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Berliner Vereinsbote · 1897-11-26 · Heft 48 (26.11.1897) · page 7

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Mode-Bazar Guttman Nachf. Landsbergerstr. 66/67. gp^־־ jLrtlkel aller DW^- Jeder Vorzeiger dieses Inserats erhält 5% Rabatt. bewirkt werden, wenn eine Bereicherung der Kasse nun einmal auf diesem Wege erreicht werden soll. ln einer stark besuchten Sitzung des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker sprach am Dienstag abend Herr Schrifsteller R. Wohlberg über das Thema ,,Die Hebung des Handwerks." Sowohl die Handwerkerfrage im allgemeinen wie im besonderen die Lage des jüdischen Hand- Werks in der gegenwärtigen Zeit fanden in dem Vortrage die eingehendste Berücksichtigung. Der Vortragende warnte namentlich vor Utopistereien und Vorstellungen, welche zur Hebung des Handwerks alles von len staatlichen Behörden erwarten, vor veralteten, für das moderne Handwerk nicht mehr passenden Institutionen, wie Innungszwang, Befahlgungsnachweis u. 8. w. Die Hauptaufgabe des Handwerkers und ganz besonders des jüdischen Handwerkers bezeichnete der Redner als dahingehend, zunächst das Lehrlingswesen zu fördern durch fleissige Benutzung der Fortbildungs- und Fachschulen, sodann in seinem Handwerk nur hervorragend gute Leistungen zu produzieren und schliesslich im Handwerksberufe auch die kaufmännische Befähigung nicht zu Unterschätzen. An den Vortrag, der mit reichstem Beifall aufgenommen wurde, schloss sich eine rege Diskussion. Umschau. — Herr Rabbiner Dr. Blumenthal-Ratibor, der erst kürzlich durch seine Festrede bei der Jubelfeier des Vereins ״Gewul Tauwu den weitesten Kreisen der Berliner Gemeinde in vorteilhaftester Weise bekannt geworden ist, hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod seines würdigen Vaters, der nach längerem Leiden vor einigen Tagen sanft entschlafen ist. Der Verstorbene war ein streng gesetzestreuer Jude und gehörte der orthodoxen Gemeinde ״Adass Jisroel“ als Mitglied seit dem ersten Tage ihres Bestehens an. Er war aber auch ein Mann von warmfühlendem Herzen und hat sich in diesem Sinne namentlich in verschiedenen jüdischen Vereinen bethätigt. u. a. war er Ehrenmitglied des Vereins ״Gewul Tauw“. Die Beerdigung fand unter ausserordentlich starker Beteiligung am Sonntag vormittag statt. Am Grabe sprachen die Herren Rabbiner Dr. M. Hildesheimer und der Sohn des Verewigten, Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor. —- Ein Altmeister deutscher Wissenschaft, der berühmte Botaniker Prof. Ferdinand Cohn in Breslau, beging kürzlieh das seltene Fest des nOjähngen Doktonubiläums. Kennzehnjährig war Ferdinand Cohn Doktor der Philosophie geworden! Es giebt unter den Lebenden vielleicht nicht einen zweiten, der sieh des Gleichen rühmen kann. Aut 24. Januar 1828 in Breslau geboren, studierte er 1844 erst dort, dann in Berlin, wo Männer wie Dove, Ehrenberg, Lepsius, Link und Mitscherlich seine Lehrer waren, die Naturwissenschaften und widmete sieh besonders der Botanik. Auf diesem Gebiete waren besonders Prof. Göppert in Breslau und Prof. Link in Berlin seine Lehrer, hier trieb er aber auch fleissig Zoo- Phytochemie unter Mitscherlieh'8 Leitung. Seine Inauguraldissertation, mit der er den Doktorhut erwarb, ist in lateinischer Sprache abgefasst: die physiologische Arbeit ist den Professoren Göppert und Mitscherlich gewidmet. Im Jahre 1850 hatte sich Cohn als Privatdozent für Botanik an der Breslauer Universität habilitiert, wurde 1850 ausserodentlicher und 1871 ordentlicher Professor. Die Regierung hat die hohen Verdienste Cohn’s schon Vorjahren dadurch anerkannt, dass sie ihm den Titel eines Geheimen Regierungsrates verliehen hat. Seine wissenschaftlichen Verdienste sind unvergänglich, sie sind in die Annalen der Botanik mit goldenen Lettern eingezeichnet. Er hat eine grosse Reihe neuer grundlegender, befruchtender Ideen in diese Wissenschaft