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Berliner Vereinsbote · 1897-12-10 · Heft 50 (10.12.1897) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Berliner Yereinsbote. (^enfraf-dJnjan für die jüdischen Vereine Evschemt*. Jeden Freitag. Mit der Beilage ״Israelit. Familienblatt.“ Merlins. Postzeitungsliste 1012. Bezugspreis: Redaction, Expedition und Annoncen-Annahme Für Berlin vierteljährlich Mk. 0 75, Berlin NO., Elisabethstrasse 59 a. für auswärts Mk. 1,00. י DM- Fernsprech-Anschluss Amt VII, No. 4662. Insertionspreis: Oie viergespaltene Petitzeile 30 Pfg. Bei Wiederholung Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Nummer 50. Berlin, den 10. Dezember 1897 III. Jahrgang. Nachdruck sämmtlicher Artikel nur unter voller Quellenangabe gestattet. Die Redaktion. Eine Enquete. Zu denjenigen Strömungen, welc-lie zur Zeit innerhalb der Judenheit such geltend machen, gehört der Zionismus. Auf dem Baseler Kongress hat er seine Forderungen in bestimintenProgrammpunkten zusammengefasst. In Deutschland hat jene Bewegung bis jetzt noch verhältnismässig wenig Anhang gefunden, doch ist man eifrig an der Arbeit, auch unter den deutschen Juden Anhänger zu gewinnen. Schroff stehen sich in dieser Frage die Meinungen gegenüber, jeder Tag bringt neue Kämpfe, und man kann nach dem, was bis heute an die Oberfläche gelangt ist, nicht grade behaupten, dass aus diesem Austausch der Ansichten die Meinungen geklärt zu Tage getreten seien. Um nun auch unsererseits in dieser Angelegenheit eine Aussprache herbeizuführen, haben wir folgendes Schreiben an eine grosse Anzahl bekannter und hervorragender Glaubensgenossen in Deutschland abgesandt: Berlin, 9. Dezember 1897. Sehr geehrter Herr! Zu denjenigen Strömungen im Judentum, welche in der letzten Zeit ein gewisses Aufsehen erregt, gehört der Zionismus. Auf dem Kongress zu Basel sind folgende Programmpunkte als Grundsatz aufgestellt worden: 1. Die zweckdienliche Förderung der Besiedlung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. 2. Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaltungen nach den Landesgesetzen. 3. Die Stärkung des jüdischen Volksgefühls und Volksbewusstseins. 4. Vorbereitende Schritte zurErlangung der Regierungs־ Zustimmung, die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu erreichen. Im Interesse der Aufklärung, soweit uns deutsche Juden diese Frage angeht, ersuchen wir Sie höflichst, nachfolgende Fragen Ihrer geschätzten Würdigung zu unterziehen und uns Ihre wertvolle Meinung baldigst übermittein zu wollen. 1. Hat nach Ihrer Ansicht der Zionismus auf Grund vorstehenden Programms eineExistenzberocht'gung? 2. Können wir Deutsche ein jüdisches Nationalität,*- prinzip anerkennen? 3. Welche Einwirkung auf das Judentum erwarten Sie von der zionistischen Bewegung? 4. Welchen Einfluss auf den Antisemitismus erwarten Sie von der zionistischen Bewegung? 5. Halten Sie die Ideen des Zionismus überhaupt für durchführbar? Wir werden, sobald die Antworten in unseren Händen sind, mit der Veröffentlichung derselben im ״Berliner Vereinsbote14 beginnen. Ihrer geschätzten Antwort entgegensehend, zeichnen Hochachtungsvoll Redaktion und Verlag des ״Berliner Vereinsbote.“ Die Befragten gehören den verschiedensten Berufsständen an, auch hinsichtlich der religiösen Richtung haben wir bei der Answahl der in Frage kommenden Persönlichkeiten nach bestem Wissen und bester Ueberzeugung die grösste Objektivität walten lassen. Hoffentlich wird es uns auf diese Weise gelingen, zur Beleuchtung und Klärung jener im Judentum auftretenden Bewegung auch an unserem Teil beigetragen zu haben. Sobald wir im Besitz der Antworten sind, wird deren Veröffentlichung erfolgen. Streifzäge durch das Gebiet der Wohlthätigkeit. (Fortsetzung und Schluss.) Dass die Ausübung des Wohlthuns eine der herrlichsten speziell jüdischen Tugenden ist, darf wohl als unstreitbare Thatsache gelten. Selbst unsere erbittertsten Gegner müssen das, wenn auch widerwillig genug, zugestehen. Die Lehre des Judentums und — dieser sich anschliessend — die Praxis des Lebens steht dabei durchaus nicht auf dem Standpunkt einer Wohlthätigkeit ins Blaue und Ungemessene hinein, einer Wohlthätigkeit ohne Sinn und Verstand, ohne Regel, Ziel und Grundsatz, die schliesslich mehr Schaden als Nutzen stiftet Jüdisches Gebot und jüdischer Brauch war es und sollte es auch heute noch sein, schnelle Hülfe zu

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