Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1897)
- Date
- 1897-12-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nhnrhftmdoB Rftpa.ratnr-Wftrfcst.allT*11°?«-»--40 .י!-׳. Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, Leinen-Eins atz m. Einsetzen 50 Pfg■ Neuanfertig. z. billigst. Preisen. Abholung frei bringen und nachhaltigen Beistand zu gewähren, eine Hülfe, die dem Armen nicht etwa blos über die Not des Augenblicks hinweghilft, sondern die ihn womöglich in den Stand setzt, in Zukunft auf eigenen Füssen stehen zu können und der Mildthätigkeit entraten zu können. Einer der schönsten Züge des jüdischen Geistes hinsichtlich des Wohlthuns ist es ferner, nicht prahlend und prunkend, nicht offenkundig vor aller Welt seine Gaben auszuteilen, vielmehr ganz im Geheimen und Ungesehenen, ohne dass der Arme vielleicht weiss, von wem die Wohlthat kommt, in einer Form, die das Gefühl des Bedürftigen schont, in seinem Herzen keine . Regung der Bitterkeit aufkommen lässt, die Menschenwürde in ihm ehrt und hochachtet. Nicht blosses Almosengeben gilt dem Judentum als das höchste, nicht Bettelexistenzen mit hingeworfenen Brocken aufzufüttern, sondern als die höchste Wohlthat wird es angesehen, dem darniederliegenden Bruder so zu helfen, dass er selbständig ohne Gaben zu heischen sich ernähren kann. Dem beschaulichen Faullenzer־ tum, dem berufsmässigen Bettlertum steht der jüdische Geist, wie er namentlich im Talmud zu Tage tritt, schroff und feindlich gegenüber. Wer noch auf einen Tag Lebensmittel besitzt, darf auf Almosen keinen Anspruch machen. Ein Spruch des Talmuds lautet: ״Zieh dem Aase auf der Strasse das Fell ab, nur falle nicht der Wohlthätigkeit zur Last“ : ein anderer: ,.Mache deinen Sabbat lieber zum Werktage, als dass du deinen Nebenmenschen um Unterstützung angehst.Dass diese Grundsätze innerhalb des Judentums nicht zu allen Zeiten und nicht von allen Juden in ihrem vollen Umfange und streng ihrem Geiste entsprechend zur Ausübung gelangten, braucht wohl nicht erst besonders betont zu werden. Wäre das der Fall gewesen, wir hätten sicherlich kein professionsmässiges Schnorrertum, wenigstens nicht in der Stärke und mit der Ungeniertheit, wie wir es thatsächlich haben. Die Zeiten haben sich geändert, und mit ihnen Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten. Auch die Wohlthätigkeit von heute und im speziellen die jüdische Wohlthätigkeit hat vielfach den veränderten Verhältnissen und dem veränderten Zeitgeiste folgend anderen und neuen Formen der Bethätigung sich anbequemen müssen. Nicht als ob der Geist liebevoller Bereitwilligkeit dem Nächsten das schwer geplagte Dasein zu erleichtern, im Judentum erloschen oder auch nur herabgemindert wäre. Man könnte vielleicht eher das Gegenteil behaupten, für viele unter unseren Glaubensgenossen, die längst alles Jüdisch-Religiöse von sich abgestreift haben, ist in der That ihr ganzes Judentum, um mit Zunz zu reden, ,,ein Bischen Rachmones.“ Es wird noch immer gegeben, viel gegeben, reichlich gegeben, es giebt noch immer jüdische Wohlthäter genug, die angstlieh sich hüten, mit ihrem Namen und ihrer Person hervorzutreten, die keinen wahrhaft Bedürftigen von ihrer Schwelle weisen, die von verschmitzten Müssiggängern sich immer und immer wieder ausbeuten lassen, ohne dass sie deshalb ihr Herz verhärteten. Noch immer giebt es barmherzige Glaubensbrüder, die nicht erst warten, bis die Armut sich meldet, sondern die in eigener Person eingreifen, in die Quartiere des Elends sich hineinbegeben und nach Kräften zu helfen suchen. Auch die schöne echt jüdische Sitte, die Kinder mit der Ausübung des Wohlthuns zu betrauen, damit sie frühzeitig menschliches Elend kennen lernen und frühzeitig ihr Herz der Liebe und Milde öffnen, wird immer noch geübt. Was aber unsere Väter kaum dem Namen nach kannten und auch zu kennen nicht nötig hatten, weil eben jeder Einzelne der Pflicht des Judentums sich bewusst war, das ist die organisierte Wohlthätigkeit, die Ausübung der Menschenliebe in