hin ein getragen, er hat die Pflanzen biologie auf eine solide Basis gestellt, indem er sie in Anatomie und Physiologie zerlegte, die im Pflanzenreich ebenso gründlich studiert werden müssen, wie im Tierreich. Den Gegenstand seiner Forschungen bildeten fast nur die niedrigsten pflanzlichen Lebewesen. Er hat wesentlich geholfen, die früher stark verschwommenen Grenzen von Pflanzen- und Tierreich abzustecken, er lehrte z. B. Infusorien und Bakterien von einander unterscheiden, von denen er die ersteren dem Tierreich, die letztere dem Pflanzenreiche zuwies; er zeigte ferner den gemeinsamen elementaren Aufbau der niedersten Pflanzenarten, wie Algen und Pilze, in deren Zellenprotoplasma der Träger des Lebens so gut wie bei den Tieren zu suchen ist. Ferdinand Cohn gehört zu den Begründern der modernen bakteriologischen Wissenschaft. Schon vor mehr als vierzig Jahren hat er sich mit dem Studium der Formen und Wirkungen der Bakterien als Krankheitserreger vorbereitet. Bei Cohn erhielt Robert Koch Ende der 70er Jahre, damals noch Kreisphvsikus in dem Städtchen Wollstein. Lehren und Anregung zu seinen epochemachenden Studien über Bakterien. Die Zahl der einzelnen Veröffentlichungen Cohn’s ist sehr gross, sie sind der ganzen Botanik zu Gute gekommen. Unter seinen Fachgenossen geniesst Cohn den Ruf einer ersten Autorität. Wiederholt hat er auch naturwissenschaftliche Fragen in populärem Gewände geschickt dargestellt. Viel beachtet wurde z. Z. sein auf der Berliner Naturforscher-Versammlung 1886 gehaltenerVortrag״Lebensfragen“, in welchem er der Menschheit mit ziemlicher Gewissheit in Aussicht stellte, dass die Chemie einmal das Problem lösen würde, aus Stein Brod zu machen. Dem Jubilar wurden Ehrungen in reichster Fülle zu Teil. U. A. wurde ihm der Kronenorden III. Klasse verliehen, die Stadt Breslau ernannte ihren berühmten Mitbürger zum Ehrenbürger. Der Ehrenbürgerbrief, den Oberbürgermeister Bender dem Geheimrat Ferdinand Cohn überreichte, lautet: ״Den! hochverdienten Lehrer unserer Hochschule, zu deren Zierden er länger als vierzig Jahren gehört, dem bahnbrechenden, von schöpferischem Geiste beseelten Forscher auf dem weiten Gebiete der Pflanzenphysiologie, dessen Name mit Ehren genannt wird, soweit die Wissenschaft in der Welt eine Heimstätte hat: dem ausgezeichneten, auch dem Laien zugänglichen Schriftsteller, dessen klassische Meisterwerke den Schatz der deutschen Sprache bereichert haben: dem allverehrten Mitbürger, der trotz verlockender Rufe in die Ferne seiner Vaterstadt treu geblieben ist, ihren Ruhm gemehrt hat und ihrem Dienste sein reiches Wissen jederzeit bereitwilligst zur Verfügung stellt.u Der neue Ehrenbürger hob in seinem Dank hervor, dass er diese Würde als eine Ehrung der Universität betrachte, au der er zur Zeit der einzige Breslauer sei, der ihr solange angehöre. Berlin. Der vor einigen Jahren selig entschlafene D. A. B. (Deutscher Antisemiten-Bund ist wiederum neu begründet worden. Man hofft mit Hilfe desselben der Agitation in der Reichshauptstadt, die in letzter Zeit arg in die Brüche gegangen war, frisches Blut zuzuführen. Die Herrschaften werden sich verrechnen, der Radauantisemitismus hat sich in Berlin wenigstens ausgelebt. — Um die Frage, ob Ehen, die nach jüdischem Ritus geschlossen sind, nach preussischem Recht ungiltig und ob die Kinder solchen Ehen rechtlich als uneheliche anzusehen sind, handelte es sich in der 140. Abteilung Kgl. Amtsgerichts I. lb-s Hausfriedensbruches angeklagt war die Frau Rosalie Weisshof. gob. Eichenkranz aus Warschau. Die Angeklagte hatte sich mit ihrem Manne nach jüdischem Ritus verheiratet und ist auf dieselbe Art von ihm geschieden: der Mann befindet sich jetzt in Amerika. Der Ehe entstammen mehrere Kinder; mit den älteren, die Artisten sind, reist Frau Weisshof umher, die jüngste. Sonja, hat sie hier in Berlin bei einer Frau Lewin in Pflege

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