereinsfestlichkeiten etc. Blas- und Streich-Orchester führt in anerkannt guter Weise aus Max Schmerl, Kapellmeister, Fehrbellinerstr. 18. treter hat fast immer ein Interesse daran, dem Fragenden die Lage des um Unterstützung flehenden Mieters als eine traurige hinzustellen, denn wenn das Gesuch Erfolg hat, ist ihm ja seine Miete um so sicherer. Noch ein kurzes "Wort über ein Spezifikum der modernen Wohlthätigkeitspflege, das thatsächlich kein Analogen hat in der Geschichte der Vorzeit, namentlich auch keins bei den Juden. Wir meinen die sogenannten Wohlthätigkeits-Vorstellungen, Wohlthätigkeits-Vergnügen u.s.w. Wir wollen dieser so modern gewordenen Art der Wohlthätigkeitsübung gerade nicht absprechend und missgünstig gegenübertreten. Sie ist nun einmal da und wirkt unstreitig viel gutes. Aber dieselbe über den grünen Klee zu loben und zu verherrlichen, liegt unseres Dafürhaltens auch keine Veranlassung vor. Es muss immer für einen warm fühlenden Menschen etwas Peinliches haben, wenn er sich sagt: Dort in jenem Prunkpalais wandeln Hunderte von reichgekleideten Menschen auf und nieder, ergötzen sich an den auserlesensten Genüssen des Körpers und der Seele, amüsieren sich gottvoll, und alles das, damit die Armut ein Hemd auf den Leib und ein Stück Brot in den Magen bekomme. Als einen vielleicht nicht mehr abzuschaffenden Notbehelf mag man diese Art des Wohlthuns schliesslich passieren lassen, viel Rühmens sollte man jedoch von ihr nicht machen. Dasselbe gilt von den sogenannten Bazaren, auf welchen man auf einen Hundertmarkschein niemals etwas herausbekommt. Hier artet die Sache öfters geradezu in groben Unfug aus. Nach alledem müssen wir bekennen, dass doch die schönste und edelste Art des Wolthuns die des alten Judenfcums ist, wie wir sie Eingangs dieses Artikels geschildert. Manches davon mag vielleicht in der Jetztzeit nicht mehr ausführbar sein, was aber für alle Zeit Dauer und Bestand haben wird, das ist der Geist jener Vorschriften, der Geist unserer Ahnen. Und den sollten wir uns und unseren 'Kindern zu erhalten suchen. Aus der Gemeinde. Die Sitzung der Repräsentanten-Versammlung am 5. Dexember enthielt nichts, was zur längeren Diskussion Anlass bieten konnte, und dauerte infolgedessen auch kaum eine Stunde. Die Berichte der Religions-Schuldirektoren über die von ihnen geleiteten Anstalten sind eingegangen, enthalten jedoch, wie der Referent Geheimrat Blumenthal u wähnte, so wenig, dass ein Eingehen auf ihren Inhalt;ar nicht lohne. Dem Verein für Arbeitsnachweis wurden >00 Mk. Subvention bewilligt an Stelle der von ihm erbetenen >000 Mark. In seiner Empfehlung dieses Antrages verwies ler Referent, Herr Direktor Sachs auf den Vortrag des lerrn Eugen Rosenstiel, der vor einigen Wochen, auch von ins veröffentlicht wurde. Dem israelitischen Armen-Asyl n Meran wird eine Beihülfe von 150 Mark gewährt. Für tenderungen in dem Gebäude der Synagoge Lindenstrasse rurden 200 Mark, für zwei Gasarme in der Neuen Syna-;oge 150 Mark, für bessere Beleuchtung des Hofes der Uten Synagoge 75 Mark bewilligt. Die Fürsorge-Komlission (für entlassene Strafgefangene) hat im verflossenen Rechnungsjahr einen Minderverbrauch von 1150,50 Mark ׳ei einer Subvention von 4000 Mark zu verzeichnen. Dieses rfreuliche Resultat wurde zurückgeführt auf den Umstand, ass die Zahl derjenigen, welche notgedrungen der Hülfe der Kommission sich bedienen müssen, nicht unerheblich zurückgegangen sei. In moralischer wie materieller Be- Ziehung könne man auf grosse Erfolge hinwoisen, die Thätigkeit der Kommission habe namentlich den Erfolg gehabt, dass die Zahl der rückfälligen jüdischen Verbrecher sich vermindert habe. Auch die Behörde habe das Wirken dieser Kommission rühmlichst anerkannt and dieselbe Korporationen gleicher Art zur Nachahmung empfohlen. Bei der Revision der Hauptkasse und des Depositorii ist alles in vollster Ordnung befunden worden. Damit schliesst die öffentliche Sitzung. Dienstag abend, den 7. Dzbr. ist Herr Adolf Korach. Melchiorstr. 18 wohnhaft, infolge eines Herzschlages verstorben. Herr Korach, der nur wenige Tage unwohl gewesen, wäre am 10. Dezember 08 Jahre alt geworden. Weite Kreise werden diesen Verlust tiefschmerzlich empfinden und beklagen, denn der Verstorbene gehörte zu den leider immer seltener werdenden Characteren, die ohne jemals in den Vordergrund zu treten, mit voller Hingabe für das Wohl der Armen und Bedrängten wirken. Nicht nur. dass er selbst oft über seine Verhältnisse gespendet und gehelfen, hat er es vielfach auch vermocht, seine Freunde und Bekannte zur Leistung zu bewegen, wo grosse Summen erforderlich waren zur Erhaltung von Existenzen ehrenwert strebender Menschen. Wie konnte der ״alte Korach" zürnen, wenn jemand sein Wort nicht gehalten, sich hartherzig erwiesen. Er hat die Menschen nach deren innerem Wert geschätzt, nicht der Besitz von Glücksgütern gab ihm die Richtung seines Vorhabens, die stets gerade und bieder gewesen. Der Deutschen Reichs-Loge gehörte Herr Korach fast seit deren Begründung vor 10 Jahren an, in derselben bekleidete er eine Reihe von hohen Ehrenämtern, in allen Fragen besonders finanzieller Natur galt er als Autorität, die Consolidierung der Finanzen ist ihm zu verdanken. Aus der grossen Anzahl sonstiger Vereine, denen der Verstorbene als Vorstandsmitglied angehörte, seien hier erwähnt: ״Ahawas reim“, ״Verein für Arbeitsnachweis begründet von den Berliner Bnai-Briss-Logen“ u. a. m. Sie alle haben durch den Tod des Herrn Korach viel, sehr viel verloren, denn das Streben dieses nun verklärten Mannes galt der Förderung alles Guten und Schönen. Herr Korach ist nach etwajJahresfrist seiner Gattin in das Jenseits gefolgt. Friede seiner Asche! Vereinsschau. Original-Bericht• des .,Berliner Vereiushote‘־, Central-Orgim für die jüdischen Vereine. In einer gut besuchten Versammlung der im C. wohnenden Mitglieder des ״Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt am 2. d, M. Herr Rabbiner Dr. Rieger aus Potsdam einen höchst belehrenden und instruktiven Vortrag über das Thema ״deutsche Sitten lind Sprache bei den Juden im Mittelalter“. Der Vortragende hatte seinen Ausführungen ein ungemein reichhaltiges, mit gutem Geschmack ausgewähltes und mit emsigem Fleiss zusammengestelltes Material zu Grunde gelegt. In überzeugender Weise suchte der Vortragende darzulegen, wie der deutsche Jude des Mittelalters, ehe Hetzsucht und Verfolgung ihn zum Paria stempelten, deutsche Sprache, deutsche Sitte,

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