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Berliner Vereinsbote · 1897-12-03 · Heft 49 (3.12.1897) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 49 (3.12.1897)
Date
1897-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der ,.Central-Verband für jüdische Wohtthätigkeitspffege“ hielt am :30. vorigen Monats im Sitzungssaale der Repräsentanten eine Versammlung ab, an der sich viele Damen und Herren. Vertreter jüdischer Vereine und den Wohlfahrtsbestrebungen nahestehende Privatpersonen beteiligten. In der Begriissung hob der Vorsitzende Herr Martin Simon mit Genugtlmung hervor, dass sowohl diese Versammlung, als auch das sonst innerhalb der Vereine und Gemeinde an den Tag gelegte Interesse für den Central-Verband in erfreulichem Maasse bekunden, dass die Vorurteile, die anlängs gegen den Verbandsbestand bestanden, geschwunden sind. Trotz seines kurzen Bestehens hat der Verband gezeigt, wie segensreich er zu wirken im Stande ist; besonders habe sich dieses in letzter Zeit gezeigt, als einig© Glaubensgenassen ausgewiesen wurden. Diese konnten mit Reise- und Zehrgeld und noch einigen Mitteln versehen werden zur Errichtung einer Existenz im Ausland; freilich ist es notwendig, dass er reichlicher mit Berichten versehen werde. Der Vorsitzende sprach daher die Bitte aus, die Mitglieder (48 mögen den Verband doch mit ausreichenden Informationen und genaueren Berichten versehen. Hierauf hielt Herr Rechtsanwalt und Notar Breslauer einen Vortrag über ,.Die nächsten Ziele des Verbandes.“ Die wesentlichste Aufgabe der Wohlthätigkeit sei nicht ״geben“ sondern ״helfen“, besonders dafür zu sorgen, dass die Kinder der Armen erwerbsfähig gemacht werden. Um nachhaltig helfen zu können, müssen die berufsmässigen Bettler ausgeschlossen und wirklich Bedürftige mehr herücksichtigt werden, besonders Kinder durch Unterbringung in Kinderhorte u. 8. w. Die Centralstelle will die Wohlthätigkeit nicht verkürzen, sondern sie vielmehr erweitern und in die rechte Bahn lenken. Auch Einzelpersonen sollen von der Centralstelle Auskunft erhalten. Ohne eingehende Berichte könne sie nicht in dem Maasse wirken, wie sie es könnte, wenn sie mit genügenden Berichten versehen würde. Es sei durchaus falsch zu glauben, der Ausübung der Wohlthätigkeit geschehe dadurch Abbruch, im Gegenteil. Bisher sind 13 '200 Anfragen an die Centralstelle gerichtet worden, dagegen hat sie 14 300 Berichte ab gegeben, was daher kommt, weil die Commission auch ohne Anfragen Berichte gegeben hat. Die Consolidierung der 71 hiesigen Wohlthätigkeitsvereine müsse angestrebt werden: nur von 23 Vereinen sind Berichte erstattet worden; die Heranziehung der noch fehlenden Vereine wird zuerst ins Auge zu fassen sein. Referent bezeichnet sodann als die nächstliegende Aufgabe des Central- Verbandes, die Einrichtung zu treffen, dass Jeder Nachricht erhalte. Ferner müssen Versammlungen abgehalten werden, in der die Ansichten über die Wohlthätigkeit betreffenden Fragen geklärt werden: z. B. Wie soll ein Gesuch geprüft werden? Wodurch soll geholfen werden? Sind alle Arten der Wohlthätigkeit genügend vertreten? Austausch der Gesuche! u. s. w. Referent schloss seine eingehenden, anschaulichen und von vieler Wärme für die Sache zeugenden Ausführungen mit einem Appell zum Beitritt und grösserer Interessebekundung. besonders für die Versammlungen. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Eugen Rosenstiel, Dr. H. Meyer Cohn, Dr. Maybaum. R.