Vereinen. Unzählige Vereine dieser Art existieren und stiften unendlichen Segen. Natürlich und selbstverständlich ist es, dass wie in allen anderen Dingen so auch bei der Vereinswolilthätigkeit die Schattenseiten nicht fehlen. Wenn man vielfach die Behauptung hört, durch die Vereine habe die Privatwohlthätigkeit gelitten, so liegt darin unseres Erachtens ein Körnchen Wahrheit. Gar mancher zahlt seinen Beitrag an diese oder jene Vereinigung und glaubt dadurch allen weiteren Verpflichtungen der notleidenden Menschheit gegenüber enthoben zu sein. Das ist ein schweres Unrecht. Das eine thun und das andere nicht lassen, sollte sich jeder zum Motto nehmen, denn die Vereine, und seien die Mittel noch so gross, können unmöglich alles schaffen und bedürfen der ergänzenden privaten Mildthätigkeit. Auchkann es wohl nicht immer aus der Luft gegriffen sein, wenn man der von Vereinen ausgeübten Wohlthätigkeit schablonenhaftes Wesen, bureaukratischen Geschäftsgang und allzu langsames Arbeiten nachsagt. Es sind das Missstände, die leider mit allem Vereinswesen in einem gewissen unlösbaren Zusammenhang stehen. Ein Verein, der seinen Mitgliedern über sein ganzes Thun und Lassen und namentlich in seinen Einnahmen und Ausgaben verantwortlich ist, ist ganz naturgemäss in seiner Bewegung*- fähigkeit eingeengter und eingeschränkter als der Privatmann, der nur seinem eigenen Gewissen Rechenschaft schuldig ist. Einen guten Teil Zeit, Geld und Mühe nehmen ja schon allein die leidigen Recherchen in Anspruch. Und gerade diese sind notwendig, will man nicht jahraus jahrein die Mittel des Vereins einfach nutzlos und zwecklos vergeuden. Es ist ja bekannt, wie viele gewissenlose Menschen es giebt, die ohne bedürftig zu sein, lediglich um eia bequemes Leben führen zu können, die Unterstützung der Vereine in Anspruch nehmen. Das Schnorrertum von Profession, das ohne Arbeit und ohne den Willen zur Arbeit ein Dasein führt herrlich und in Freuden und das häufig genug schon an das Hochstaplertum grenzt, brandschätzt sowohl die Privatmildthätigkeit wie die Wohlthätigkeit der Vereine in geradezu unerhörter Weise. Diese Sippschaft, die mit allen Hunden gehetzt ist, die an Schlauheit, Unverfrorenheit und Zähigkeit das Unglaublichste fertig bringt, ist eine wahre Landplage. Dies Gesindel nimmt direkt dem wirklich Würdigen und Bedürftigen die Gabe, die ihm allein zukommt, es trägt auch die Schuld daran, dass so und so viele sonst hilfsbereite Menschenfreunde, nachdem sie ein Dutzend mal und mehr von abgefeimten Gaunern hintergangen wurden, auch dem wirklich ehrlichen Armen gegenüber hart und misstrauisch werden. Wenn es noch ein Mittel gäbe, die Böcke von den Schafen zu sondern! Aber das giebt es eben nicht. Auch der gewiegteste Menschenkenner ist in diesen Fällen nicht sicher vor dem Betrogenwerden. Generelle Regeln lassen sich eben hier absolut nicht aufstellen. Der gesunde Menschenverstand und die praktische Erfahrung können hier allein entscheiden und werden dennoch in so und so vielen Fällen in die Irre führen. Eines aber wenigstens müssen wir, entsprechend dem Rat eines alten Kriminalbeamten, allen denen anempfehlen, die mit den obenangegebenen Untersuchungen zu thun haben: Man mache seine Besuche nur vormittags. Nachmittags sind jene Herrschaften immer auf Visiten eingerichtet. Manche Leute haben die Gewohnheit, dem Bittsteiler ohne weiteres den Zweck ihres Kommens mitzuteilen, andere ziehen erst im Hause oder in der Nachbarschaft Erkundigungen ein und statten dann erst den Besuch ab, wieder andere suchen sich Eingang in die betreffende Wohnung zu verschaffen unter irgend einem plausibel erscheinenden Vorwand, ohne sich zu erkennen zu geben. Welche von diesen Methoden die richtigere und zweckmassigere ist, lässt sich absolut nicht feststellen, darüber muss eben von Fall zu Fall Entscheidung getroffen werden. Es ist übrigens ein Irrtum, wenn man behufs Erteilung von Auskünften den Hausbesitzer oder Vizewirt für die geeignetste Persönlichkeit hält. Der Hauswirt bezw. sein Ver-