-Anw. Krafft, Pincus. Dr. Lew. H. Abraham und J. Weinberg. Berlin. Zu der vom Verein ״Mädchenhaus Pankow“ einberufenen ordentlichen Generalversammlung, welche am 21. ds. in den Wohnräumen des vor kurzem verschiedenen Begründers Herrn Justizrat Mako wer stattfand, hatten sich zahlreiche Mitglieder und Gönner nebst ihren Damen eingefunden. Nach einleitendem Gesänge des aus den Zoglingen des Mädchenhauses und des Knabenhauses zusammengesetzten Chores widmete der Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsanwalt Breslauer, dem verstorbenen Justizrat Makower einen warm empfundenen Nachruf. In grossen Zügen entwickelte er die Erziehungsgrundsätze, nach denen der Verblichene in seinen beiden Stiftungen, dem Knaben- und Mädchenhaus, verfuhr, und die sich als so glänzend bewährt hätten, dass sie bereits für andere Institute als vorbildlich gelten. Mit einem Appell an die Zöglinge, den! Dahingeschiedenen dankbar zu sein für das, was er für sie gesorgt und geschaffen, dankbar zu sein ihre du ׳oh Thätigkeit, und mit der Aufforderung an die Mitglieder und Freunde des Vereins, weiter zu arbeiten im Sinne des Verblichenen, schloss der Vorsitzende seine wirkungsvolle Gedächtnisrede. Nach abermaligem Chorgesang gab er alsdann den allgemeinen Bericht über die Thätigkeit des Vereins und berichtete über den Umban des zweiten Teiles des Hauses. Zu Punkt 4 der Tagesordnung hatte der Vorstand vorgeschlagen, den <3 der Satzungen dahin zu ändem, dass statt fünf nunmehr acht Vorstandsmitglieder gewählt und zu den männlichen drei Damen hinzugenommen werden sollen. Die Versammlung erklärte sich mit dieser Statutenänderung einverstanden und erwählt Frau Landgerichtsrat Loewe, Frau Direktor Grunwald und Frau Gertrud Messe. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden alsdann durch Akklamation wiedergewählt. Zum letzten Punkt der Tagesordnung lag ein Antrag auf Einführung von Schutzdamen vor. Es hat sich als notwendig herausgestellt, die entlassenen Mädchen in der ersten Zeit zu beaufsichtigen. Die Zöglinge sollen ein halbes Jahr unentgeltlich in Dienst gegeben werden. Ein weiblicher Beirat, aus fünf Damen bestehend, soll die Auswahl der Schutzdaraen treffen und die Unterbringung und Beaufsichtigung der Mädchen während des ersten halben Jahres in sachgemässer Weise durchführen. Zwei aus der Mitte der Ver- Sammlung kommende Anregungen, die Mädchen nur ein viertel Jahr und auch nicht unentgeltlich in den Dienst zu geben, sollen auf Wunsch des Vorsitzenden den weiteren Beschlüssen des Ausschusses anheimgegeben werden. Nachdem noch für die Wahl zum Ausschuss die Damen Eisner, Louis Bamberger, Ernestine Mecklenburg, Reich und Saulmann vorgeschlagen waren, schloss der Vorsitzende die Versammlung, indem er seiner Freude darüber Ausdruck gab, dass der letzte Antrag, der die Thätigkeit des Vereins in weitere Kreise dringen zu lassen geeignet ist, solchen Anklang gefunden habe. (Aus Allg. Ztg. d. J.) Die ״Miets- und Unterstützungsanstalt der jüdischen Gemeinde Chebrath Jascharim“ begeht im Januar nächsten Jahres das Jubelfest ihres hundertjährigen Bestehens. Für diese seltene Feier hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde ausnahmsweise die Synagoge in der Lindenstrasse zur Verfüguug gestellt und wird daselbst am 15. Januar 1898 abends 7y2 Uhr eine grosse Musikaufführung stattfinden. Unter anderen Künstlern hat Herr Professor Joachim seine Mitwirkung zugesagt. Umschau. — Bei den Stadtverordneten-Stichwahlen am vergangenen Freitag ist die letzte Säule der antisemitischen Bürgerpartei, Herr Pretzel. im dritten Bezirk mit ganzen 4 Stirnmen Majorität wiedergewählt, worden. Darob eitel Freude und Seligkeit in jenem Lager. Die Herrschaften haben sich freilich im Laufe der Zeit an Bescheidenheit gewöhnen müssen. Im Uebrigen besitzt die Stadtverordneten-Ver- Sammlung einen genügend starken Magen, um diese eine Pretzel verdauen zu können. — Ahlwardt will ausser in Hagen auch wieder in seinem alten Wahlkreise Arnswalde-Friedeberg bei den kommenden Reichstagswahlen kanditieren. Da die fraktionellen Antisemiten ihm einen Gegenkandidaten ge ge nüb erstellen wollen und auch die konservative Partei nicht gewillt ist, dem einst von ihr vergötterten Judenflintenmann ohne Schwertstreich das Feld zu überlassen, so kann man sich ja auf einen interessanten Wahlkampf und recht nette ״Enthüllungen“ gefasst machen. — Der Reichstagsabgeordnete Ahlwardt hatte sich an den Magistrat zu Mainz mit dem Ersuchen gewandt, ihm zur Abhaltung einer grossen Volksversammlung die dortige Stadthalle zur Verfügung zu stellen. Die Stadt-

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